Markdorf Cornelia Rick: "Es gibt in der Natur so viel zu entdecken"

Auf einen Kaffee mit... Cornelia Rick über die Wirkung von Bäumen, der Faszination Natur und der Begeisterung von Kindern im Wald

Frau Rick, viele Markdorfer dürften Sie als engagiertes Mitglied der Historischen Narrenzunft kennen. Sie haben neben der Fasnacht aber noch eine zweite Leidenschaft, die Natur.

Ja, das ist richtig. In unserem Garten steht seit meiner Kindheit ein großer Birnbaum und darunter befand sich mein Sandkasten. Mein Lieblingsort, als ich ein Kind war. Meine Eltern haben mich viel auf Spaziergänge und Wanderungen mitgenommen, ob hier am Gehrenberg, im Bayrischen Wald, Vorarlberg oder auf der Schwäbischen Alb. Ich habe das immer sehr genossen und man kann so viel in der Natur entdecken, wenn man die Augen aufmacht.

Und so war Ihr Interesse an der Pflanzenwelt geweckt?

Ja. Ich habe mir mein Wissen über Pflanzen über viele Jahre hinweg angeeignet und zur weiteren Vertiefung zwei Kräuterjahresausbildungen bei Adelheid Lingg gemacht. Ich habe gemerkt, dass ich mich neben meinem Beruf, noch mit etwas anderem beschäftigen möchte. Das Gelernte habe ich dann immer meiner Familie und einer Freundin erzählt, die irgendwann meinte, ich sollte dies doch an eine größere Gruppe weitergeben und so ist die Idee der Führungen entstanden.

Sie führen ja auch seit einigen Jahren durch ein historisches Gebäude, den Markdorfer Hexenturm...

Genau. Mir macht das einfach Spaß und ich denke, ich habe in den vergangenen Jahren ein ganz gutes Gefühl dafür entwickelt, wie man die Teilnehmer für etwas begeistern kann und sie einem aufmerksam zuhören. Seit 2015 biete ich nun Baumspaziergänge und Wildkräuterwege für alle Altersgruppen an.

Wie können sich Interessierte diese Führungen vorstellen?

Wir treffen uns derzeit am Parkplatz Vogelsang in Möggenweiler, von dort gibt es viele schöne und unterschiedlich lange Rundwege. Meist sind wir so rund zwei Stunden unterwegs und je nach Jahreszeit schauen wir, was wo wächst. Ich mag alle Jahreszeiten, da sie in meinen Augen wichtig sind. Bei Wildheilkräutern kenne ich mich gut aus, aber es gibt auch immer wieder Pflanzen, die ich neu entdecke. Ich erzähle Wissenswertes über Brauchtum, Mythen und Sagen, sowie die Heilwirkung und Verwendung in der Küche. Es soll einfach eine kurzweilige Veranstaltung sein.

Sie sind auch viel mit Schulklassen unterwegs. Wie reagieren Kinder auf die Natur?

Gerade wenn ich mit Schulklassen unterwegs bin, gibt es immer wieder eindrückliche Erlebnisse. So hatten wir mal einen Jungen dabei, der sehr auffällig war und anfangs ziemlich gestört hat. Dann haben wir an einem Apfelbaum Halt gemacht und er hat plötzlich eine ganz tolle und interessante Frage gestellt. Da dachte ich so, wow, er hat tatsächlich zugehört und sich Gedanken gemacht. Da zaubert die Natur. Ein anderes Mal waren wir im Wald und ich wollte darauf hinaus, dass die Kinder den Wind hören. Ein Junge hat dann ganz ernst gesagt, dass er Baumgeister hört und allen anderen, die daraufhin gekichert haben, einen strengen Blick zugeworfen.

Das fand ich sehr mutig von ihm. Mit Kindern kann man auch viele Kleinigkeiten entdecken und suchen, wie beispielsweise Schnecken oder Tannenzapfen. Dafür ist der Gehrenberg das ideale Gebiet.

Werden bei Ihren Führungen auch Bäume umarmt?

(lacht) Nein, das gehört nicht dazu. Aber wer das gerne tun möchte, kann es machen. Die Wirkung, die Bäume auf uns haben, sollte man nicht unterschätzen. Das wird zum Beispiel in Japan gerade erforscht. Uns geht es ja prinzipiell gut, wenn wir an der frischen Luft, in der Natur, im Wald sind.

Haben Sie eine Lieblingspflanze, die Ihnen besonders gefällt?

Der Holunder. Ich mag einfach, wie er blüht. Früher habe ich mir vorgestellt, wie ein guter Hausgeist im Holunder wohnt. Laut alten Erzählungen beschützt der Holunder die Bewohner eines Hauses und das finde ich toll. Außerdem helfen mir Holunderblüten als Tee und Tinktur, wenn ich eine Erkältung habe.

Auf Ihrer Homepage beschreiben Sie sich als "Begleiterin auf neuen Wegen". Was kann man sich darunter vorstellen?

Es passiert mir oft, dass Leute mich einfach finden. Das kann bei Zugfahrten sein, beim Einkaufen oder einfach auf der Straße. Das geschieht im Alltag meist ganz spontan und sie erzählen mir dann etwas aus ihrem Leben. Meist darf ich einfach nur zuhören, und am Ende wundern sie sich oft, warum sie mir gerade jetzt das erzählt haben.

Wie erklären Sie sich das?

Ich denke, ich habe vielleicht so eine Ausstrahlung, dass mir Menschen, auch fremde Menschen, gerne etwas anvertrauen. Das bleibt selbstverständlich alles bei mir und ich erlaube mir nur ganz selten, irgendwelche Anregungen oder so zu geben. Aber ich begleite die Menschen auf einem kurzen Weg ihres Lebens und ich glaube, ich kann ihnen damit helfen.

Kommen wir kurz noch auf die Fasnacht zu sprechen. Eine ganz besonderes Jahreszeit für Sie.

Ja, das stimmt. Seit ich drei Jahre alt bin, bin ich Mitglied in der Historischen Narrenzunft. Meine ersten Erinnerungen sind die, dass ich als Kind daheim auf den Tisch gesetzt worden bin, ich zuerst zwei Pullis übereinander und dann das Kaujohle-Häs angezogen bekam. Das hat nach Mottenkugeln und kaltem Rauch gerochen und ich habe diese Zeit geliebt. Es hat immer sehr viel Spaß gemacht und so kam es ganz automatisch, dass ich mich immer mehr engagiert habe. Ich war unter anderem in der Tanzgruppe, habe als Webadminstratorin die Homepage gestaltet, habe Schreibaufträge übernommen und bin seit 2010 Beisitzerin im Präsidium der Zunft. Den Ochsenbachkurier habe ich 13 Ausgaben verantwortet. Das war mein Baby und es war mir sehr wichtig, dieses bei meiner Nachfolgerin in guten Händen zu wissen.

Mit Birgit Beck hat die Narrenzunft nun erstmals eine Frau an der Spitze.

Wir haben mit unserer Zunftmeisterin Birgit Beck genau die richtige Person im richtigen Amt. Das sollte unabhängig vom Geschlecht und eigentlich in der heutigen Zeit kein Thema mehr sein. Aber es stimmt schon, es gibt zu wenig Zunftmeisterinnen, aber hoffentlich ändert sich das jetzt so langsam.

Freuen sich bereits wieder auf die kommende närrische Zeit?

Ich bin ehrlich gesagt ganz froh, dass es momentan etwas ruhiger ist. So schön das Landschaftstreffen in diesem Jahr auch war, es war auch schön als es nach der langen und intensiven Vorbereitung vorbei war. Wir Mitglieder vom Narrenrat treffen uns ja trotzdem einmal im Monat.

Fragen: Stefanie NosswitzAlle Kaffeegespräche im Internet: www.suedkurier.de/kaffee

Zur Person

Cornelia Rick (45) wurde in Markdorf geboren, ist hier aufgewachsen und lebt weiterhin mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in der Stadt. Rick hat Industriekauffrau gelernt und ist staatlich geprüfte Wirtschaftsinformatikerin. Seit ihrer Kindheit ist sie Mitglied in der Historischen Narrenzunft und hat neben vielen Aufgaben unter anderem 13 Ausgaben lang den Ochsenbachkurier verantwortet. Seit 2010 ist sie Beisitzerin im Präsidium der Zunft. Seit 2015 bietet sie Baumtage, Baumspaziergänge, Wildkräuterwege und Vorträge an. Zu ihren Hobbies zählen bei gutem Wetter die Natur, ansonsten liest sie sehr gerne. Die nächste Tour "Wildkräuterwege" findet am Samstag, 22. Juli, 15 Uhr statt. Weitere Informationen und Anmeldung unter der Telefonnummer 0 179/523 1756.

Weitere Informationen im Internet: www.helleslicht-gruenetiefe.de

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Auf einen Kaffee mit...: Die Interviewreihe in Markdorf: Auf einen Kaffee trifft man sich immer gerne für ein gutes Gespräch. Die SÜDKURIER-Redaktion in Markdorf trifft sich regelmäßig mit Menschen aus der Region - mal mehr, mal weniger bekannt - um ihre Geschichte zu erfahren. So ist die Serie »Auf einen Kaffee mit...« entstanden.
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