Friedrichshafen Wie nach dem Zweiten Weltkrieg aus Fremden Freunde geworden sind

Geschichte der Kaserne in Langenargen: Coordt von Mannstein und Edouard Golenser haben im Schloss Montfort bewegende Bilder zur deutsch-französischen Freundschaft gezeichnet.

Es dauerte Jahre, bis das Eis zerbrach. Doch eine solche Eiszeit, in der sich Deutsche und Franzosen als Erzfeinde sahen, soll es nie wieder geben. "Europa ist unsere Zukunft, Europa ist unser Schicksal", schrieb der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl ins Goldene Buch von Langenargen, dem er 1993 mit einem Freund, dem französischen Staatspräsidenten Francois Mitterand die Reverenz erwies.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs war in der Seegemeinde eine französische Garnison stationiert, die erst nach dem Ende der deutschen Teilung vor 25 Jahren abrückte. Ein Anlass für das Gemeindearchiv, Geschichte und Geschichten um die Kaserne zu einem "Mosaik der Erinnerungen" zusammenzutragen. Archivar Andreas Fuchs hat dazu zwei Zeitzeugen eingeladen: den Kommunikationsdesigner und Hochschuldozenten Coordt von Mannstein sowie den ehemaligen französischen Fallschirmjäger Edouard Golenser, der in der Langenargener Garnison eine Führungsfunktion hatte.

Coordt von Mannstein war 1938 als Einjähriger nach Langenargen gekommen, das sich gerade zu einem touristischen Kurort mauserte. Es war das Jahr, in dem das "Volksstrandbad" gebaut wurde, dem Nazi-Diktum zur körperlichen Ertüchtigung der Deutschen folgend. In der Nähe der Badeanstalt war auch eine Marinekaserne entstanden, in die Coordt von Mannsteins Vater als Kommandant entsandt wurde. Die Kaserne hatte die Aufgabe, den französischen, englischen und italienischen Funkverkehr zu entschlüsseln. Der Referent hat viele Fotos mitgebracht: Schlittschuhlaufen auf dem See, Fasnet, Rudern. "Für uns Kinder war es herrlich", erzählte Coordt von Mannstein am gestrigen Sonntag im vollen Saal des Montfortschlosses.

"Mein Vater war Marineoffizier, aber kein Nationalsozialist." Der sprachlich und zeichnerisch begabte Mann lehnte einen Wechsel in das Reichspropagandaministerium nach Berlin strikt ab. Aber er meldete sich freiwillig – wohl weil er dem Image der "Süßwassermarine" entkommen wollte – zur U-Boot-Waffe.

Von einer seiner "Feindfahrten" kommt er nicht mehr zurück: Am 13. Mai 1943 wurde sein U-Boot durch Wasserbomben versenkt. Coordt von Mannstein warf den letzten Brief seines Vaters an die Wand, zudem die letzten Tagebucheinträge. Die Familie blieb in Langenargen und erlebte, wie die Funkgeräte im See versenkt wurden – die Franzosen waren im Anmarsch. Den Offiziersdolch des Vaters, "ein schmuckes Stück mit vergoldeter Scheide", versteckten sie auf dem Dachboden. Als 19-Jähriger – Coordt von Mannstein hatte Langenargen längst verlassen – wandte er sich an den französischen Kommandanten, der den Dolch suchen ließ und ihn ihm mit einer kleinen Ansprache überreichte. "Es war vielleicht das erste Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft." Doch es sollte noch lange dauern, bis in den französischen Soldaten keine Besatzer mehr gesehen wurden. Aus Feinden waren erst Fremde und dann Freunde geworden.

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