Markdorf Gymnasiale Oberstufe am Bildungszentrum wird neu aufgestellt

Die baden-württembergische Landesregierung verkündigte in dieser Woche ihren Reformentwurf für die gymnasiale Oberstufe, der mit dem Beginn des Schuljahres 2019 in Kraft treten soll. Ebenfalls davon betroffen: die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums am Bildungszentrum.

Die Vorwürfe, diese Reform könne die Qualität der gymnasialen Schulbildung mindern, hält Diana Amann, seit Beginn des neuen Schuljahres Rektorin, für unbegründet: „Unser Abitur ist anspruchsvoll und bleibt es auch“.

Grund für die Reformierung der baden-württembergischen Oberstufe sei laut Kultusministerium der Umstand, dass bei Abiturienten aufgrund zunehmender fachspezifischer Lücken immer häufiger die Studierfähigkeit nicht mehr gegeben sei. Kernpunkt, um diese Kompetenzen wieder stärker zu fördern, ist die Reduzierung der Leistungsfächer: So werden aus fünf Kern- künftig drei Leistungsfächer mit jeweils fünf statt zuvor vier Wochenstunden „Die Wahlmöglichkeiten der Schüler werden dadurch natürlich eingeschränkt“, stellt Diana Amann fest, betont aber ebenfalls die Vorteile dieses neuen Konzepts: „Diese eine zusätzliche Wochenstunde mehr finden alle gut: diejenigen, die unterrichten, und die, die unterrichtet werden“.

Tatsächlich beklagen Schüler die fehlende Zeit, die für eine nachhaltige Vertiefung des mitunter üppigen Lernstoffes in der Oberstufe eigentlich nötig wäre. Das erfährt häufig auch Margit Looser, Verbindungslehrerin am BMZ und zudem Lehrerin für Deutsch, Französisch und Geschichte. Sie bestätigt diese Sicht ihrer Schüler: „Wir müssen derzeit in extrem kurzer Zeit enorme Berge erklimmen – Lehrer und Schüler. Diese eine Stunde mehr pro Woche hilft uns dabei ungemein“.

Auch Anita Fauser, stellvertretende Vorsitzende des Elternbeirates, begrüßt die Reform: "Dadurch, dass es weniger Kurse und mehr Stunden geben wird, können die Schüler sich einen eigenen Fachbereich schaffen, in dem sie gut sind, und diesen dann vertiefen". Dass die Aufstockung der Leistungsfächer gleichzeitig zulasten anderer Kurse gehen wird, ist Schulleiterin Amann bewusst. Noch aber sei nicht geklärt, an welcher Stelle durch diese Reform das Stundenkontingent gekürzt werde. „Wir stellen uns natürlich die Frage, was das letztendlich für die anderen Fächer bedeutet“. Wann es eine Antwort auf diese Frage geben wird, das sei noch nicht absehbar.

Der zweite zentrale Punkt der Reform betrifft die Abschaffung der Präsentationsprüfung, die wiederum durch eine klassische mündliche Prüfung ersetzt werden soll. Bei der, so Margit Looser, müssten Schüler bislang ein eigenes Thema auf Grundlage des bestehenden Lehrplans vorschlagen, das dann wiederum, mit einer speziellen Fragestellung versehen, als Abiturprüfung vorgetragen werden müsse. Aaron Preus, Schüler der Jahrgangsstufe 2 am Gymnasium, muss diese Form der Prüfungsleistung im kommenden Jahr noch erbringen – und sieht deren Abschaffung kritisch: „Die Präsentationsprüfung ist ein wichtiger Bestandteil des Abiturs, um die eigenen Präsentationsfähigkeiten auch unter extremen Stressbedingungen zu testen“, heutzutage sei diese Eigenschaft vielfach gefragt, ergänzt der 17-Jährige, vor allem in der Wirtschaft. „Deshalb bin ich der Abschaffung dieser Prüfung gegenüber eher kritisch eingestellt“.

Aaron Preus (17), Schüler der Jahrgangstufe 2 am Gymnasium BMZ Markdorf.
Aaron Preus (17), Schüler der Jahrgangstufe 2 am Gymnasium BMZ Markdorf. | Bild: Lukas Reinhardt

Ein Punkt, dem Rektorin Amman grundsätzlich beipflichtet. Dennoch führt sie an: „Es existieren Probleme bei der Beurteilung dieser Form der Prüfungsleistung.“ So könne man nur schwer nachvollziehen, was die Schülerinnen und Schüler selber geleistet haben, was Freunde oder Eltern, und was gar aus dem Internet stamme. Dass die Präsentationsfähigkeit durch die Abschaffung dieses Prüfungselements überhaupt leiden wird, die Gefahr sieht Margit Looser nicht: „Die Fähigkeit, Präsentationen zu erstellen und auch zu halten, werden bei uns ab der fünften Klasse in den verschiedenen AG's geschult“. Das, ergänzt sie, geschehe auch unabhängig von einer Präsentationsprüfung im Abitur.

Welche konkreten strukturellen Veränderungen diese Reform tatsächlich für die Schule, die Lehrer und die Schüler bedeuten, das, so Amann, sei derzeit noch nicht absehbar: "Dazu ist es zu früh. Das wissen wir noch nicht“.

Das bringt die Reform

  • Ab 2019 drei Leistungs- statt fünf Kernfächer mit nun jeweils fünf statt vorher vier Wochenstunden: das erste und zweite wählbar aus Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften, das dritte zudem aus Musik, Bildende Kunst und Sport.
  • Basisfächer können auch Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften sein.
  • Schriftliche Prüfungen in den drei Leistungsfächer, zudem zwei mündliche Prüfungen. Die Präsentationsprüfung fällt weg.
  • "Null-Punkte-Regelung": Schüler müssen in jedem Fach mehr als null Punkte erzielen. (lre)

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