Markdorf Soulband Funkhaus im Theaterstadel: Wenn Roxanne auf James Brown trifft

Die Soulband Funkhaus zeigt einen ganz eigentümlichen Klang im Theaterstadel. Frontfrau Agathe Paglia interpretiert bekannte Titel an diesem Abend stark und frech.

Sänger Sting? Vergessen. Oder – um genau zu sein: Police können sich die Zuhörer im Theaterstadel aus dem Kopf beziehungsweise dem Gehörgang schlagen. Zumindest, was Roxanne, den wohl bekanntesten Hit der britischen New-Wave-Band anbelangt. Den hat seinerzeit Gordon Matthew Thomas Sumner gesungen, bekannt als Sting. Und wie es sich für einen rechten Hit gehört, erkennt ihn jeder gleich bei den ersten Tönen, verspürt sogleich wieder viel von dem, wie es damals war, beim ersten Hören.

Insofern stellt das dann für jede Band, für jeden Neu-Interpreten ein ziemliches Wagnis dar. Das Pendel schlägt aus zwischen höchstmöglicher Ähnlichkeit und freierem, möglichst eigenständigen Herangehen. Für Letzteres hat sich Agathe Paglia entschieden. Die Frontfrau von Funkhaus, der drei Jahre jungen Soulband, die sich aus vielen altvertrauten Namen zusammensetzt, macht für das Publikum aus Roxanne was gänzlich Neues. Viel weniger Empörung steckt drin als in der Police-Version, stattdessen echt weibliche Aufsässigkeit, wirkliche, explodierende Frechheit.

Die allerdings braucht es wohl auch in einer Formation wie Funkhaus, in der acht gestandene Männer hinter ihrer Sängerin stehen – und mitmusizieren. Gewiss, Gabor Racsmany springt ihr singend zur Seite. Ja er liefert niveauvollen Soul. Stimmlich muss er sich keineswegs verstecken. Doch, was die Bühnen-Präsenz betrifft, die Performance, die Ausstrahlung und vor allem die Fähigkeit, die gesamte Atmosphäre im Saal zu bestimmen, da klafft zwischen den beiden in etwa die Differenz wie zwischen güldenem Oktober-Nachmittag und Sommergewitter.

Wer hier die Blitze schleudert und mit Windböen peitscht, das dürfte wohl klar sein.

Doch nichts gegen güldene Oktobertage – Reife, Gediegenheit. Vor allem, wenn die sich im schönsten Fluss, im Wechselspiel von prickelnden Bläsersätzen und quicklebendigem Keyboard-Spiel sowie Gitarren-Intermezzi präsentieren. Sie bereiten Genuss, großen sogar, wie es die Reaktionen der Zuhörer im Theaterstadel beweisen. Es muss halt nicht immerzu Roxanne sein. Ab und zu reicht vollkommen. So wie bei James Browns Sex Machine, als Agathe Paglia dann Frontmann Gabor Racsmany trefflich assistiert.

Ihre Meinung ist uns wichtig
☀ Einzigartige Sonnenstücke vom See ☀
Neu aus diesem Ressort
Markdorf
Markdorf
Markdorf
Markdorf
Markdorf
Markdorf
Die besten Themen