Markdorf Heike Fischer: "Frauen haben die gleichen Rechte"

Auf einen Kaffee mit...der Bibliothekarin und Gemeinderätin Heike Fischer, über Bücher, Politik und Feminismus

Frau Fischer, Sie haben als Bibliothekarin ein besonderes Verhältnis zu Büchern.

Stimmt! In den Ferien jeden Tag ein Buch, sonst etwas weniger.

Wie sind Sie zu den Büchern gekommen, wo entstand diese enge Beziehung?

Der Ort heißt Wiblingen. Noch wichtiger aber ist die Zeit. Begonnen hat nämlich alles im Bücher-Bus der Ulmer Stadtbücherei. Der kam regelmäßig zu uns nach Wiblingen, wo ich aufgewachsen bin. Ich weiß noch genau, wie es darin ausgesehen hat. Rechts waren die Bücher für die Kinder – und links die für die Erwachsenen. Heute hat Wiblingen übrigens eine eigene Bibliothek. Die funktioniert ganz ähnlich wie unsere hier am Markdorfer Bildungszentrum. In Wiblingen besteht die Bibliothek ebenfalls als öffentliche Bibliothek beim Schulzentrum.

Und der Bücher-Bus hat ausgereicht für diese nachhaltige Bindung an die Literatur?

(Lachend) Noch nicht ganz. In der Oberstufe habe ich Deutsch als Leistungskurs gewählt. Weshalb ich dann in der Schul-Bücherei mitarbeiten durfte – Signaturen beschriften und Bücher wieder zurück an ihren Platz stellen. Vielleicht war das der Grund, warum ich mich vor zwölf Jahren in Markdorf als Freizeit-Mutter gemeldet habe – natürlich für die Bibliothek. Es gibt aber noch einen Berührungspunkt. In Deggenhausertal habe ich geholfen, die Mediothek mitaufzubauen. Knut Simon, der damalige Bürgermeister hat mich darum gebeten. Als Eltern-beiratsvorsitzende konnte ich das kaum ablehnen. Zusammen mit vier Freundinnen haben wir die Mediothek dann sozusagen aus dem Boden gestampft.

Im Dtal waren wir übrigens schneller mit den Zuschuss-Anträgen. Seinerzeit gab es ja Zuschüsse vom Bund für die Tagesbetreuung in den Schulen. Der Hinweis kam von Norbert Zeller – und die Verwaltung hat gleich geschaltet. Weshalb die finanziellen Mittel zu uns dann auch eher geflossen sind als nach Markdorf.

Sie sind Mitglied des Gemeinderats im Deggenhausertal. Wie kam es dazu?

Mich hat der Fraktionsvorsitzende der SPD, Jochen Jehle, angefragt. Das war ungefähr vor fünf Jahren, in der Mitte der letzten Wahlperiode. Meine Bedingung war, dass ich nicht in die Partei eintreten muss – und dass ich keinen Parteivorgaben folgen muss.

Und welchem Lager rechnen sie sich zu?

Keinem.

Das verstehe ich nicht.

Ich handele grün, ich denke feministisch und ich verabscheue alle Zwänge von oben.

Was bedeutet denn Feminismus für Sie?

Vor allem, dass Frauen gleiche Rechte haben müssen und auch die gleiche Bezahlung. Beides ist ja keineswegs selbstverständlich. Immer noch nicht. Mir ist dieses Anliegen auf Gleichbehandlung, auf Chancengleichheit recht früh gekommen – mit der Pubertät. Seither weiß ich, dass man etwas dafür tun muss.

Zurück zur Kommunalpolitik: Wie erleben sie die Arbeit im Gemeinderat?

Als ziemlich harmonisch. Wir kommen gut miteinander aus. Natürlich gibt es immer Differenzen in der Sache. Aber wir lernen voneinander, gehen auch immer wieder aufeinander zu.

Haben Sie ein Beispiel?

Natürlich. Unsere Feuerwehr möchte einen neuen Mannschaftstransportwagen. Und mein Vorschlag war es nun, dass der alte MTW genutzt wird, damit unsere Flüchtlinge aus ihrer Unterkunft im Dtal damit donnerstags zur Markdorfer Tafel gefahren werden können. Begeisterung hat das nicht gerade ausgelöst. Aber wir bleiben im Gespräch. Das ist doch immerhin etwas, ein erster Schritt.

Wie gehen Sie mit politischen Konflikten um?

Ich gehe ihnen nicht aus dem Weg. Da kann ich ausgesprochen beharrlich sein. Wichtig ist doch, im Gespräch zu bleiben, konstruktiv nach Lösungen zu suchen. Aber seinen Standpunkt, den darf man nicht aufgeben, den muss man vertreten. Nur so lassen sich alle zufriedenstellende Kompromisse finden.

Sie haben vorhin gesagt, Sie handeln grün. Wie ist das zu verstehen?

Ganz wichtig ist, dass so wenig wie möglich nicht erneuerbare Energien verbraucht werden. In dieser Haltung hat mich mein Mann beeinflusst. Der handelt noch konsequenter als ich. Er fährt jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit. Aber soweit bin ich noch nicht.

Fragen: Jörg Büsche

Alle Kaffeegespräche im Internet:www.suedkurier.de/kaffee

Zur Person

Heike Fischer wurde am 12. Februar 1963 in Ulm geboren. Sie hat in Konstanz Deutsch und Sport auf Lehramt studiert, dann in Tübingen einen Abschluss als Diplom-Pädagogin und Diplom-Erwachsenen-Pädagogin gemacht. Zehn Jahre lang war sie selbständig arbeitende Diplom-Sport-Pädagogin. Seit 1990 lebt sie mit ihrer Familie im Deggenhausertal, seit 2007 ist sie in der Bibliothek beim BZM angestellt. Seit 2012 sitzt sie Gemeinderat. (büj)

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