Kressbronn Chor KressCendo erhält Ovationen für Mozarts "Requiem"

Unter der Leitung von Stefan Marinov erlebte das Publikum in der ausverkauften katholischen Kirche in Kressbronn eine Aufführung mit einem vielgesichtigen Chorklang, ausdrucksstarken Solisten und einem gut eingespielten Orchester.

Nach dem großartigen Erfolg der "Schöpfung" von Joseph Haydn vor zwei Jahren mit drei ausverkauften Aufführungen präsentiert der Chor "KressCendo" dieses Jahr das "Requiem" von Wolfgang Amadeus Mozart. Obwohl der Chor hierbei noch mehr gefordert war, gab es am Sonntag nach dem letzten Akkord wieder lang anhaltenden, im Stehen gespendeter Applaus in der ausverkauften katholischen Kirche in Kressbronn.

Im eröffnenden "Requiem aeternam" gelang in ruhigem Tempo, getragen von dunkel gefärbtem Orchesterklang mit Klarinetten und Fagotten und schönem Legato-Klang im Chor die milde Totenklage. In der gewaltigen Doppelfuge im "Kyrie" steigerte Dirigent Stefan Marinov seine engagierten Sängerinnen und Sänger, sie aber nie überfordernd. Die Bitte um göttliche Vergebung gelang in lockeren Koloraturen und hervortretenden Themeneinsätzen, trefflich getragen von einem gut aufeinander eingespielten Orchester mit Musikern aus der Region. Dickes Lob an die Soprane, die in den Höhenflügen bis zum zweigestrichenen b immer noch auf Tonkultur bedacht waren!

In expressivem Sturm, vollem Orchesterklang mit kompaktem Chorgesang, brach das Jüngste Gericht im "Dies irae" hervor: Gehetzte Melodielinien, kantige Akzente in Pauken und Trompeten und schaurige Einwürfe der Bässe mit der Angst der Kreatur. Nach dem sonoren Ruf der Posaune entwickelten die Gesangssolisten im "Tuba Mirum" in ausdruckstarkem Quartettklang den Gang des Einzelnen vor den Richterstuhl: Verstörend, mit scharfen Punktierungen im Orchester, lautem "Rex tremendae" im Chor die ängstlichen Gnadenrufe der sündigen Menschheit.

Todesfurcht und selige Ruhe

Hoffnungslos und hoffnungsvoll zugleich? Mozart will uns alle Emotionen, die uns im Angesicht des Todes ereilen, näherbringen. Den Schrecken des Todes überwinden die vier Solisten im "Recordare" ("Gedenke, Jesus in Milde"). In seliger Ruhe, von Streichern und Holzbläsern zart fließend begleitet, verschmolzen Veronika Vetter (Sopran), Waltraud Flatscher (Alt), Martin Mairinger (Tenor) und Philipp Franke (Bass) zu einfühlsamer, religiöser Lyrik. Die düstere Stimmung gewinnt im "Confutatis" wieder die Oberhand. Den lauten Verzweiflungen der präsenten Männerstimmen, unterstützt von ruhelosen Orchester-Ostinati, stellte Marinov den entrückten "Engelschor" der Frauenstimmen in zartem Piano gegenüber. Sehr organisch steigerten sich Chor und Orchester zum mächtigen Forte in der erschütternden Klage im "Lacrimosa". Bei der Gabenbereitung setzt Mozart im "Hostias" den "göttlichen" Dreiertakt gegen einen irdischen Chor. In langen Phrasierungsbögen, gemeinsamem Atmen und deutlicher Artikulation mit schönen Piano-Forte Wechseln überzeugte der Chor in dem vierstimmigen Satz. Gefühlvoll, sehr leise und in dichter Homophonie die letzten, von Mozart vertonten Worte: "Herr, lass sie vom Tode hinübergehen zum Leben".

Die weiteren Teile, die vom Mozartschüler Süßmayr ergänzt wurden, gab Marinov mit seinem unaufdringlichen, aber stets höchst präsenten Dirigat, heiteren Dur-Charakter im "Sanctus" oder lyrische Empfindung im "Benedictus". Da Mozart selbst keinen tröstenden Schluss setzen konnte, führte die Wiederholung des Anfangschores mit der großen Fuge wieder zurück. Die Antwort fehlt. Der Tod ist größer als die Musik.

Dem Requiem vorangestellt war die in der gleichen Zeit entstandene Motette "Ave verum corpus", dargeboten in einem stimmigen A-cappella-Klang. Bei der bekannten Arie "Laudate Dominum" verzauberte Veronica Vetter mit klarer, immer mehr an Gestaltungskraft zunehmender Stimme. Ihr Vater Karlheinz Vetter dirigierte dabei den Chor, Stefan Marinov begleitete am Klavier.

Weitere Aufführungen sind am Samstag, 28. Oktober, um 19 Uhr und am Sonntag, 29. Oktober, um 17.30 Uhr jeweils in der katholischen Kirche in Kressbronn.

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