Markdorf Kapelle Fröschl tritt im Theaterstadel auf

Auf erfolgreiche Jahre der Liedersuche blickt die Kapelle Fröschl zurück. Die Musiker aus Markdorf, Friedrichshafen und Ravensburg haben Sprachfetzen aus aller Welt zusammengetragen. Am 17. November sind sie im Theaterstadel Markdorf zu hören.

Vor einem Jahr waren sie bereits im Theaterstadel, vor zwei Jahren auch. Aber wo waren sie dazwischen, die acht Musiker der Kapelle Fröschl? "Wir waren unterwegs in den hintersten Winkeln der Erde und haben mit der Räuberpistole Lieder erbeutet", erklärt Didi Mogwitz mit verschmitztem Lächeln, und Jürgen Fässler stimmt zu.

Die Räuberpistole ist natürlich bildlich zu verstehen, die weiten Reisen auch. Aber es stimmt schon, sie haben gewildert in fremden Revieren, die Fröschls. In Slowenien, in Bulgarien, selbst in der Bukovina haben sie Liederfetzen aufgesammelt wie Blumen am Wegesrand. In Rumänien, im Kaukasus, in den tiefsten Wäldern der Karpaten haben sie gepflückt. Daraus entstand ein bunter Blumenstrauß an Liedern. Keiner, wie man ihn vom Floristen kennt; eher ein wilder, ein etwas zerrupfter Wald- und Wiesenblumenstrauß, dessen Arrangement auf den ersten Blick nicht so recht passen will, es auf den zweiten aber besser nicht tun könnte.

"Englische und deutsche Texte wollten wir nicht länger spielen", sagt Jürgen Fässler. Zu maingestreamt, zu populär. Schräg sollte es tönen bei äußerst gekonnt gezwirbelten Harmonien. Und tanzbar sollte es sein. Wie bei einer Hochzeit irgendwo in der Bukovina.

Hört man den beiden Musikern zu, nimmt man ihnen unmittelbar ihre Leidenschaft fürs Sammeln, überhaupt für diese Spelunken-Weltmusik ab. "Viele Urlaube lang bin ich als Straßenmusiker aufgetreten und habe Klänge und Stimmengewirr aufgeschnappt", erinnert sich Didi Mogwitz an seine Ursprünge. An die Fröschl'sche Buchstaben-Ursuppe sozusagen. Fragt einer nach dem Musikstil, kann das bis heute keiner so recht beantworten. Denn ein Wort für diesen Stil muss erst noch erfunden werden. Es ist dieses Geheimrezept, gewürzt von spanisch-mexikanischen Klängen, durch Balkan-Beats verfeinert, von Balalaika-Melodien durchdrungen.

Manchmal zum Brüllen komisch, dann wieder zum Heulen schön. "Irgendwann ist unsere Bandbreite ganz weit geworden. Alles, was nicht deutsch war, wollten wir machen", sagt Mogwitz zur Entstehung des Fröschl-Repertoires. Und die Sprache? "Völlig unverständlich. Das ist nichts als Kauderwelsch. Von allem ein bisschen. Das muss nur so klingen, als ob", lacht Jürgen Fässler über diesen kleinen, aber legitimen babylonischen Kunstgriff.

Sie tun also nur so, als ob, diese Babel-Fröschls. Dabei wollen sie doch nur spielen. Was sie auch verdammt gut tun. "Wir schreiben einfach Silbe für Silbe aus einem Lied heraus und fügen alles so aneinander, dass es sich authentisch anhört", lacht Didi Mogwitz. "Aber die Leute hören sehr aufmerksam zu." Da könne es tatsächlich geschehen, dass nach dem Konzert einer sagt: "'Du, ich hab nicht alles ganz verstanden.' Und dann sage ich: 'Da hast du mir eindeutig was voraus.'"

Und der unkig klingende Bandname? "Eigentlich entstand der Name aus einer Bierlaune und einem Anflug von Nostalgie", erinnert sich Jürgen Fässler an den Kriminalassistenten Fröschl aus einer 70er-Jahre-Serie. "Wie so oft ist es aber bei diesem Namen geblieben", resümiert er. Heute seien sie glücklich darüber. Denn mit einem spanischen Bandnamen etwa wäre es weitaus schwieriger, rumänischen Kauderwelsch glaubwürdig zu verkaufen.

"Zu diesem Namen können wir super stehen, der ist vollkommen sinnfrei", scherzt Didi Mogwitz. Wie der Name hebt sich auch die Musik von anderen Musikstilen ab. So sinnfrei oftmals die Texte, so wenig auf Stromlinie gebürstet ist die Musik. Immer einen Tacken zu ungehobelt, zu ausgelassen, zu obskur, um von angepasst reden zu können. Sie passen die Musiker in keine Schublade, bieten keinerlei Angriffsfläche für Kritiker. Dabei sind sie alles andere als aalglatt. Bis auf die Glatze von Didi Mogwitz natürlich, die längst zu seinem Markenzeichen geworden ist.

Bei dieser Kapelle ist weder der Drummer "tight", wie Musikredakteure gern zu sagen pflegen – es groovt noch nicht mal. "Denn es rollt durch", lacht Mogwitz. "Wir können zwar nichts, aber das ziemlich geil." Das rüberzubringen, sei die Idee gewesen. Dazu bedarf es keinerlei außergewöhnlich cooler Instrumente. Nylongitarren, Trompete, Posaune, Saxofon, Kontrabass, Mandoline, Mundharmonika, Akkordeon: Das genügt an Ingredienzen, um solcherart tanz- wie mitgrölbare Mucke zu machen. Das Gefühl für diesen unkopierbaren Fröschl-Stil sei erst im Laufe der Jahre gewachsen, geradezu erwachsen geworden. "Wir sind jetzt ja auch alt genug", blickt der 50-Jährige bierernst in Richtung seines Musikerfreundes ... prustet nach einer kleinen Kunstpause los und kann sich kaum mehr halten vor Lachen.

Spätestens hier lässt sich erahnen, was einen bei einem Fröschl-Konzert erwartet. Am besten, man gibt mit dem Tarnmantel der Adoleszenz den Personalausweis an der Kasse gleich mit ab, verheimlicht sein Alter, lässt sich von der Musik mitreißen und schmeißt sich einfach weg bei den Texten. Das Hirn will nämlich nicht immer nur verstehen, es will auch seinen Spaß haben.

Kapelle, Konzert und Verlosung

  • Die Kapelle:Ralph Benzkirch (Kontrabass; Markdorf); Dirk Meiners (Schlagzeug; Friedrichshafen); Reinhold Hug (Percussion; Markdorf); Tobias Zahn (Saxofon; Friedrichshafen); Carolin Riedl (Trompete, Gesang; Friedrichshafen); Peter Fischer (Gitarre, Mandoline; Ravensburg); Jürgen Fässler (Gesang, Gitarre; Friedrichshafen); Dietmar Mogwitz (Gesang, Akkordeon, Posaune, Gitarre; Markdorf)
  • Das Konzert:Zu erleben ist die Band am Freitag, 17. November ab 20.30 Uhr in Markdorf im Theaterstadel. Karten sind im Vorverkauf sowie an der Abendkasse erhältlich. Informationen im Internet: www.gehrenberg.de
  • Die Verlosung:Sie möchten zwei Karten für das Konzert gewinnen? Der SÜDKURIER verlost fünf Mal zwei Eintrittskarten. Das Mitmachen ist ganz einfach. Sie wählen bitte die Telefonnummer 0 13 79/37 05 00 26. Ein Anruf aus dem Festnetz der Telekom kostet 50 Cent. Bitte nennen Sie das Stichwort „Fröschl“ sowie Name, Adresse und Telefonnummer. Die Gewinnhotline ist Donnerstag, 16. November bis 12 Uhr offen. Die Karten werden zur Abholung an der Abendkasse hinterlegt. Bitte Ausweis nicht vergessen.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Adventskalender - weil Vorfreude die schönste Freude ist
Neu aus diesem Ressort
Markdorf
Markdorf
Markdorf
Markdorf
Markdorf
Markdorf
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren