Langenargen Claire Huangci spielt Chopins Emotionsspektrum aus

Die Pianistin begeistert mit Klavierwerken im Schloss Montfort in Langenargen

Ein Wiedersehen mit Claire Huangci, ZF-Musikpreisträgerin von 2012, gab es beim zweiten Herbstkonzert im Langenargener Schloss. Mit einem reinen Chopin-Programm hatte sich die aufstrebende Pianistin keine leichte Aufgabe gestellt. Ihre Auseinandersetzung mit dem Klavierwerk des polnischen Komponisten wurde bereits 2009 beim Internationalen Chopin-Wettbewerb in Darmstadt mit dem 1. Preis gewürdigt. In der Gesamtaufnahme aller 21 Nocturnes auf ihrer neuen CD vom April 2017 präsentiert sich Huangci als eigenständige, aussagekräftige Chopin-Interpretin.

Die Introduktion in die "Variationen brillantes" op. 12 gelang nach kraftvollen Akkorden mit leichtem, graziösem Spiel. Im einfachen Klaviersatz, elegant und ausgewogen, stellte die Pianistin das stattliche Herold-Opernthema vor. Einen Vorgeschmack ihrer technischen Versiertheit erlebte man in der energischen ersten Variation. Mit sauber ausgespielten, lyrischen Linien, filigranen Verzierungen bekam die Lento-Variante traumhafte Grundstimmung. Harte Akzente und wirbelnde Läufe gaben dem Finalsatz den geforderten tänzerischen Charakter.

Die zwei Nocturnes op. 27 zählen zu den besten Kompositionen Chopins. Die intensive Beschäftigung mit den schwärmerischen Nachtgesängen für die CD-Einspielung war in der ausrucksstarken Wiedergabe durch Huangci deutlich zu spüren. Tief versunken in das dunkle, düstere Cis-Moll, dem tiefen Schmerz nachspürend, der Beginn des ersten Nocturnes. Eine lang entwickelte Steigerung gipfelte mit einem Ausbruch der höchsten Leidenschaft. Der Schluss in reinem Dur, sehr behutsam vorgetragen, ließ die Zuhörer mit einem trostlosen Thema allein. Fließende Begleitung für die agogisch gestaltete Melodie in reinem Des-Dur das zweite Nocturne: Mondscheinnacht mit zarten Liebesgesängen.

In der Polonaise-Fantasie As-Dur bewunderte man die erstaunliche Reife der nun 27-jährigen Pianistin in einem der außergewöhnlichsten Werke Chopins. In großer Architektur wurden die unterschiedlichen melodischen Figuren in einem dichten Beziehungsgeflecht miteinander verwoben. Markanter Polonaisen-Rhythmus, schwebende Harfenakkorde, emotionaler Gesang mündeten in eine mitreißende Stretta. Zauberhaft verflog der letzte Akkord im festlich geschmückten Saal.

Die Préludes op. 28 gehören zu den herausragenden Werken der romantischen Klavierliteratur. In den 24 Stücken – manche dauern nur wenige Sekunden – verändert Chopin blitzartig die Stimmung. Scheinbar mühelos wechselte Huangci die Emotionen, den Ausdruck, die Klangfarben mit reichhaltigem Anschlagsrepertoire. In einer Sogwirkung erlebte das Publikum einen berauschenden Blick in Chopins Innenleben: ungebändigte Kraft, zarte Zerbrechlichkeit, glühende Ektase, trauernder Weltschmerz. In dem Parforce-Ritt durch alle Dur- und Molltonarten, faszinierten zusätzlich die fein herausgearbeiteten Zwischentöne. Nach dem letzten brausenden D-Moll-Sturm mit gewaltigem Oktavendonner wollte der Beifall des Publikums nicht enden.

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