Markdorf Radverkehr nur ausreichend: Markdorf kommt beim ADFC schlecht weg

Beim vorherigen Test 2014 erhielt Markdorf die Note 3,8, jetzt ist es nur noch eine 4,0. Für Karl Honnen vom ADFC sowie Bürgermeister Georg Riedmann ist das keine Überraschung. Während Honnen sagt, dass zu wenig passiert, nennt Riedmann einige Projekte kurz vor der Umsetzung.

Leicht verschlechtert hat sich die Situation für Fahrradfahrer in der Stadt Markdorf, so lautet jedenfalls das dieser Tage veröffentlichte Ergebnis des Fahrradklimatests 2016 des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). In der Gesamtbewertung erreicht die Stadt eine 4,0, also Schulnoten entsprechend ein "Ausreichend". Im Test 2014 war es noch eine 3,8. Für Karl Honnen, ADFC-Kreisvorsitzender und Mitglied im Arbeitskreis Radverkehr Markdorf ist dieses Ergebnis keine Überraschung. Laut Bürgermeister Georg Riedmann hat sich aber bereits etwas getan, er versichert: "Zwei bis drei Projekte werden in diesem Jahr noch umgesetzt." Darunter die Verkehrsführung am Bildungszentrum.

Die dortige Radführung an der Bushaltestelle ist im Arbeitskreis Radverkehr bereits länger Thema, denn an dieser Stelle müssen Fahrradfahrer die Buseinfahrt queren. Noch vor der Sommerpause soll im Technischen Ausschuss eine Lösung vorgestellt werden, sagt Bürgermeister Riedmann. Demnach ist eine Ausleitung auf zehn bis 15 Meter geplant, die auf einen Radfahrschutzstreifen führen soll. Auch an der Bernhardstraße sowie am Kreisverkehr an der Ittendorfer Straße seien Maßnahmen geplant. Bei Kommunen müsse man damit rechnen, dass bis zur Realisierung ein bis 1,5 Jahre vergehen.

Diese Zeitspanne ist für Karl Honnen vom ADFC teils zu lang, denn bereits kleine Anpassungen könnten die Situation für Radfahrer deutlich verbessern. Und: "Es braucht nicht viele Maßnahmen, um die Attraktivität zu erhöhen." Er könne sich vorstellen, dass unerfüllte Erwartungen zu der kritischen Bewertung geführt haben. "Es passiert einfach sehr wenig." Als Beispiel nennt er die Kreuzung am Bischofsschloss, wo der Radweg abrupt endet. Auch die Verbindungen zwischen den Ortschaften seien ein Thema, der Abkürzungsverkehr einiger Autofahrer erschwere die Fahrt auf Wirtschaftswegen.

Solche Schwachstellen trugen auch zur Bewertung für Markdorf bei: Befragte stuften die Fahrradförderung als mangelhaft ein, die Werbung für das Radfahren ist mit Note 4,9 gerade noch ausreichend. Ebenfalls eine glatte Fünf gibt es für die Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen und eine 4,8 für die Führung der Radfahrer an Baustellen. Die schlechteste Note vergaben die Befragten für die Möglichkeiten, in der Stadt öffentliche Fahrräder zu nutzen, Note 5,1. Aber auch Positives ergab die Befragung: Note 2,5 für die Möglichkeit, gegen die für Autos vorgeschriebene Fahrtrichtung zu fahren und eine 2,9 für die Wegweiser.

Riedmann gibt die Machart des ADFC-Fahrradklimatests zu Bedenken: Die Ergebnisse von 73 Stimmen sind nicht repräsentativ. Und da würden Menschen mit einem hohen verkehrspolitischen Anspruch bewerten, nicht der normale Fahrradfahrer. Von einer großen Problematik will auch Honnen nicht sprechen. Er wünscht sich aber auch, dass Maßnahmen des Kreisverkehrskonzepts umgesetzt werden – dafür seien Gelder eingestellt und Förderungen möglich. Welche Maßnahmen sich für welche Gemeinde anbieten, müsse ein Koordinator zwischen Kommunen, Landkreis und Land abstimmen. Doch diese Position ist derzeit nicht besetzt. "Es muss nur jemand die Dinge in die Hand nehmen."

Auf kommunaler Ebene in Markdorf könne man damit vielleicht auch die Verkehrsproblematik mildern. Das Rad sei eine gute Alternative und mit einer besseren Infrastruktur würden mehr Menschen aufs Rad steigen. Diese Einschätzung teilt Bürgermeister Riedmann. Die Gruppe der Radfahrer wächst laut seiner Einschätzung langsam aber stetig. Daher spreche man im Arbeitskreis Radverkehr, einem Gremium aus Verwaltung, Gemeinderat und Beteiligten wie Honnen, ein bis zwei Mal im Jahr über aktuelle Anliegen.

Der Test und seine Ergebnisse

  • Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und wurde im Herbst 2016 zum siebten Mal durchgeführt. Mehr als 120 000 Menschen stimmten für 539 Städte ab, bei der vorherigen Befragung 2014 waren es rund 100 000 Teilnehmer für 468 Städte. Für Markdorf gaben im vergangenen Herbst 73 Teilnehmer ihre Wertung ab. Der Test bestand aus 27 Fragen wie „Sind die Wege für Radfahrende angenehm breit oder zu schmal zum Überholen?“
  • Markdorf landet mit einer Gesamtnote von 4,0 auf Platz 47 von 65 in Baden-Württemberg und auf Platz 260 von 364, jeweils in der Kategorie der Städte mit bis zu 50 000 Einwohnern. Insgesamt sowie im Vergleich mit anderen Städten kann Markdorf besonders mit Einbahnstraßen punkten, die für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet sind. Auch dass Fahrraddiebstahl kaum ein Thema ist, fällt positiv auf. Die geringe Fahrradförderung (Note 5,0) ist einer der größten Kritikpunkte.
  • Am Bodensee liegt mit Überlingen das Schlusslicht des ADFC-Fahrradklima-Tests, die Stadt hat nur eine Wertung von 4,5 erhalten. Friedrichshafen, Konstanz und Immenstaad wurden ebenfalls untersucht und liegen mit 3,4 im Mittelfeld. Mit Blick auf ganz Baden-Württemberg erhalten nur zwei Städte eine gute Wertung: Rutesheim (2,6) und Filderstadt (2,9). Alle Ergebnisse zeigt der ADFC in einer interaktiven Karte unter  www.fahrradklima-test.de/karte  (isa)

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