Markdorf Stadtkapelle und Musikfreunden gelingt Jubiläums-Coup

"Carmina Burana" und Orchesterwerke begeistern in der Alten Sporthalle. Stehenden Beifall gibt es als Belohung für eine gelungene Inszenierung.

Der Anlass ist klar. Der Abend war Teil des Jubiläumsprogramms. Die Stadt feiert ihre urkundliche Ersterwähnung vor 1200 Jahren. Und die Musikfreunde Markdorf wollten gemeinsam mit der Stadtkapelle Markdorf ihren ganz eigenen Beitrag dazu leisten. So wie dies etliche andere Vereine der Stadt ebenfalls tun. Stadtkapelle und Musikfreunde inszenierten in die Alte Sporthalle beim Bildungszentrum die "Carmina Burana" von Carl Orff. Nachdem Stadtkapellen-Leiter Reiner Hobe zuvor drei Orchesterwerke für Blaskapelle dirigiert hatte: "Olympica", eine Fest-Overtüre von Jan van der Rost, "Harlequin" von Philip Sparke sowie Alfred Reeds "El Camino Real".

Wars Absicht – und daher bewusster Bezug aufs Deckblatt des Programmheft für den Abend in der vollbesetzten Sporthalle. Oder war es doch nur schierer Zufall, dass das letzte Stück des Orchesterwerk-Teils den Titel "El Camino Real" trug. Was auch mit "Königsweg" übersetzt werden kann. Den Lebensweg eines Königs zeigte indes jene Wiedergabe eines im Mittelalter gezeichneten Schicksals- oder Glücksrad, auf dem ein Herrscher teils regiert, teils verliert, teils fällt, teils wiederaufsteigt – der Sitz auf dem Thron, das Sitzen seiner Krone mithin alles andere als sicher sind.

Doch zurück zur Musik: Wuchtiger, üppiger kann eine Ouvertüre kaum ausfallen. Jan van der Rosts "Olympica" schwelgt in Klangfülle. Da rufen Glocken, da grollen Pauken, da donnert die große Trommel. Und zu allem strahlt jubelndes Blech. Mal getragen, dann wieder flott – ein großes Spektakel, das Hobes um etliche Musiker erweiterte Stadtkapelle souverän in Szene setzt. Opulent gewiss, doch stets das rechte Maß wahrend.

Womit dann auch schon der Bogen geschlagen ist. Nicht zu Sparkes "Harlequin", allein von dessen atemberaubender Tenorhorn-Solo Alexander Jauch viel zu schwärmen wäre, und Reeds "El Camino Real", sondern zum Hauptteil des Abends: zu den "Carmina Burana": Natürlich kreisen die inhaltlich um die Frage des rechten Maßes. Ganz sicher dreht sich der mittelalterliche Liedtext um Beispiele des Zuviel wie um Beispiele des Zuwenigs. Zuviel der Liebe, zuviel des Genusses, zuviel des Schmerzes – zuviel des Leids. Und dazu das ewge Auf und Ab, das beständige Rotieren des Schicksals oder Unglücks-Rades. Isabell Marquardt, die Regisseurin – überdies auch Solo-Sopranistin -, fand eindrucksvolle Bilder dafür. Zum Beispiel einen See aus Plastik-Müll, der weniger anklagend als poetisch war. Flaschen, Planen wirbelten durch die Luft, wurden grazil, eng verwoben durch die Choreographie von Bianca Kummers Tanz-Ensemble.

Und als ob der alte Effekt nicht an sich schon ausreichte, dass selbst Hässliches versöhnlich wirkt, sobald man es schön ausleuchtet, bestrahlte darüber hinaus auch noch der trefflich Gesang des von Uli Vollmer vorbereiteten Musikfreunde-Chors und das jederzeit sehr präsente Orchester unter Reiner Hobes Führung das Szenario.

Am Ende stand deshalb der Eindruck: einer sehr, sehr ungewöhnlichen Inszenierung – ohne herbei gequälte Aktualitätsbezüge, doch dafür wie aus dem Jetzt gegriffen. Ständig begegneten schöne Regie-Einfälle – beginnend beim Handy-telefonierenden Chor, fortgesetzt mit der Mal-Performance Antonio Zeccas bis hin zu den überaus einfallsreichen Kostümen. Das Rad, es drehte im Nu. Der Abend verflog. Und trotz der musikalischen und bildlichen Überfülle ging man nicht erschöpft, sondern erfrischt nach Hause.

 

Die Ausführenden

Isabell Marquardt (Regie und Sopran-Solo), Costas Latsos (Tenor und Bariton), Antonio Zecca (Maler auf der Bühne), Bianca Kummer (Tanzchoreographie), Margit Koch-Schmidt (Kinderchor der Musikschule Markdorf), Alexander Jauch (Solist, Tenorhorn), Moritz Läpple (Lichtinstallation), Reinhard Nedela (Videoinstallation), Reiner Hobe (musikalische Leitung), Uli Vollmer (Choreinstudierung und Projektleitung), Chor der Musikfreunde Markdorf mit "Airbus Betriebssportgruppe" und Stadtkapelle Markdorf

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