Meckenbeuren - Jürgen Mack verlässt das Staatliche Seminar Meckenbeuren

Nach 23 Jahren geht es jetzt in den Ruhestand. Das Seminar verliert einen Ideengeber und Querdenker. Der Welt des Theaters bleibt Jürgen Mack aber auch künftig treu.

"Du hattest immer einen weiten Blick für Bildung und warst in unserem Leitungsteam des Seminars eine wahre Konstante." So stieg Karl Handschuh, Direktor des Seminars Meckenbeuren, in seine Dankesrede für Jürgen Mack ein. Ganz schnell wird deutlich, dass mit Jürgen Mack ein ganz Großer das Staatliche Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Meckenbeuren verlässt. Er trat vor 23 Jahren seine "erste und einzige nicht gewollte Stelle seines Berufslebens" im Seminar an und ist heute rückblickend dankbar dafür – so wie auch alle Anwesenden bei seiner Feier am vergangenen Donnerstag im Montfortsaal des Seminars Meckenbeuren.

Aufgewachsen im Nordschwarzwald, zwischen Bergen mit wenig Horizont, stand nach seiner Schullaufbahn für den Querdenker Mack fest, dass er dieses Tal verlassen wird. Sein damaliger Deutschlehrer brachte ihm Bücher und das Theater mit zum damaligen Zeitpunkt umstrittenen Werken nah – und auch, was es heißt, Zivilcourage zu zeigen. Eine weitere "Begegnung, die sein Leben veränderte" machte Mack, als er das Manuskript von Theodor Adornos "Erziehung nach Auschwitz" las. Für ihn war sofort klar: "Ich werde Lehrer und zwar Hauptschullehrer", berichtete der frisch pensionierte Seminarbereichsleiter.

Jürgen Mack verabschiedet sich als ehemaliger Seminarbereichsleiter von seinen Wegbegleitern in Meckenbeuren.
Jürgen Mack verabschiedet sich als ehemaliger Seminarbereichsleiter von seinen Wegbegleitern in Meckenbeuren. | Bild: Kerstin Oettle

Mit 25 Jahren ging er an die reformpädagogische Bodensee-Schule St Martin – und war anfangs überfordert mit den Schülern und seinen eigenen Vorstellungen. Sein Freund und Wegbegleiter Roland Dorner sagte damals zu ihm: "Nicht die Kinder können wir ändern, wir und unsere Methoden müssen sich ändern." Das war der Startschuss in die Theaterpädagogik für Jürgen Mack. Als Bereichsleiter war Jürgen Mack über ein Jahrzehnt lang am Seminar Meckenbeuren für die Ausbildung im Fach Deutsch verantwortlich und gründete vor über 15 Jahren die theaterpädagogische Ausbildung, die in ihrer Form einzigartig in Deutschland ist. 2009 erhielt er dafür das Bundesverdienstkreuz.

Bis zu seiner Pensionierung bildete er erfolgreich über 400 Absolventen in Theaterpädagogik aus. Außerdem gründete er 2009 das Theater Oberschwaben-Bodensee (TOB) und prägte die Theatertage am See nachhaltig. In den Reden wird Mack immer wieder als humorvoll, offen, kreativ, leidenschaftlich oder als großartiger Ideengeber beschrieben. "Er wird uns fehlen als Querdenker, der fachdidaktischen Boden vermittelt hat, wie auch als Generator, der Dinge multipliziert und zu Netzwerken gemacht hat", so Karl Handschuh.

"Man muss loslassen. Um beide Hände frei zu haben, um Neues zu gestalten", sagt Ingrid Merkel zum Abschied von Jürgen Mack. Merkel leitete die Landesakademie für Schulkunst, Schul- und Amateurtheater in Gaggenau-Bad Rotenfels.
"Man muss loslassen. Um beide Hände frei zu haben, um Neues zu gestalten", sagt Ingrid Merkel zum Abschied von Jürgen Mack. Merkel leitete die Landesakademie für Schulkunst, Schul- und Amateurtheater in Gaggenau-Bad Rotenfels. | Bild: Kerstin Oettle

Seine Mitarbeiter wünschten ihm, dass er in seinem neuen Lebensabschnitt "seine Zeit mit Leidenschaft füllt in Dingen, die er gerne tut". Er selbst sieht sich auch zukünftig noch in weiteren Theaterprojekten mitwirken – außerdem mit seiner Frau auf Reisen sowie in der Rolle als kreativer Opa. Sichtlich gerührt dankte Jürgen Mack seiner Frau als kritische Mitstreiterin mit wertvollen Impulsen und allen Wegbegleitern mit den Worten: "Euch habe ich mein erfülltes Leben hier im Seminar in den letzten 23 Jahren zu verdanken".

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