Markdorf Fototafeln vor Gebäuden zeigen Veränderungen im Stadtbild

Perspektiven auf den Wandel ermöglichen 39 Fototafeln, die in Markdorf an Laternenpfählen und Verkehrschildstangen die Veränderungen im Stadtbild zeigen. Angebracht haben die historischen Motive Mitglieder des Förder- und Freundeskreises Obertor.

Sie hängen an Schildern, sie hängen an Laternenpfählen: die 39 Tafeln, die der Förder- und Freundeskreis Obertor jüngst im Bereich Obertor-, Stadtgraben und Hauptstraße angebracht hat. Auf den Tafeln im A4-Format sind Straßen, Plätze und Häuser aus Markdorfs Vergangenheit zu sehen. Szenen aus der Zeit unmittelbar nach der Wende ins 20. Jahrhundert, aber auch Szenen aus den 60er und 70er Jahren. Angebracht wurden sie als Beitrag des Förderkreises zum 1200-Jahr-Jubiläum der Stadt.

Angestoßen wurde die Aktion durch Dietmar Bitzenhofer, lange Zeit Obertorpfleger und bis vor wenigen Monaten noch Zunftmeister der Narrenzunft. Er hatte bei der Präsentation der Idee bei der jüngsten "Mol ebbes anders"-Veranstaltung im Obertor ausdrücklich darauf hingewiesen, dass "wir das ganz ohne erhobenen Zeigefinger machen". Quasi wertfrei – ohne jeden denkmalpflegerischen, idyllisierenden oder ästhetischen Impuls. Ein Urteil darüber, ob es früher wirklich schöner gewesen sei, solle sich jeder selber bilden. Auch auf der Grundlage jener 39 Ansichtstafeln, die alle dort angebracht sind, wo sie mit der neuen baulichen Situation kontrastieren.

Früher war längst nicht alles besser – und schon gar nicht schmucker: zum Beispiel das Obertor.
Früher war längst nicht alles besser – und schon gar nicht schmucker: zum Beispiel das Obertor. | Bild: Jörg Büsche

Theresia Moser hat es eilig. Grüßend geht sie vorüber, bleibt dann aber doch stehen und kommt wieder zurück. Ihr sind die beiden Bildtafeln an dem Laternen-Pfahl aufgefallen, die Motive der Hauptstraße zeigen – vom Westen her fotografiert, heißt es in der Bild-Unterschrift, zeigen die Bilder Häuser im Gründerzeitstil mit Erkern mit Giebeln, Gauben und reichlich Zierrat um die hohen Fenster. Zu sehen ist auch eine Tankstelle – und im Hintergrund ein schmuckloser Neubau, vermutlich aus den früher 1960er Jahren. "Da war ein Tabakladen drin", deutet Thersia Moser auf eines der dachgaubenbewehrten Gebäude. Neben Pfeifen, Zigaretten, Grob- und Feinschnitt sowie Zigaretten habe es dort noch allerlei Kleinkram gegeben. Sie sagt "Gruscht". Ihr anschließendes Kopfschütteln gilt indes nicht dem Warensortiment, sondern dem, was heute in der Hauptstraße zu sehen ist. "Wenn mich mein Sohn besucht, dann sagt er immer: Das ist nicht mehr unser Markdorf, wie es früher war."

Recht hat er. Die Gehrenbergstadt hat ihr Gesicht verändert. Dies auch heftiger als manchem Bewohner lieb ist. Mancher Neubau, manche Entwicklung wird längst nicht von allen mitgetragen – insbesondere die größeren Gebäudedimensionen, was in der Hauptstraße zu betrachten ist, aber auch in der Mangoldstraße, im Stadtgraben und etlichen anderen Stellen in der Stadt. Viele fürchten, Mardorf büße seine alte Beschaulichkeit ein, werde gesichtslos, bekomme eine austauschbare Architektur.

Nicht alles hat sich in der Stadt verändert – und mancher Wandel kommt erst noch.
Nicht alles hat sich in der Stadt verändert – und mancher Wandel kommt erst noch. | Bild: Jörg Büsche

Der Blick auf die alten Fotos von der Hauptstraße lässt den Ortsunkundigen rätseln. Da sich die Situation so grundlegend verändert hat, überhaupt keine Anhaltspunkte mehr bietet, drängt sich die Frage nach dem Wo auf. So wie für ein junges Paar, das soeben vom Einkaufen zurückkommt. Die beiden können kaum glauben, dass die Aufnahmen die Hauptstraße zeigen. Sie kommen von auswärts. Und tatsächlich begegnen einem solche Gründerzeit-Ensembles wie auf dem alten Foto vielerorts. Die Aufnahme könnte durchaus in einer der Seitenstraßen von Tettnang, von Überlingen oder Ravensburg gemacht worden sein. Mithin bestand also schon um die Wende zum 20. Jahrhundert – als ein ungeahnter wirtschaftlicher Aufschwung zu einer immensen Bautätigkeit geführt hat – jene architektonische Beliebigkeit, die heute so sehr bemängelt wird.

"Ich bin gespannt, was an die Stelle vom Rathaus kommt", sagt Theresia Moser noch, bevor sie weitereilt. Ein abschließendes "schöner wird's bestimmt nicht", kam ihr noch über die Lippen. Simon Schiercher, der sich das Bild vom einst abgebrannten Rathaus anschaut, findet: "So viel hat sich da eigentlich gar nicht getan – Hauptsache, die Autos kommen irgendwann weg."

Ein Bild von einem Rathaus und ein etwas neueres Rathaus dahinter.
Ein Bild von einem Rathaus und ein etwas neueres Rathaus dahinter. | Bild: Jörg Büsche

Die in der Straßenausstellung verwendeten Fotografien entstammen zum großen Teil dem Fotoband "Markdorf im Wandel", der über Dietmar Bitzenhofer vom "Förder- und Freundeskreis Obertor" zu beziehen ist.

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