Langenargen Ausstellung als Zeitreise in die Geschichte des Handels

Zum 50-jährigen Bestehen des Handels- und Gewerbevereins Langenargen gibt es eine Ausstellung, die die Geschichte des Handels vor Ort zeigt – und die weiter zurückblickt als 50 Jahre. Die Schau ist noch bis 24. November im Rathaus zu sehen.

Für Handels- und Gewerbetreibende hatten die Kanalisationsarbeiten nach dem Krieg dramatische Auswirkungen. Sie dauerten endlos und die Kunden blieben aus. Deshalb wurde in Langenargen ein Verein gegründet, der der Verwaltung Beine machen sollte. Bei der Gründungsversammlung am 13. April 1967 haben sich im "Löwen"-Saal 80 Mitglieder ins Vereinsregister des Handels- und Gewerbevereins (HGV) eingetragen.

Der „Kanalisationsverein“, wie das Volk den HGV einst despektierlich nannte, hat sein 50-jähriges Bestehen in diesem Jahr bereits mit einem Festakt im Schloss gefeiert und fürs Altersheim einen Gartenpavillon gespendet. Heute stehen Bürgermeister Achim Krafft und der HGV-Vorsitzende Karl-Heinz Scheriau Seite an Seite, nicht nur wenn es etwas zu feiern gibt. Das haben beide betont, als am Freitagabend im Rathaus die Ausstellung „Handel im Wandel“ zu Ehren des HGV-Vereinsjubiläums eröffnet wurde.

Gemeindearchivar Andreas Fuchs hat für das Rathausfoyer eine Ausstellung konzipiert, die sich nicht auf 50 Jahre Handels- und Gewerbeverein beschränkt, sondern die gesamte Handelsgeschichte Langenargens in Bildern und Dokumenten erzählt. Beginnend mit der Verleihung des Stadt- und Marktrechts bis zu den heutigen Gewerbestrukturen, ist die Entwicklung lückenlos dokumentiert. Auch die Sonderverwaltung im Dritten Reich wird nicht unter den Teppich gekehrt. Im letzten Teil der Ausstellung sind die Veränderungen der vergangenen 50 Jahre übersichtlich dargestellt.

„1967 hatte Langenargen 4722 Einwohner und ein Doppelhaus kostete mit Grundstück 98 000 Mark“, sagte Bürgermeister Achim Krafft. Größter Arbeitgeber war mit über 100 Mitarbeitern die Parkettfabrik am Bahnhof, heute ist es an derselben Stelle die 1950 gegründete Pharma-Fertigung Vetter mit mehr als 600 Mitarbeitern. Landwirte, Fischer und Schuster sind fast verschwunden, trotzdem ist Langenargen, laut Krafft, heute mit einem neuen Branchenmix gut aufgestellt.

„Wir haben 86 Mitglieder und es werden immer mehr“, so auch HGV-Vorsitzender Karl-Heinz Scheriau. Gastredner Jürgen Keck, FDP-Landtagsabgeordneter aus Radolfzell, weiß aus seiner Arbeit im Petitionsausschuss, dass durch geschlossenes Auftreten so manches Anliegen durchgesetzt werden kann. Während die Geschäfte im Internet bei den Firmen florieren, die ihre Steuern anderswo bezahlen, wird der Handel vor Ort zurückgedrängt. Damit sinken zwangsweise die Steuereinnahmen der Kommunen. Deshalb, so Keck, müsse das Ziel sein, im Ort soviel Handel wie möglich zu treiben. Die Kommunen brauchen das Geld unter anderem für den sozialen Wohnungsbau, Straßenbau und Bildungseinrichtungen. Davon abgesehen, sagt der Landtagsabgeordnete, verschwinde mit dem Einzelhandel zunehmend auch ein Mikrokosmos sozialen Miteinanders. Dennoch sieht er in der Förderung von Verkehrsanbindungen und dem Ausbau digitaler Netzwerke unverzichtbare Voraussetzungen, unter denen Wirtschaftsstandorte wachsen können. „Einer Gemeinde und ihren Bewohnern geht es immer nur so gut, wie es der Wirtschaft vor Ort geht“, betonte Jürgen Keck unter dem Beifall der rund 50 Besucher der Vernissage.

Die Ausstellung

Die Ausstellung „Handel im Wandel“ ist im Foyer des Rathauses Langenargen zu sehen. Sie zeigt auf 16 Schautafeln in Bildern und Dokumenten die wichtigsten Entwicklungsphasen der Langenargener Gewerbestrukturen und ihre historischen Ursprünge. Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 24. November während der Öffnungszeiten des Bürgerservice.

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