Langenargen Cello-Sonaten von Brahms begeistern

Perfekt aufeinander eingespielt präsentierten Cellist Alexey Stadler und Pianistin Annika Treutler bei den Langenargener Schlosskonzerten ein abwechslungsreiches, romantisch geprägtes Kammermusikprogramm.

Nachdem der Cellist Alexey Stadler Anfang Juli für den damals erkrankten Maximilian Hornung bei den Langenargener Schlosskonzerten eingesprungen war, musste nun bei seinem "regulären" Konzert am vergangenen Freitag Annika Treutler den Klavierpart für den auf Taipeh festsitzenden Lukás Vondracek übernehmen. Auch diese junge deutsche Pianistin war kein bloßer Ersatz. Perfekt aufeinander eingespielt, präsentierten die beiden 26-jährigen Solisten ein abwechslungsreiches, romantisch geprägtes Kammermusikprogramm.

Die "Drei Fantasiestücke op. 73" von Robert Schumann, ursprünglich für Klarinette und Klavier geschrieben, überzeugten auch in der Fassung für Violoncello als Soloinstrument. In weiten Cello-Kantilenen, behutsam angesetzt und erweitert, aber auch mit kernigem Bogenstrich entstanden die Fantasiebilder mit melancholischer Grundstimmung oder fröhlicher Heiterkeit. Immer in dezent fließender Bewegung vom Klavier gestützt. Im zerklüfteten letzten Bild "Rasch und mit Feuer" wechselten die vielen Läufe, bei nun größerer Dynamik, perfekt zwischen hartem Staccato und weichem Legato. Eine kleine Coda mit gekonnter Temposteigerung führte zum Abschluss der poetischen Erzählungen.

Obwohl Johannes Brahms in seinen Kammermusik- und Orchesterwerken das Cello immer mit ausdrucksvollen Kantilenen bedachte, gibt es nur zwei Sonaten mit Klavierbegleitung für dieses Instrument. Beide in einem Konzert nacheinander zu hören, ermöglichte interessante Vergleiche: Moll und Dur, Jugend- und Spätwerk, Rückgriff auf barocke und klassische Vorbilder und Lösung von allen Vorlagen oder wie Brahms es selbst im Gegensatzpaar "Licht und Schatten" ausdrückte. Immer wieder gelang es den Solisten, die "unendlichen" Melodien der e-Moll Sonate ansatzlos zu höchster Emphase zu steigern oder das Themenspiel des Partners mit starken Gesten zu kommentieren. Mit viel Schwung entstand im Menuett-Mittelsatz die Klangwelt der Klaviertänze von Franz Schubert. Das von Johann Sebastian Bach abgeleitete Fugenfinale lebte von kraftvollem Triolenrhythmus, großer Transparenz zwischen Thema und beiden Kontrapunkten, wechselnden, dramatischen Einschüben mit vollgriffigem Klaviersatz oder rasanten parallelen Lauf-Passagen. Zusammen mit den zarten Übergängen, ruhigeren Abschnitten führte die dichte thematische Arbeit zu einer hell leuchtenden Klanglandschaft.

Gekonnt gelang den beiden Duo-Partnern der Einstieg in die ganz andere Welt der F-Dur Sonate: unruhig ausgedehnte Klangflächen mit einer Folge von Motiven statt Themen, reich harmonisierte Akkord-Tremoli. Emotionaler Höhepunkt des Abends war das Adagio affettuoso. Mit innerer Ruhe, aber spannungsreicher Intensität, jede agogische Feinheit auskostend, fühlte man sich in einem zeitlosen Schwebezustand. Nach der perfekten Rhythmik im Scherzo und fein gesponnener Cello-Melodie bekam der letzte Satz mit heiteren Umspielungen einen freundlichen Charakter. Rauschender Applaus!

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