Markdorf Absage der Sparkasse Bodensee für Markdorf kein Unglück

Die Entscheidung ist getroffen: Das Geldhaus siedelt seine neue Zentrale in Friedrichshafen an. Doch die Stadt Markdorf profitiert dennoch von der Entscheidung und dies sogar aus zweierlei Gründen.

Die Entscheidung des Verwaltungsrates der Sparkasse Bodensee ist am Freitag gefallen: Einstimmig fiel der Beschluss, den neuen Hauptsitz des Geldinstituts in Friedrichshafen anzusiedeln, im Gebäude der bisherigen Zentrale in der Charlottenstraße. Damit ist Konstanz aus dem Rennen, aber auch Markdorf, das sich begründete Hoffnungen gemacht hatte, dass die Sparkasse ihre neue Zentrale in das künftige Gewerbegebiet in der Eisenbahnstraße verlegen könnte. Immerhin hatten Verwaltung und Gemeinderat mit einer Änderung des Planentwurfs dem Geldhaus eine goldene Brücke gebaut: Für das östliche, für die Sparkasse vorgesehene Grundstück wurde die Höhenfestsetzung von 16 auf 20 Meter heraufgesetzt. Damit hätte die Sparkasse fünfgeschossig bauen können.

Riedmann stimmt für den "Hafen"

Also Wehklagen in Markdorf? Mitnichten. Eine "in jeder Hinsicht hervorragende Entscheidung" lautet das Urteil von Bürgermeister Georg Riedmann über den Beschluss. Riedmann ist selbst Mitglied des Verwaltungsrates, dem die Bürgermeister der Kommunen, in denen die Sparkasse Bodensee agiert, angehören. Riedmann hat also am Freitag mitgestimmt, und er hat ebenfalls gegen Markdorf votiert. Warum? Ein Grund liegt auf der Hand: Der Öffentlichkeit wäre es nicht zu vermitteln gewesen, hätte die Sparkasse rund 60 Millionen Euro in einen Neubau investiert, obwohl sie großflächig ungenutzte Räume in Friedrichshafen und Konstanz hat und sie wirtschaftlich seit einiger Zeit in unruhigen Gewässern segelt. Nicht einmal betriebswirtschaftlich, so Riedmann, hätte sich eine solche Investition gerechnet.

Die Entscheidung wertet er auch als "großen politischen Erfolg". Denn endlich sei es gelungen, "alte Zöpfe abzuschneiden" und badisch-schwäbisches Konkurrenzdenken beizulegen. Was sei wichtig für die Kunden und gut für die Wirtschaftlichkeit der Sparkasse, seien die zentralen Leitsätze für die Entscheidung gewesen. Und da habe mit Abstand am meisten für Friedrichshafen gesprochen.

Gewerbesteuer wird neu verteilt

Die Gründe der objektiven Wirtschaftlichkeit sind die eine Seite für Riedmanns Zufriedenheit, die andere Seite hat steuerliche Gründe. Denn ebenso einstimmig hat der Verwaltungsrat eine Rückkehr zur ursprünglichen Gewerbesteuerverteilung beschlossen, die allerdings noch von allen Kommunen und der Sparkasse vertraglich in Kraft gesetzt werden muss. Kommt es zum Vertrag, heißt das, dass die Sparkasse künftig nicht mehr nach der Lohnsteuersumme Gewerbesteuer abführt, sondern wieder wie einst nach Kundengeschäftsvolumen. Dies wiederum würde bedeuten, dass Markdorf knapp die doppelte Summe an Gewerbesteuer von der Sparkasse bekommen würde wie bisher. Bei dieser Neuregelung hätte es wiederum keinen Unterschied gemacht, ob die Zentrale in Markdorf wäre oder an einem anderen Ort. "Wir hätten steuerlich gar keinen Vorteil von einem Hauptsitz in Markdorf", sagt Riedmann, "aber für alle Standorte ist diese Regelung gerechter."

Markdorf profitiert zweifach

Zieht die Sparkasse aber nicht nach Markdorf, wird die für sie "reservierte" Fläche im neuen Gewerbegebiet wieder frei für andere Investoren oder Betriebe. "Das macht den Platz frei für eine andere gewerbliche Lösung, die wiederum Gewerbesteuereinnahmen einbringen wird, die es andernfalls nicht gegeben hätte", sagt Riedmann.

Der Fahrplan fürs Gewerbegebiet

Für das Gewerbegebiet in der Eisenbahnstraße soll nun im Laufe des Februar die Offenlage starten. Ziel sei laut Riedmann, dass noch vor den Sommerferien der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan gefällt werden kann. Mit den Erschließungsmaßnahmen wird nun zeitnah begonnen. Dies hatte der Gemeinderat ja bereits in der vergangenen Woche beschlossen.

Chronologie der Markdorfer Sparkassen-Pläne und Stimmen aus der Politik

  1. Die Pläne fürs Rathausareal: Die Diskussion um den künftigen Hauptsitz der Sparkasse Bodensee nahm im Frühjahr 2017 an Fahrt auf, als Vertreter der Sparkasse am 7. März im Gemeinderat ihre Bewerbung fürs Rathausareal in den Ring warfen. Bereichsdirektor Walter Lorenz legte den Planentwurf für einen mehrgeschossigen Verwaltungsbau für 315 Mitarbeiter auf einer Gesamtfläche von 8930 qm vor. Damit wäre das Rathausareal komplett mit dem Sparkassen-Neubau überplant gewesen. Verwaltung, Gemeinderat und auch der Bürgerschaft waren die Pläne an dieser Stelle jedoch zu wuchtig. Sie wurden verworfen.
  2. Die Pläne fürs Gewerbegebiet: Als Alternative hat die Stadt dem Geldhaus eine Fläche im geplanten Gewerbegebiet an der Eisenbahnstraße angeboten und dafür eigens die Höhenfestsetzung im Planentwurf für das vorgesehene östliche Grundstück von 16 auf 20 Meter nach oben korrigiert. Dieses Angebot war bis zuletzt im Rennen.
  3. Stimmen aus der Politik: "Die Entscheidung ist jetzt getroffen und wir haben diese so zu akzeptieren. Verwaltung und Gemeinderat haben ihren Teil getan und die Möglichkeiten der Ansiedlung geschaffen. Jetzt gilt es, diese Fläche ähnlich der durch die Sparkasse angedachten und dem Bebauungsplan möglichen Bebauung zu nutzen", sagt Freie-Wähler-Fraktionschef Dietmar Bitzenhofer. „Natürlich hätte ich mich über die Ansiedlung des Hauptquartiers der Sparkasse Bodensee in Markdorf gefreut. Doch die nun getroffene Lösung scheint durchdacht und nachhaltig zu sein. Anstatt eines Neubaus das Gebäude in der Charlottenstraße vollständig zu nutzen, ist sicher, gerade auch aus Kundesicht, die effizienteste und nachhaltigste Lösung", so die CDU-Ortsverbandsvorsitzende Susanne Schwaderer: "Markdorf selbst profitiert gleich mehrfach: die erhöhte Gewerbesteuer kommt dem Stadtsäckel zu gute, die Direktion in der Hauptstraße bleibt 1:1 bestehen und das Gelände am Bahnhof kann einer anderen Nutzung zugeführt werden." Positiv sieht es auch ihre Parteikollegin, CDU-Fraktionschefin Susanne Sträßle: "Dass der Traum für Markdorf geplatzt ist, das sehen wir nicht so. Markdorf hat, wie andere Städte auch, der Sparkasse ein geeignetes Grundstück angeboten. Die Wahl ist aus nachvollziehbaren Gründen auf Friedrichshafen gefallen. Für Markdorf ändert sich wenig. Der bisherige Standort in der Innenstadt bleibt erhalten und für die Fläche an der Eisenbahnstraße wird es weiter Interessenten geben", sagt sie. (gup)

 

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