Markdorf Johannes Tress tritt in Markdorfs St. Nikolaus die Nachfolge von Christian Ringendahl an

Der 27-Jährige freut sich auf die Orgel, ist begeistert über die Offenheit der Gemeindemitglieder und attestiert dem Kirchenchor ein breites Repertoire an Literatur.

Die katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus in Markdorf hat seit einigen Wochen einen neuen Kirchenmusiker. Auf Christian Ringendahl, der 34 Jahre lang die Gottesdienste an der Orgel begleitet und der außerdem den Kirchenchor-, den Kinderchor und lange auch die Chorschola geleitet hat, folgt Johannes Tress. Der 27-Jährige wird künftig die Werk- und Sonntagsgottesdienste sowie die Hochfeste, aber auch die Kasualien, das heißt die Taufen, Hochzeiten und Trauerfeiner begleiten.

Den Zettel hat er noch nicht verinnerlicht. Der warnt mit fetten Lettern davor, etwas auf den Rand der Brüstung zu legen. Sodass es von oben aus luftiger Höhe von der Orgelempore herabfallen könnte. Noch nutzt Johannes Tress ganz unbekümmert den Emporen-Rand, um dort jenes Notenheft abzulegen, das er soeben aus dem Notenhalter auf dem Spieltisch der Göckel-Orgel genommen hat. Fiele es hinab, wäre das nicht weiter schlimm. Das Heft könnte niemanden treffen, die Frauenmesse ist vorbei.

Unbekümmert, unbefangen und doch beeindruckt gibt sich der neue Organist und Chorleiter der katholischen Gemeinde beim gesamten Gespräch auf der Orgelempore. Er habe auch allen Grund dazu. "Ganz erstaunlich, wie offen die Leute mir hier begegnen", findet er. Zu einem Sonntagsgottesdienst habe er zwar noch nicht gespielt in Markdorf, aber mit dem Chor und auch den Kindern habe er schon geprobt. Überall aber kämen die Menschen auf ihn zu, "bieten mir ihre Hilfe an". Das sei so im Pfarrhaus, das sei indes auch draußen so.

"Dass die Stelle hier in Markdorf gerade frei geworden ist", betrachtet Johannes Tress als "glückliche Fügung". Denn er sei gerade fertig geworden mit seinem Studium – Kirchenmusik in Rottenburg am Neckar: Orgel und Chorleitung im Hauptfach, außerdem Improvisation, Gesang und Klavier. Noch etwas habe ihn beeindruckt. Da sei zum einen die stattliche Orgel in Markdorfs Hauptkirche. "Auf diesem Instrument lässt sich schon einiges machen", erklärt Tress. Womit er dann auch schon beim nächsten Thema ist. Dem Repertoire seines Vorgängers. Christian Ringendahl habe indes nicht nur an seiner Orgel eine überaus breite Palette geistlicher Kompositionen gezeigt. "Beachtlich ist auch, wie breit die Literatur ist, die der Kirchenchor beherrscht", freut sich Kirchenmusiker Tress. Hier gilt es anzuknüpfen, den erreichten Stand zu halten – und darüber hinaus noch neue, eigene Schwerpunkte zu setzen. Möglichkeiten dazu sieht er nicht nur im Chor, sondern überhaupt während des Gottesdienstes. Insbesondere jüngere Menschen möchte der Kirchenmusiker durchs "Neue geistliche Lied" gewinnen, einer kirchenmusikalischen Richtung, die durchaus populäre Einflüsse zulässt. Festlegen möchte sich Tress aber nicht. "Musikalisch bin ich ziemlich offen." Bach und Mendelssohn nennt er als seine Orientierungspunkte in Barock und Romantik, Albert Frey und John Rutter als Wegmarken in der Moderne. Apropos modern. Allzu disharmonisch brauche er es nicht in der Kirche, spätestens mit Messiaen solle es sein Bewenden haben.

Fühlt sich wohl in Markdorf: Johannes Tress, der neue Kirchenmusiker an St. Nikolaus.
Fühlt sich wohl in Markdorf: Johannes Tress, der neue Kirchenmusiker an St. Nikolaus. | Bild: Jörg Büsche

Zur Orgel sei er gekommen, erzählt Johannes Tress in schönstem Oberschwäbisch, weil man daheim einen Organisten gebraucht habe. Da er, der damals 18-Jährige, das Klavier bereits beherrschte, so die Argumentation, werde er das zusätzliche Pedal sicher auch bald beherrschen. Tress, gerade im Begriff, sein Abitur zu machen, fügte sich – fuhr also regelmäßig nach Bad Wurzach, um dort Orgel zu lernen. So fleißig offenbar, dass er drei Jahre später die Aufnahmeprüfung fürs Studium in Rottenburg bestand. Und seither gilt für ihn: "Kirchenmusiker müssen eigentlich immer weiter lernen – das hört nie auf." Bekümmert klingt das gar nicht, eher sehr zufrieden.

 

Zur Person

Johannes Tress wurde am 20. Juni 1990 in Bad Waldsee geboren. Aufgewachsen ist er in Hetzisweiler bei Eberhardzell zwischen Bad Wurzach und Biberach. In Bad Wurzach machte er Abitur, um dann Kirchenmusik in Rottenburg am Neckar zu studieren. Vier Jahre lang war er Chorleiter in Oberessendorf. Seit zehn Jahren spielt er Orgel. Johannes Tress ist ledig. Seine Hobbys sind die Musik – von Klassik bis Pop – und das Arbeiten im Garten. (büj)

 

 

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