Markdorf Feuer und Flamme für Silvester?

Seit gestern ist in den Geschäften in Markdorf Feuerwerk erhältlich. Meist sind es Männer, die sich für Silvester mit Raketen und Böllern eindecken. Landwirte und Haustierhalter sehen die Knallerei kritisch: Der Lärm stresst die Tiere.

Markdorf – Es scheint, dass das Spiel mit dem Feuer ein Spiel für Männer unter sich ist. Denn blickt man drei Tage vor Silvester in die mit Feuerwerkskörpern gefüllten Regale in den Markdorfer Geschäften, lässt sich schnell eine Zielgruppe ermitteln. „Es sind ganz klar die Männer, die Feuerwerk kaufen“, sagt Corinna Gindele, stellvertretende Marktleiterin bei Edeka Sulger. „Frauen kaufen höchst selten Böller.“

Noch ist es im Edeka-Markt ruhig an diesem ersten Verkaufstag für Feuerwerk. Insgesamt drei Tage lang darf vor Silvester deutschlandweit Feuerwerk verkauft werden. In der Regel sind dies die Tage vom 29. bis 31. Dezember. Da allerdings Silvester in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, ist der Verkaufsstart auf den 28. Dezember vorverlegt. „Der große Run setzt bei uns meist erst am zweiten oder dritten Verkaufstag ein“, sagt Corinna Gindele.

Heiß her geht es hingegen am Vormittag bereits bei Aldi. Kunden wühlen emsig in den Drahtkörben, vergleichen Preise und prüfen Knalleffekte. Und deutlich sicht- und erreichbar für jedermann steht sicherheitshalber der Feuerlöscher unter den Drahtkörben. Zwei Frauen sind in die sonst männlich bestimmte Pyro-Domäne eingedrungen. Dražena Müller ist mit Tochter Nadja und Ehemann Peter dabei, sich für das Feuerwerk zu entscheiden. „Grundsätzlich lehne ich das ab. Denn mit dem Geld, das an Silvester verpulvert wird, könnte viel Hunger und Not gelindert werden“, sagt Dražena Müller. Zumindest aber seien sie es ihren Kindern schuldig, ein bisschen Kleinfeuerwerk zu kaufen. Für Ehemann Peter sollen es auch ein paar Raketen sein. „Unser Budget liegt jährlich bei maximal 20 Euro“, lacht die Bosnierin, die mit ihrer Familie in der Spiegelbergstraße lebt. „Ohnehin wird bei uns in der Straße so viel geböllert, dass wir nicht noch mehr Feuerwerk kaufen.“

Viel gekauft wurde bereits im Hagebaumarkt Schneider. Markus Kleck ist gerade dabei, die leeren Körbe neu zu befüllen. „Eben ist noch eine ganze Palette angekommen“, sagt er. Gerade beim Transport gelte es, strikte Sicherheitsvorschriften zu befolgen. Pro Lieferung dürfe eine bestimmte Menge an Schwarzpulver nicht überschritten werden. „Und nur geprüfte und in Deutschland zertifizierte Ware darf in den Geschäften verkauft werden.“

Ein vergleichsweise überschaubares Sortiment an Feuerwerk ist im Megamix aufgebaut. Aber auch hier scheint „Mann“ fündig zu werden. Der Markdorfer Klaus Hartmann greift zielstrebig zu einer mittelgroßen Feuerwerksbatterie. Er selbst sei kein bekennender Feuerwerkfanatiker. „Aber in diesem Jahr habe ich einfach mal wieder Lust darauf“, sagt er auf die Frage, weshalb er Böller kaufe. „Einfach anzünden und dann zuschauen und genießen“.

Gebote und Verbote

  • Böllern ist nur von 18 Uhr am Silvesterabend bis 7 Uhr am Neujahrstag erlaubt. Verboten ist das Knallen in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern sowie Kinder- und Altenheimen.
  • Für den Zeitraum zwischen dem 2. Januar und dem 30. Dezember eines jeden Jahres besteht ein Zündverbot von Feuerwerk. Ein Verstoß wird mit einem Bußgeld von bis zu 50 000 Euro geahndet.
  • Nur Feuerwerkskörper mit BAM-Prüfnummer verwenden und keine selbst gebastelten Feuerwerkskörper. Unbedingt Gebrauchsanweisung der Hersteller genau beachten.
  • Feuerwerkskörper gehören nie in die Hände von Kindern. Sie müssen bereits im Vorfeld über die Gefahren von Feuerwerkskörpern aufgeklärt sein.
  • Auf keinen Fall Feuerwerkskörper selbst herstellen oder illegal aus dem Ausland importieren. Auf das Prüfzeichen der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung achten.
  • Aus Rücksicht auf Tiere Feuerwerkskörper nicht in unmittelbarer Nähe von Ställen und Koppeln zünden.
  • Niemals mit Raketen und Böllern auf Menschen, Tiere, Gebäude oder Autos zielen.
  • Feuerwerk gehört nicht in die Hände von betrunkenen Menschen.
  • Raketen und Knaller sind nur im Freien abzubrennen. Raketen sollten niemals aus der Hand, sondern stets aus standsicheren Rohren oder Flaschen in Kisten gezündet werden. Die Lenkstäbe dürfen nicht verkürzt oder entfernt werden. Zudem sollte stets die Windrichtung beachtet werden.
  • Keine Blindgänger aufheben, sie könnten noch verspätet zünden. Höchste Explosionsgefahr besteht beim Trocknen oder Anwärmen von Blindgängern.
  • Türen und Fenster stets geschlossen halten, damit sich keine Knaller in die Wohnung verirren.
  • Beim Nachhausekommen überprüfen, ob sich keine Knaller oder Raketen beispielsweise in eine offene Tasche oder in die Kapuze verirrt haben.
  • Das Auto wenn möglich in die Garage stellen.
  • Wenn doch etwas passiert: umgehend die Notrufnummer 112 anrufen.

Der Feuerwehrmann

Herbert Stehleist seit seiner Jugend bei der Freiwilligen Feuerwehr Markdorf aktiv. "Die Betonung liegt auf freiwillig", antwortet Stehle auf die Frage, ob Silvester besondere Disziplin und selbstauferlegte Restriktionen verlange. "Klar kann es sein, dass ich einfach nicht da bin, sei's im Skiurlaub oder bei Freunden." Nun ist er aber am 31. Dezember da, in Markdorf, der Feuerwehrmann, der seinen Dienst mehr als ernst nimmt. "Wir feiern zusammen mit zwei befreundeten Familien jedes Jahr im Wechsel." Dieses Jahr richte er zusammen mit seiner Frau Andrea die Party bei sich zuhause in der Jahnstraße aus. "Ein, zwei Gläser Sekt weniger, einen klaren Kopf bewahren und darauf gefasst sein, dass der Piepser runter geht", ist seine Maxime. Mit drei bis vier Einsätzen aufgrund von Böllern sei in jeder Silvesternacht in Markdorf zu rechnen, weiß der Feuerwehrmann.

Der Haustierhalter

Martin Goesund Susanne Schmid leben mit ihren zwei Katzen und einem halbwilden Findelkater in der Unteren Gallusstraße. Eigentlich eine ruhige Ecke, aber was die Katzendichte betrifft, stark frequentiert; und auch die Böllerbereitschaft an Silvester ist überdurchschnittlich hoch. "Deshalb feiern wir hier zuhause und sorgen dafür, dass die Katzen bis spätestens zur Dämmerung im Haus sind und dort auch bleiben." Es gelte, den vermeintlichen Stubentigern in ihrer vertrauten heimischen Umgebung einige Verstecke und einen sicheren Unterschlupf zu bieten. "Natürlich kann man nicht damit rechnen, dass die Menschen aus Rücksicht auf die Haustiere weniger böllern", ist Martin Goes der Überzeugung. "Aber jeder Tierhalter trägt die Verantwortung für seine Tiere", appelliert er an alle Tierhalter. Sie selbst verzichten dafür gern auf eine Silvesterparty.

Der Landwirt

Stefan Beckbetreibt keine Landwirtschaft im großen Stil, eher ein "kleines Stückle", wie man hierzulande sagt. Seinen Beruf als Lehrer hat er vor gut einem Jahr aufgegeben und widmet sich nunmehr der Tierhaltung und dem Anbau von Gemüse im Kleinen. In Riedern bei Markdorf liegt sein Grundstück, auf dem drei Schafe weiden, Federvieh gackert und schnattert und drei Maremmano-Hirtenhunde Tag und Nacht nach dem Rechten schauen. Täglich ist Stefan Beck draußen bei seinen Tieren und lebt in einer engen Symbiose mit seinen Zwei- und Vierbeinern, während nachts die Tiere allein sind. "In der Silvesternacht werden meine Frau und ich sogar hier bei den Tieren schlafen", sagt er. "Ich weiß nicht, wie die Hunde auf die Böller reagieren, und auch für die Schafe wird es stressig werden." Nun hofft er, selbst etwas Ruhe auf seine Tiere übertragen zu können.

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