Langenargen Preisträgerin beim Schlosskonzert in Langenargen

Ioana Cristina Goicea und Natsumi Ohno begeisterten mit ihrem Duo-Abend in Langenargen.

Mit der Sonate für Violine und Klavier in B-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart begann die 1992 geborene Ioana Cristina Goicea in strahlender Bühnenpräsenz eine faszinierende Reise durch über 200 Jahre Musikgeschichte der Geigenliteratur. Mit wunderschönen schwingenden Kantilenen wurde das Allegro eingeleitet. Trefflich gestützt von Natsumi Ohno mit vollgriffigen, feierlichen Akkorden am Klavier. In munterer, "mozartscher" Spiellaune entwickelte das perfekt aufeinander abgestimmte Duo die heiteren Themen mit flüssigem Tonleiterspiel oder Terzenseligkeit. Im Andante lauschte man der Vielfalt des Ausdrucks von "cantabile" oder "dolce", die die gebürtige Rumänin ihrem Instrument, einer wertvollen Gualdini von 1761, entlockte. Zarte Umspielungen am Klavier führten zu einnehmender Adagio-Stimmung. Im Finale, einem freundlichen Rondo im tänzerischen Rhythmus, lieferten sich die beiden Solistinnen einen virtuosen Schlagabtausch: rasante Triolenpassagen, kesse Achtel-Staccato, immer im schneller werdenden Tempo, wechselten zwischen Klavier und Violine.

Cristina Goicea, zur Zeit Studentin in der Klasse von Professor Wegrzyn in Hannover, kam als frisch gekürte Preisträgerin des "Michael Hill International Violin Competition" nach Langenargen. Über 140 Teilnehmer hatten sich für den Wettbewerb weltweit beworben. 16 wurden nach Neuseeland eingeladen. Nach der ersten Runde blieben noch sechs für den nächsten Durchgang übrig. Aus ihnen wurden wieder drei für die Finalrunde mit großem Orchester ausgewählt. Am 10. Juni holte sich Goicea mit dem Violinkonzert von Tschaikowsky den mit 26 000 Euro dotierten ersten Preis.

Auch in der Einleitung zum "Rondo brillant" für Violine und Klavier von Franz Schubert, dem zweiten Werk des Abends, bewunderte man die warme Tongebung in der hellen H-Dur-Geigenmelodie. Im ausladenden Rondo gaben zwei gleichberechtigte Partner den starken Kontrasten plastische Gestalt. Mächtige Akkordfolgen am Klavier, schnelle Wechsel zwischen weicher Bindung und hartem Strich auf der Geige waren treffend für einen vielleicht etwas ungewohnten Schubert. Mit agogischen Verzögerungen, runden Melodiebögen, trat aber auch der typisch liedhafte Romantiker hervor.

Hinter dem "Caprice" nach einer Etüde in Walzerform op. 52 Nr. 6 von Camille Saint-Saens vermutet man zunächst ein Übungsstück für Klavier. Doch in der Bearbeitung des belgischen Geigers Eugène Ysaye für Violine und Klavier wird es zu einer "Tour de force". In scheinbar müheloser Technik überzeugten die furiosen Läufe in Chromatik oder Terzen auf beiden Instrumenten. Mit gekonnten Verzögerungen, Temposchwankungen bekam das Walzerthema seinen ironischen Charakter. Nach einer berauschenden Coda wurde das Publikum in die Pause entlassen.

Die dreisätzige Violinsonate g-Moll von Claude Debussy, im Kriegsjahr 1917 entstanden, lebte vom verinnerlichten Verständnis für die "Musique francaise". Klangfarbenreiche Dialoge, mal spanisch, mal ungarisch oder vom jungen Jazz gefärbt, führten zu Eleganz und poetischem Zauber. Auch im Tanz des Intermezzos mit seinen motorischen Themen mit schnellen Tonrepetitionen bewunderte man die "léger" hingeworfenen Gesten der beiden Musikerinnen. Brillante Figuren, ein expressiver Mittelteil, bildeten den Schluss mit auftrumpfender Kraft.

"Einfach ein Stück für Violine" wollte Maurice Ravel mit "Tzigane" schreiben. Daraus wurde eines der populärsten Virtuosenstücke. Nach dem Violinsolo zündeten Goicea und ihre Begleiterin Ohno ein musikalisches Feuerwerk. Als nach dem Vorbild Paganinis aus dem Accelerando noch ein "teuflisches" Presto wurde, wollte der Beifall nicht enden.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Bodenseekreis
Langenargen
Langenargen
Langenargen
Langenargen
Friedrichshafen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren