Langenargen Die Rhythmusgruppe sitzt im Reisebus in der ersten Reihe

Bigband Langenargen fährt zum Orchesterwettbewerb nach Bruchsal und gibt unterwegs Konzerte

18 Leute in einen Bus zu bugsieren, um für einen 15-minütigen Auftritt nach Bruchsal zu fahren – das klingt ziemlich irre. Aber die vor 16 Jahren gegründete Bigband Langenargen will es wissen. Mit ihrem Leiter Michael T. Otto machen sich die ambitionierten Freizeitmusiker auf zum Deutschen Orchesterwettbewerb für Laienorchester. Nur alle vier Jahre findet er statt – und Michael Otto ist froh, dass die Rahmenbedingungen stimmen: „Vor vier Jahren haben wir zuletzt bei einem Wettbewerb gespielt. Wenn man dann morgens um 11.20 Uhr auftritt und in einem Saal von der Größe des Hugo-Eckener-Saals nur eine Oma mit zwei Fans und der Jury sitzt, ist das blöd.“ Diesmal hat die Bigband aber Glück gehabt: Abends um 19.15 Uhr tritt sie an, vorneweg lief dann schon so manches, und im Nacken stehen ihr vier weitere Bands, die es zum Bundeswettbewerb schaffen wollen. Mit drei Stücken sind die Langenargener im Rennen: Mit der Midtempo-Nummer „Basie straight ahead“ von Sammy Nestico, mit einem Arrangement der gediegenen Jazzballade „Black Orpheus“ und mit einer Eigenkomposition von Michael Otto – „Hugos Geist“. In letzterer sieht der Bigband-Leiter den Beleg, dass sich die Spieler in den letzten Jahren unheimlich entwickelt haben, sich nicht mehr nur auf den geliebten Groove verlassen: „Noch vor zwei Jahren hätte die Bigband ‚Hugos Geist' nicht gespielt, weil es darin auch freie Passagen gibt.“

Trotzdem: Am Groove soll es nicht fehlen, zumal es die Bigband beim Wettbewerb nicht belassen wird: Am Abend vor dem Wettbewerb – also an diesem Freitag – steht ein abendfüllendes Konzert in der Karolingerhalle in Prüm in der Eifel auf dem Plan. Und auf dem Heimweg zurück an den See wird es gar ein Konzert im Gartencenter Igel in Biberach geben: „Wir spielen dort am verkaufsoffenen Sonntag um 11 Uhr zwischen Blumen“, sagt Michael Otto. „Das wird auch interessant.“

Mit „interessant“ meint er wohl nicht zuletzt Nora Dehmke, die erst 17-jährige neue Sängerin der Band, denn sie geht mit auf die Reise. In Killer-Stücken wie „Son of a preacherman“ (Dusty Springfield), „Sir Duke“ (Stevie Wonder) und „Feeling good“ wird sie sich beweisen können. „Nora ist ein Glücksfall. Bei der ersten Probe war sie noch ein wenig schüchtern. Aber innerhalb von vier Proben ist sie explodiert. Das war unglaublich“, sagt der Bandeader. Nora ist die Tochter des auch in Friedrichshafen bekannten Jazzmusikers Norbert Dehmke aus Bregenz. In Feldkirch besucht sie das Musikgymnasium.

Michael T. Otto feilt hartnäckig an der Form der Bigband und vertraut dabei auf die Standardbesetzung: Fünf Saxophone, vier Trompeten, eine vierköpfige Rhythmusgruppe. Hier noch eine Trompete und dort noch ein Saxophon hinzuzunehmen, wie es im Amateurbereich oft gemacht werde, davon hält er nichts, denn das gehe auf Kosten der Disziplin: „Sonst denkt der Einzelne, wenn er bei den Proben fehlt, sei es nicht so schlimm – wie beim Musikverein, wo 20 Trompeten sitzen. Aber bei mir hat jeder sein Pult und ist verantwortlich.“

Besonders wichtig ist Michael Otto der Amateurstatus: Profis spielen bei ihm nicht mit. „Man kann eine Band natürlich pushen, wenn man an die exponierten Stellen Profimusiker setzt“, sagt er. „Aber man muss eben auch Abstriche bei den Proben machen.“ Denn wer dafür oft keine Zeit hat, sind nun mal die Profis, die abends mit der Musik ihr Geld verdienen. „Es ist einfach eine ganz andere

Vibration

in der Band, wenn man nur mit gleichgesinnten Amateuren spielt“, sagt Otto aus Erfahrung.Diese Erfahrung lehrt ihn noch etwas anders: dass viele Bigbands den falschen Schwerpunkt setzen. „Viele Bigbands werden von Bläsern organisiert, wie ich ja auch einer bin“, sagt er – und er meint, dass sie das Zentrum des Ensembles dann auch in den Bläsern sehen. „Aber eine Bigband ist erstmal eine Band – das heißt: eine Rhythmusgruppe. Sie ist das Herz des Ganzen. Und wenn's am Herz nicht stimmt, wird's schwierig.“ Vielleicht darf die Rhythmusgruppe im Bus nach Bruchsal ja sogar vorne sitzen.

Informationen im Internet:

www.bigband-la.de

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