Meersburg Bürgermeister Robert Scherer legt hohes Tempo vor

Robert Scherer ist am 2. April 2017 als Bürgermeister von Meersburg in sein Amt eingeführt worden. Im SÜDKURIER-Gespräch erzählt er über die ersten 100 Tage, was er bereits angestoßen oder erledigt hat und was er weiter plant.

Die 100-Tage-Marke im neuen Amt hat Robert Scherer bereits hinter sich gelassen. Er hat seit seiner Einführung als Bürgermeister am 2. April ein hohes Tempo vorgelegt, einige alte Aufgaben, wie die Renovierung der Therme, abgeschlossen, einige neue bereits angestoßen. Doch wenn es nach Scherer ginge, dürfte vieles noch schneller laufen.

Was erste Erfolge angeht, freut er sich besonders über die Wiederbelebung des Gewerbevereins Aktiv für Meersburg, der bereits kurz vor der Auflösung stand. Scherers Antritt verlieh ihm neuen Schwung: Unverzüglich nahm der neue Bürgermeister Kontakt zu Handwerkern und Händlern auf und ernannte Tourismuschefin Iris Müller und Bernd Engesser vom Bauamt zu städtischen Ansprechpartnern der Gewerbetreibenden. "Die Aufbruchstimmung finde ich phänomenal. Wir haben etwas Großes geschafft in kurzer Zeit." So findet nun am 22. Oktober ein großer Aktionstag "Meersburg im Herbst" statt, bei dem sich neben Geschäften, Gastronomen und Handwerkern auch die Stadt präsentieren wird. Diese Idee Engessers griff Scherer gerne auf: "Denn wir sind auch Dienstleister", betont er.

"In Ruhe und frei von Zwängen miteinander diskutieren"

Den Start seines Strategieplans 2030, mit dem er bereits 2017 loslegen wollte, müsse er aber "leider auf Frühjahr 2018 verschieben". Denn eine Klausurtagung des Gemeinderats, die vorab erfolgen soll, sei vor dem kommenden Herbst nicht machbar. Wozu braucht es dafür eine Klausur? "Für mich ist es wichtig, dass der Gemeinderat voll dahinter steht", unterstreicht Scherer. Er meint: "Damit wir alle gemeinsam ein Ziel verfolgen können, müssen wir vorher in Ruhe und frei von Zwängen miteinander diskutieren, etwa auch über Eigentumsverhältnisse."

Transparenz, sowohl innerhalb der Verwaltung als auch nach außen, sei ihm ganz wichtig, beteuert Scherer. So hat er die wöchentliche Amtsleiterrunde im Rathaus deutlich erweitert. Klare Grenzen zieht er, was die Rolle des kommunalen Infoblatts angeht: "Wir sind ein Mitteilungs- und kein Presseorgan."

In sein Amt, das zeitintensiv sei, aber viel Spaß mache, habe er sich gut eingelebt. Die neue Aufgabe sieht der frühere Bauamtsleiter von Uhldingen-Mühlhofen nicht als Seitenwechsel, sondern nur als "Umsteigen". Er habe jetzt Verantwortung für mehr Personen und Kreativität und Visionen seien stärker gefragt. Ideen habe er genug und "würde gerne das Tempo anziehen". Denn: "Wir haben echt was vor." Aber: "Das Anstoßen ist bisher nicht so möglich gewesen, wie ich mir das vorstellte, weil noch einiges aufzuarbeiten ist." Als Beispiel will er nur nennen, dass man derzeit etwa dabei sei, etliche Satzungen zu aktualisieren.

"Ich kann in 100 Tagen nicht alles machen, ich habe keine große Verwaltung"

Einiges sei aber auch schon gelöst, so etwa das Baulückenproblem in der Unterstadt. Seit Jahren klafft dort eine Brache, wo längst ein Mittelalterhotel stehen sollte. Doch mit dem Besitzer sei sich die Stadt nun einig, einem Bau stehe nichts mehr im Wege, so Scherer. Auch die Bebauungspläne Rosenhag und Allmend seien endlich abgeschlossen und in punkto Parkkonzept habe man mit dem Beschluss für die Schranke am Fähreparkplatz den ersten Schritt gemacht. Was wird der zweite sein? Man müsse das Gutachten noch einmal "unter die Lupe nehmen", sagt Scherer und ärgert sich sichtlich, dass er keine konkretere Antwort geben kann. "Ich kann in 100 Tagen nicht alles machen, ich habe keine große Verwaltung", bedauert er. Doch während die Stadt bei diesem Thema selbst bestimmen kann, wo es langgeht, sieht das beim Weiterbau der B 31 anders aus. Hier konnte die Stadt lediglich Trassenvorschläge einreichen. Im Herbst gehe es mit dem Dialogprozess weiter, so Scherer. "Ich hoffe, dass wir eine einvernehmliche Lösung für alle finden." Doch seine Skepsis schimmert durch: "Wir sind das gallische Dorf." Denn nur Meersburg lehnt als einzige betroffene Kommune die derzeit favorisierte Trasse ab.

Nur bedingten Spielraum hat die Stadt, die kaum noch über eigene Flächen verfügt, auch bei der Schaffung von Wohnraum für Familien, ebenfalls ein Herzensanliegen Scherers. Es liefen aber bereits Gespräche, eventuell auf privatem Grund Möglichkeiten zu schaffen. In Kontakt ist Scherer auch mit der Bibelgalerie, die seit Jahren erweitern möchte, woran auch die Stadt Interesse habe. Doch vorher müsste die Tourismusinformation aus dem gemeinsam genutzten städtischen Gebäude ausziehen, in die alte Post. Genau das werde früher oder später auch geschehen, versichert Scherer. Nur: "Wir brauchen ein ordentliches Konzept für die alte Post und keine schnelle Lösung." Ideen dafür habe er, möchte sie aber erst vorstellen, "wenn das Thema reif ist." Was die geplante Zusammenlegung der Feuerwehr mit dem Roten Kreuz betrifft, hofft Scherer hingegen, bereits in den nächsten Monaten weiter zu kommen. "Die Entscheidung sollte bis Frühjahr 2018 fallen", betont er.

Scherer schätzt die Offenheit der Menschen

Als schönste Erfahrung seiner ersten 100 Tage nennt Scherer "die Offenheit der Menschen, die mir begegnet, egal, wo ich hinkomme". Man nehme ihn, so wie er sei. "Ich darf auch mal die Seiten wechseln", schmunzelt er. Zum Beispiel als er anlässlich des Jubiläums der Sebastianskapelle in die Rolle des Interviewers schlüpfte und den einheimischen Georg Dreher befragte.

Auch das Verhältnis zum Gemeinderat und zu seinen Mitarbeitern sei sehr gut. Ihm sei wichtig, dass Letztere sich regelmäßig fortbildeten. Doch sie sollen sich auch bei der alltäglichen Arbeit wohl und geschätzt fühlen: So habe man jetzt eine Obstkiste eingeführt, aus der sich alle mit Vitaminen versorgen dürfen, und im Sommer gibt es Mineralwasser an den Arbeitsplätzen. Außerdem freut sich Scherer auch über die neue Veranstaltungsreihe im Vineum, Kultur unterm Dach, die er mit Kulturchefin Christine Johner angestoßen hat und die am Freitag, 21. Juli, starten wird. Bleibt Scherer ansonsten Zeit für Entspannung? Er lacht und verneint. "Bisher nicht." Er weiß aber: "Ich muss mir Zeitinseln schaffen."


Zur Person

Robert Scherer bei seiner Amtseinführung am 2. April mit seinem früheren Chef, dem Uhldinger Bürgermeister Edgar Lamm (links).
Robert Scherer bei seiner Amtseinführung am 2. April mit seinem früheren Chef, dem Uhldinger Bürgermeister Edgar Lamm (links). | Bild: Sylvia Floetemeyer

Robert Scherer wurde am 22. Januar im ersten Wahlgang mit 70,2 Prozent zum neuen Bürgermeister Meersburgs gewählt und löste damit Martin Brütsch ab, der 22,8 Prozent erhielt. Seit dem 2. April ist Scherer im Amt. Scherer kam 1967 in Meersburg zur Welt. Er ging in Uhldingen-Mühlhofen zur Schule, erwarb auf dem zweiten Bildungsweg die Mittlere Reife und die Fachhochschulreife und studierte Bauingenieurwesen. Danach arbeitete er als Angestellter und stieg später als Teilhaber in ein Büro für Bauwesen ein. Ab Januar 2013 leitete er das Bauamt von Uhldingen-Mühlhofen, 2014 begann er parallel dazu ein inzwischen abgeschlossenes Aufbaustudium an der Verwaltungsfachhochschule in Kehl. Scherer ist verheiratet und hat mit seiner Frau Tina zwei Kinder. (flo)

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