Markdorf Werke von Wolfgang und Reinhard Scherer in der Stadtgalerie zu sehen

"Gefüge" ist der Titel der Ausstellung in der Markdorfer Stadtgalerie, die noch bis 9. März zu sehen ist. Wolfgang Scherer zeigt Radierungen, sein Bruder Reinhard Scherer Stahlplastiken und Wandarbeiten.

Sie sind Brüder. Und sie sind Künstler. Beide drücken sich üblicherweise abstrakt aus. Wolfgang Scherer schabt und ätzt seine Linien und Flächen in Metall, um sie anschließend auf Papier zu drucken. Reinhard Scherer, der Jüngere von beiden, verschweißt Stahlplatten zu Plastiken, die mal monomental ausfallen, um im öffentlichen Raum präsentiert zu werden, die aber durchaus auch mal kleiner ausfallen können. So wie jene Arbeiten, die derzeit in der Markdorfer Stadtgalerie neben den Radierungen von Wolfgang Scherer zu sehen sind.

Die Ausstellung mit dem Titel "Gefüge" hat der Kunstverein organisiert, sie ist noch bis zum 9. März zu sehen. Ein Titel, der sowohl zu den plastischen Arbeiten Reinhard Scherers passt wie auch zu den Radierungen Wolfgang Scherers. Dort fügen sich die Skulpturen, zumeist für den Betrachter gut sichtbar, aus den einzelnen Stahl-Elementen zusammen. Mitunter lässt Reinhard Scherer Schweißgrate stehen, sodass die offensichtliche Konstruiertheit erst gar keinen Gedanken an Gewachsensein, an organische Strukturen wecken kann. Noch ein zweites Moment verweist auf den Ausstellungstitel. Reinhard Scherer verschränkt leeren und umhüllten Raum, was insbesondere bei den Schattenwürfen seiner Wandobjekte ins Auge fällt, wo Hell und Dunkel konstruieren. Der immaterielle Schatten auf dem Hintergrund zeigt die enge Beziehung von Positiv- und Negativ-Bereichen, die sich nun erst zu einer ganzen Figur zusammenfügen. Für die Betrachtung seiner übrigen Arbeiten gibt das wichtige Anhaltspunkte.

Zusammenfügend arbeitet indes auch Wolfgang Scherer. Auch er spielt, besser: experimentiert, mit dem Raum, indem er seine Linien und farbig ausgeführten Flächen teils kontrastiv, teils komplementär auf- und miteinander wirken lässt. Manche Arbeiten bestehen nur aus einem Bildträger. Andere legen mehrere übereinander, überlagern sich zu zart-transparenten Geweben – zu Gefügen, die mit ihren zum Teil sehr warmen Tönen und "geheimnisvollen Linien meine Aufsichts-Kolleginnen an Höhlenzeichnungen erinnert haben", erklärt Margarete Wosnitzka. Sie selbst ist von den Wandskulpturen Reinhard Scherers fasziniert. "Bei den Boden-Skulpturen weiß ich ja, aus was die sind – aus Stahl." Auch sei sie sich im Klaren, wie mühselig es ist, die einzelnen Stahlplatten zu etwas zusammenzufügen. Und sie wisse gleichfalls, wie viel weitere Mühsal es kostet, solche Skulpturen dann auch noch zu glätten. Was sich auf jene bezieht, deren Gemachtheit unter einer glänzenden Oberfläche verschwindet. Doch wirklich angezogen fühle sie sich von den stählernen Wandkunstwerken des Plastikers. "Die könnten noch aus Pappe sein – die machen mich neugierig, die möchte ich anfassen, berühren.

Zur Vernissage hatte es Claudia Scherer, die Schwester von Reinhard und Wolfgang Scherer, nicht geschafft. Stattdessen ist sie gestern aus Wangen nach Markdorf gereist. Künstlerin ist auch sie. Claudia Scherer fotografiert, außerdem schreibt sie. Das Künstlerische liege in der Familie. Die Mutter musizierte. Onkel und Tante mütterlicherseits waren gleichfalls kreativ unterwegs. Der Vater dagegen tendierte eher zur Kunstkritik. "Wir sind daheim im rechten Glauben und mit gutem Geschmack aufgewachsen", sagt Claudia Scherer, die über die späte Hinwendung ihres Bruders Wolfgang zur Grafik nur anfangs erstaunt war. Dass ihn sein Ehrgeiz zu technischer Reife brachte, schien eher selbstverständlich.

Claudia Scherer in der Stadtgalerie vor einer Arbeit ihres Bruders Reinhard Scherer.
Claudia Scherer in der Stadtgalerie vor einer Arbeit ihres Bruders Reinhard Scherer. | Bild: Jörg Büsche

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