Markdorf Künftig kein Freibrief mehr für Bauträger

Rund 450 Besucher und eine volle Stadthalle beim Neujahrsempfang der Stadt Markdorf. Bürgermeister Georg Riedmann kündigt in seiner Rede einen kommunalpolitischen Kurswechsel an.

Weg von der reinen Vertriebsgesellschaft für städtische Grundstücke, hin zu einer aktiv gestaltenden Stadtplanung: Vor rund 450 Besuchern in der vollen Stadthalle legte Bürgermeister Georg Riedmann in seiner Ansprache beim Markdorfer Neujahrsempfang am Samstag dar, wie er sich den von ihm beabsichtigten Kurswechsel in der Kommunalpolitik vorstellt. In 2018 soll die Umkehr vollzogen werden: Nicht mehr die Bauträger sollen bestimmen, wie das Markdorf der Zukunft aussieht, sondern die Stadt.

Die Warnlampen im Rathaus leuchten wegen des immensen Zuzugsdrucks. Riedmann sprach von einem "ungeheuren Druck auf den privaten Grundstücksmarkt". Bauträger wiederum müssten die Grundstücke bis auf den letzten Quadratmeter ausnutzen, um wirtschaftlich erfolgreich investieren zu können. Die Folge: Es entstehen teils voluminöse Bauten, die das Gesicht der Stadt stark verändern und auf Kritik in der Bürgerschaft stoßen. Und es entsteht Wohnraum, den sich finanziell schwächer gestellte Menschen nicht leisten können. Das Problem: "Das Baurecht gibt uns nur selten eine Handhabe, städtebauliche Fehlentwicklungen zu verhindern", laute die ernüchternde Antwort, die Verwaltung und Stadträte auf kritische Nachfragen aus der Bürgerschaft geben müssten.

Das Dilemma ist seit Jahren bekannt. Seit 2014 konnte die Stadt gerade mal 20 eigene Bauplätze verkaufen, in 2018 sollen es laut Riedmann nochmals 13 sein. Das ist natürlich nicht einmal der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Mit drei Maßnahmen wolle die Stadt nun gegensteuern, kündigte Riedmann in der Stadthalle an. Mit mehr städtebaulichen Wettbewerben und einer Quotierung preisgünstigen Wohnraums sollen optisch gelungenere neue Quartiere entstehen und es sollen auch jene Menschen zum Zuge kommen, die "auf dem unregulierten Wohnungsmarkt kaum eine Chance haben".

Als zweites wolle die Verwaltung nun einen städtebaulichen Rahmenplan erarbeiten, der die "Möglichkeiten, aber vor allem auch Grenzen der innerstädtischen Verdichtung" aufzeigen soll. Riedmann bezog sich dabei explizit auf den sensiblen Stadtkern. Damit könne die Stadt dann auch in Bereichen ohne Bebauungsplan stärker Einfluss nehmen als bisher. Drittens schließlich will die Verwaltung dem Gemeinderat die Einrichtung eines so genannten Gestaltungsbeirates vorschlagen, der, kompetent und neutral besetzt, größere Bauvorhaben abseits der rein baurechtlichen Vorgaben beurteile.

Auch das soll städtebauliche Fehlentwicklungen vermeiden helfen. "Ich wünschte mir", so Riedmann, "dass wir damit die Interessen der Bürgerinnen und Bürger von Markdorf mit jenen der Wohnungssuchenden und der Bauträger zusammen bringen können". Die "gewachsene Unzufriedenheit" über einen scheinbar unkontrollierten Städtebau wolle er so wieder in eine "positive Begleitung" aus der Bürgerschaft umwandeln.

Beim anschließenden Stehempfang hatten die Besucher Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Bild: Andreas Lang
Beim anschließenden Stehempfang hatten die Besucher Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Bild: Andreas Lang

Korrekturbedarf sah Riedmann am Samstag aber auch an anderen Stellen. Beim Thema Bischofsschloss benannte er erstmals in dieser Klarheit, dass Hotel-Pächter Bernd Reutemann von vornherein die Stadt als Verpächter nicht wollte und dass sich Reutemann und Hotelbesitzer Albert Weber zuvor bereits keine Einigung über die für eine Vertragsverlängerung nötigen Investitionen erzielen konnten. Sobald eine solide Kostenberechnung vorliege, werde der Gemeinderat das Vorhaben nochmals einer Bewertung unterziehen können.

"Ich stehe für weitere öffentliche und offene Diskussionen dazu weiterhin sehr gerne zur Verfügung", versicherte Riedmann ins Publikum. Hinsichtlich der Blauen Zone, die im Frühjahr kommen soll, bekräftigte Riedmann erneut, dass er zuversichtlich sei, "dass es zum bereits vorab ausgerufenen Parkchaos" nicht kommen werde. Er bekannte aber auch, dass die Stadt "mit der Verknappung unbefristet zur Verfügung stehenden Parkraumes Einfluss auf das Mobilitätsverhalten der Menschen" nehmen wolle. Zugleich versprach er aber: "Wir werden beobachten, wie der Parksuchverkehr sich verändert und dort reagieren, wo notwendig und wo möglich."

Eine Absage erteilte Riedmann den im SÜDKURIER vorgestellten Ideen einer Hauptstraßen-Fußgängerzone: "Mir persönlich geht der plötzliche Ruf nach reiner Fußgängerzone zu schnell." Er wolle lieber von einem so genannten "shared space" sprechen, Räumen, die allen Verkehrsteilnehmern gleichermaßen und vor allem gleichberechtigt offen stünden. Dazu wolle die Verwaltung für die kommende Diskussion umfangreiche Beispiele aus anderen Städten präsentieren, kündigte Riedmann an.

Die Stadtkapelle Markdorf unter der Leitung von Reiner Hobe gestaltete den Empfang musikalisch.<sup></sup>Bild: Andreas Lang
Die Stadtkapelle Markdorf unter der Leitung von Reiner Hobe gestaltete den Empfang musikalisch.Bild: Andreas Lang

 

Der Empfang

Mit rund 450 Besuchern war die Stadthalle auch in diesem Jahr wieder komplett gefüllt. Die Stadtkapelle gestaltete den Festakt musikalisch. Die Partnerschaftsbeauftragte von Ensisheim, Brigitte Kuhlburger, überbrachte Grüße aus der elsässischen Partnerstadt und Riedmann und seine Frau Christiane bekamen aus den Händen der ersten Bürgermeister-Stellvertreterin Martina Koners-Kannegießer die obligatorischen Neujahrsbrezel und Blumenstrauß überreicht. Die Roboter-AG des Bildungszentrums präsentierte live ihren weltmeisterlichen Roboter-Fußball.

 

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