Markdorf Armin Bischofberger plädiert für Engagement, damit Lebensumfeld attraktiver wird

Auf einen Kaffee mit... Armin Bischofberger, der sich nicht nur als Vorsitzender der "klangwelt Rittersaal" in Markdorf einbringt.

Wer in Markdorf den Namen Bischofberger hört, denkt automatisch auch an Kultur. Ihre Frau gehört zum Vorstand des Kunstvereins und Sie selbst sind Vorsitzender der "klangwelt Rittersaal", eines Vereins für die Aufführung von Kammermusik. Woher kommt dieses Engagement?

Für mich ist das ein Beitrag, mit dem jeder Bürger die Attraktivität seines Wohnortes steigern kann. Schauen sie: Markdorf ist eine Stadt mit einer soliden finanziellen Basis, was vor allem an der florierenden Wirtschaft hier liegt. Das ist sehr gut. Das sind die harten Standortfaktoren. Die lassen sich aber noch durch ein paar Soft Skills, weiche Standortfaktoren, ergänzen – eben durch Kultur. Denn die tragen ganz erheblich dazu bei, dass eine Gemeinde noch attraktiver wird. Aber verstehen wir uns richtig. Zuerst kommt die Wirtschaft, dann erst die Kultur. Das eine ist ein Muss, das andere schön, wenn's außerdem dazu kommt. Und da sehe ich Möglichkeiten für jeden Bürger. Das finde ich ja gerade so toll an Markdorf: diese überaus rege Vereinswelt hier, die Bürger setzen sich ein. Besser wäre doch: statt sofort nach der Gemeinschaft zu rufen, sollte zunächst jeder selber seinen Beitrag leisten. Selbst habe ich mich noch nicht so lange aktiv eingebracht – erst seit einigen Jahren. Davor hat mir die berufliche Laufbahn keine Zeit dazu gelassen. Inzwischen sieht das etwas anders aus. Übrigens fördern wir schon noch mehr Vereine.

Welche zum Beispiel?

Die Stadtkapelle, die Musikschule, den Kirchenchor, das Mehrgenerationenhaus, den Förderverein des Gymnasiums im Bildungszentrum. Und die Kirchenmusik in Bad Saulgau, wo ich aufgewachsen bin, da gehöre ich nach wie vor als Lastschrift-Mitglied dazu.

Sie singen im Markdorfer Kirchenchor. Besteht da eine besondere Affinität zur Musik?

Oh ja. Schon meine Eltern waren im musikalischen Bereich unterwegs. Was bleibt einem schon anderes übrig auf dem platten Land. Und mein Großvater spielte Violine – durchaus anspruchsvolle Stücke. Leider hat er dieses Talent nicht an mich vererbt.

Umso geschickter gehen sie vor, wenn es darum geht, eine Lücke im musikalischen Angebot Markdorfs zu schließen. Wie kam es zur Gründung der "klangwelt Rittersaal"?

Eigentlich war es ja eine Idee von Bürgermeister Georg Riedmann. Dass die Stadt in puncto Kammermusik noch einigen Bedarf hatte, das hat er erkannt. Von ihm kam dann auch der Vorschlag, etwas im Rittersaal zu organisieren. Der befindet sich ja schon seit Langem in den Händen der Stadt. Nur sollte das Angebot privat organisiert sein. Wie sie wissen, haben wir hier in Markdorf kein Kulturamt. Der Rittersaal ist natürlich ein wunderbarer Ort, um darin Kammerkonzerte zu veranstalten.

Und sie haben umstandslos zugesagt?

Nicht ich allein, da gab es schon einen kleinen Kreis Engagierter. Ich nenne nur Katja Verdi und Christian Ringendahl. Wir sind fünf, sechs, die ihr Herzblut geben – und die die Liebe zur Musik eint. Im Grunde waren wir uns aber von vornherein einig. Denn was konnte schon passieren: Wir sind keine hauptberuflichen Konzertveranstalter, also haben wir keinen Namen, den wir verlieren können. Hätten die Leute unsere Programmvorstellungen nicht angenommen, dann hätten wir halt wieder aufgehört. Dem gegenüber stand diese Chance, in Markdorf etwas ganz Neues zu etablieren. Etwas, was es so oder so ähnlich zwar in Hagnau und in Langenargen gibt, aber eben nicht bei uns in Markdorf.

Haben sie jenseits der gattungsmäßigen Eingrenzung noch ein programmatisches Konzept?

Wir wollen vor allem jungen Künstlern aus der Region eine Plattform bieten.

Weil die sich mit relativ geringen Gagen bescheiden?

Sicher, viel können wir nicht ausschütten, doch geht es auch immer um Förderung. Denn die Konkurrenz in der Musik-Szene, die ist gewaltig.

Und ihr inhaltliches Programm?

Maßstab ist, was uns auch selber gefällt. Schließlich sind wir kein hochsubventionierter Betrieb, der sich schräge Experimente leisten kann.

Und ihr Publikum teilt diesen Geschmack?

Absolut. Jedenfalls bisher. Unser erstes Jahr zu organisieren, war keineswegs ganz einfach. Aber der Zuspruch war von Anfang an gut und der Rittersaal war noch bei jedem Konzert voll. Was auch damit zu tun hat, dass man uns inzwischen vertraut. Wäre es anders, müssten unsere Musiker vor leeren Stühlen spielen.

Fragen: Jörg Büsche

Zur Person:

Armin Bischofberger wurde 1964 in Bad Saulgau geboren, wo er auch aufgewachsen ist. Nach dem Abitur studierte er in Konstanz Jura. Das anschließende Referendariat führte ihn in den Bodenseekreis und in die österreichische Hauptstadt Wien. Seit 1997 lebt er mit seiner Familie als Fachanwalt für Steuerrecht, für Handels- und Gesellschaftsrecht in Markdorf. Als Steuerberater ist er Partner in einer Friedrichshafener Kanzlei. Armin Bischofberger ist verheiratet und hat zwei Kinder. (büj)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Mehr zum Thema
Auf einen Kaffee mit...: Die Interviewreihe in Markdorf: Auf einen Kaffee trifft man sich immer gerne für ein gutes Gespräch. Die SÜDKURIER-Redaktion in Markdorf trifft sich regelmäßig mit Menschen aus der Region - mal mehr, mal weniger bekannt - um ihre Geschichte zu erfahren. So ist die Serie »Auf einen Kaffee mit...« entstanden.
Außergewöhnliche Geschenkideen für Ihre Liebsten
Neu aus diesem Ressort
Markdorf
Markdorf
Markdorf
Markdorf
Markdorf-Ittendorf
Markdorf
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren