Meckenbeuren „Frauenbande“ singend erobert

Männergesangverein „Harmonia“ setzt auf erfolgreiches Chorprojekt

Ein bisschen ist es wie im Märchen. Auf dem Männergesangverein „Harmonia“ aus Meckenbeuren lastet ein Fluch, der viele Männerchöre landauf, landab trifft: Es mangelt an Nachwuchs. Die Jungen wollen nicht mit den Alten singen, und die schon etwas älter sind, fangen nicht mehr damit an. „All unsere Werbeaktionen sind fruchtlos geblieben“, sagt der Vorsitzende Anton Zahn. Als man schon fast resigniert hatte, kam jemand auf die Idee, Esther Pelleg für ein Projekt zu begeistern. Eines Tages rief diese also bei Anette Zanker an und meinte: „Hast du Lust, einen Chor mit mir zu leiten? Es gibt da einen Männerchor in Meckenbeuren, die wollen gerne ein Projekt starten. Du bist die Richtige, wir machen das zu zweit.“ Das Problem: Die beiden Musikerinnen aus Kressbronn wollten partout einen Frauenchor haben. Nach einigem Hin und Her wurde man im Männerchor Harmonia einig: „Ja. Machen wir.“ Dann hat Anton Zahn höchstpersönlich Flugblätter vor Kindergärten an junge Mütter verteilt. Man fing an zu proben und nannte sich fortan „Frauenbande“.

Das alles ist ein halbes Jahr her. Am Freitagabend konnte ein sehr gespanntes Publikum im restlos ausverkauften ehemaligen Güterschuppen am Gleis 1 erleben, was für ein Projekt die beiden guten Feen mit ihrer „Frauenbande“ innerhalb eines halben Jahres für den Männergesangverein gezaubert haben. Sie haben ihr Projekt „Patchwork“ getauft.

„Patchwork“ steht für die unterschiedlichen Lebenssituationen, aus denen die jungen Mütter, Hausfrauen, Berufstätigen, Referendarinnen, Managerinnen und Studentinnen zusammengefunden haben. „Patchwork“ steht aber auch für ein Repertoire, das aus Weltmusik aus Israel, aus Irland und aus deutschem Rock und Pop geschneidert ist.

Damit nicht genug. „Patchwork“ war nicht einfach ein Konzert aus zwei Teilen und zwanzig Minuten Pause. Wer „Patchwork“ erlebt hat, der hat ein Klezmerfestival erlebt, der war zu Gast auf einer jiddischen Hochzeit, der hat Whisky in einem irischen Pub getrunken, der ist auf hoher See in ein Unwetter geraten und der hat sich in einer Rateshow mit dem Chor als „Buzzer-Knopf“ wiedergefunden. Esther Pelleg und Anette Zanker sind mit ihren Sängerinnen munter durch Musikkabarett, Musical, Musiktheater und Chorlieder getanzt. Ob Küchengroove oder Unwetter über Meckenbeuren, sie sind zusammengewachsen und waren mit Dougie MacLean absolut „Ready for the Storm“. Sie haben ganz locker gezeigt, dass man selbst deutsche Rock- und Pop-Ohrwürmer wie „Die perfekte Welle“ (Juli), „Dieser Weg“ (Xavier Naidoo) und „Ich bau `ne Stadt für dich“ (Cassandra Steen) im Chor singen kann. Publikum und Männerchor waren begeistert. Anton Zahn hofft jetzt auf ein märchenhaftes Ende, bei dem der Chor sich zu einer festen Einrichtung etabliert, dann zum gemischten Chor anwächst und früher oder später auch den ersehnten Nachwuchs für den Männergesangverein liefert.

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