Langenargen Neues Klaviertrio spielt Kammermusik vom Feinsten

Wahre Begeisterungsstürme mit rhythmischem Klatschen vom Publikum gab es am Freitagabend nach jedem Vortrag des Klaviertrios bei den Schlosskonzerten in Langenargen. Das Trio hat noch keinen Namen, aber die Mitglieder sind in der Region wohl bekannt. Allen voran Andrej Bielow als langjähriger Primarius des Szymanowski Streichquartetts und als Solist beim Violinfestival Junger Meister. Isang Enders, Violoncello, und Andreas Hering, Klavier, haben nach einem Gastspiel in der vergangenen Saison beim Publikum in Langenargen einen fulminanten Eindruck hinterlassen.

Gefunden haben sich die drei preisgekrönten Musiker Andrej Bielow, Isang Enders und Andreas Hering bei einer Kammermusikwoche im Frühjahr 2016 im "arlberg1800 resort", bei dem der Leiter der Langenargener Schlosskonzerte, Peter Vogel, ebenfalls für die Programmgestaltung Verantwortung trägt.

Gleich das Eröffnungsmotto im Klaviertrio c-Moll op. 1 Nr 3 von Ludwig van Beethoven lebte von zupackender, homogener Gestaltung. In klarem Anschlag stellte der Pianist das motivisch geprägte Hauptthema vor, das treffend von seinen Partnern übernommen wurde. Gemeinsam steigerte sich das Trio zu einem ersten Höhepunkt und lebte eine Qualität ihres Zusammenspiels aus: Wo Forte steht, war auch Forte zu hören! Um gleich anschließend das lyrische Dur-Thema kontrastvoll leise im "dolce" zu präsentieren. Nach turbulentem Stimmengeflecht, erfrischend durchsichtig gestaltet, führten grimmige Dissonanzen zum dunklen c-Moll Schluss. Ruhig ausgespielt, in schlichter Tongebung folgte die notwendige Entspannung im Andante mit charaktervollen Variationen. Mit luftigen Tonleitern und Dreiklangsbewegungen in reinem C-Dur im Trio des dritten Satzes wurde die ansonsten dunkle Stimmung etwas aufgehellt. Wie im Kopfsatz lebte der Prestissimo Schluss von kraftvollem Tutti-Klang, gespickt mit einer Portion Wildheit. Beeindruckend der kraftlose Zusammenbruch in der Coda, der mit zwei pianissimo Akkorden endete.

Im Klaviertrio d-Moll op. 49 von Felix Mendelssohn Bartholdy präsentierten sich die "Solisten" als perfekt aufeinander eingespieltes Trio. Isang Enders gab seinen Themenvorstellungen auf dem Cello sonore Tiefe mit romantischen Entwicklungen. Andrej Bielow stieg nach behutsamem Beginn in traumhafte Höhen auf seiner Violine. Beide zusammen verschmolzen zu wundervollem Duettgesang, wechselten zu ausdrucksstarken Begleitformeln mit quirligen Läufen oder rasanten Tremolo-Figuren. Schwerstarbeit hatte Andreas Hering am Klavier zu leisten. Zunächst mussten viele Themen vom einfachen bis zum vollgriffigen Satz vorgestellt werden. Dann aber streute Hering in den Dialog der Streicher brillante Passagen in scheinbarer Leichtigkeit mit subtilstem Anschlag. Nach dem bewegten Allegro des letzten Satzes setzte das Trio in der berauschenden Coda einen fulminanten Schluss.

Das bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 entstandene Trio in a-Moll von Maurice Ravel fordert von den Ausführenden ein hohes Maß an Virtuosität. In beispielhafter Konzentration, reifem, dramatischem Ausdruck, bauten die drei Solisten aus dem dichten musikalischen Gewebe eine klar durchschaubare Architektur auf. Die schwebende Rhythmik in schwierigen Taktarten, von baskischem Liedgut inspiriert, bestimmte die beiden Ecksätze. Das typische metrische Wechselspiel mit gleichzeitig geraden gegen ungeraden Takten erklang mit natürlicher Selbstverständlichkeit. In der "Passacaille" mit ihrem strengen Aufbau entstand eine meditative, entrückte Grundstimmung. Viel verdienter Applaus, für eine tief verinnerlichte Interpretation dieses Meisterwerkes der Kammermusik.

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