Markdorf Haftstrafe für Raubüberfall auf 22 Jahre alten Auszubildenden

Wegen eines bewaffneten Raubüberfalls hat das Landgericht Konstanz einen 28-jährigen Asylbewerber aus Markdorf zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt. Er hatte einen 22 Jahre alten Azubi mit einem Messer bedroht und ihm eine Armbanduhr abgenommen.

Ende September vorigen Jahres verwickelte der aus Algerien stammende Angeklagte gegen halb drei Uhr nachts in Markdorf auf der Straße einen 22-jährigen Azubi in ein Gespräch. Der befand sich gerade nach einem Besuch auf dem Konstanzer Oktoberfest angetrunken auf dem Heimweg.

Vor Gericht wurde jetzt mit Zustimmung aller Beteiligten seine polizeiliche Vernehmung verlesen. Er selbst hatte sich mit einem wichtigen Prüfungstermin entschuldigt. Bei der Polizei hatte er berichtet, der Mann habe ihm Drogen gezeigt und gefragt, ob er etwas haben wolle. Dabei habe er auf seinem Handy eine "Line" Kokain gezogen. Als er sich entfernen wollte, habe der Mann ihm die Armbanduhr vom Handgelenk gerissen. Auf seinen Protest habe dieser dann ein Teppichmesser aus der Tasche gezogen und ihn damit bedroht: "Du bist doch ein cooler Typ, versau es dir nicht", soll er gesagt haben, bevor er auf einem Fahrrad den Tatort verließ.

Verfolgungsjagd mit dem Auto

Direkt danach war es dem 22-Jährigen gelungen, ein Auto mit drei jungen Männern anzuhalten und ihnen kurz den Überfall zu schildern. Sie verfolgten den Täter bis zur nahe gelegenen Flüchtlingsunterkunft. Dort müsse er durch ein Fenster in sein Zimmer gelangt sein, aus dem er ein noch größeres Messer holte. Damit sei er dann vor dem Wohncontainer erschienen, berichtete der 19-jährige Fahrer des Verfolgerwagens.

Angeklagter streitet versuchten Drogenverkauf ab

Auch der Überfallene selbst war inzwischen dort eingetroffen und forderte den Mann auf, seine Uhr "einfach ins Gras zu schmeißen", was dieser auch tat. Inzwischen war bereits die Polizei eingetroffen, die den 28-jährigen Täter festnahm. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Vor Gericht räumte er den Überfall ein, Drogen habe er dem jungen Mann aber nicht angeboten. "Wenn ich Drogendealer wäre, würde ich nicht stehlen", erklärte er. Die Armbanduhr habe er gegen Drogen tauschen wollen. Dass er an den 22-Jährigen Drogen verkaufen wollte, konnte das Gericht ihm letztendlich nicht nachweisen.

Mann benutzt drei verschiedene Identitäten

Zu seinem Namen und Geburtsdatum machte der Mann aus Algerien bislang unterschiedliche Angaben. Den deutschen Behörden ist er unter drei Aliasnamen bekannt, sein Alter variiert zwischen 27 und 29 Jahren. Aus einem verlesenen Gerichtshilfebericht erfuhr man, dass der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Mann bereits in der Heimat ab dem zwölften Lebensjahr Drogen konsumiert haben soll. An seine Kindheit könne er sich nicht erinnern. Vor Gericht meinte er: "Es ist viel passiert, aber ich weiß es nicht mehr."

Schon in der Heimat im Gefängnis gesessen

Seine Heimat habe er vor acht Jahren auf einem Flüchtlingsboot verlassen. Gelandet sei er damals in Sardinien. Seither sei er durch halb Europa geirrt, wo er von Gelegenheitsjobs oder von Diebstählen gelebt habe. Er sei in Flüchtlingslagern und Gefängnissen gewesen, nach Algerien abgeschoben worden und danach wieder illegal nach Spanien eingereist. Danach habe er sich in Frankreich und der Schweiz aufgehalten, zwischendurch auch einige Zeit in Österreich. Im vorigen Jahr beantragte er in Deutschland Asyl. Auch in Algerien soll er schon einmal im Gefängnis gesessen haben, den Grund verschwieg er vor Gericht. Wegen Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz hat der Mann bereits eine Ersatzfreiheitsstrafe abgesessen.

Das Gericht blieb mit dem Strafmaß unter der Mindeststrafe von drei Jahren. Die Beute sei eher gering gewesen und wieder zurückgegeben worden, hieß es zur Begründung. Auch sei eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit aufgrund Drogenkonsums nicht auszuschließen gewesen.

 

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