Kressbronn Bodenseeufer wird renaturiert: Ab 4. Dezember rollen die Bagger

Nach mehr als 20 Jahren Planung soll es jetzt Schlag auf Schlag gehen: Am 4. Dezember rollen die Bagger, um Betonmauern, Stege, Rampen und Slipanlagen am Kressbronner Seeufer abzureißen. Schon im April nächsten Jahres soll der Bereich renaturiert und auf einem Uferweg begehbar sein.

Eine erstaunliche Geschwindigkeit angesichts der Vorgeschichte des Projekts und des Zündstoffs, der verpulvert wurde. Es gab juristische Auseinandersetzungen bis hin zum Bundesverwaltungsgericht. Und am Ende eine Bürgerbeteiligung, die laut Kritikern ihren Namen nicht verdiente. Zum einen, weil sie erst nach dem Planfeststellungsbeschluss begann und die Teilnehmer somit den Kurs nicht ändern konnten. Zum anderen, weil die Behörden nebenbei auch eine Bürgerinitiative zu "informellen Gesprächen" einluden, die von der behördlich gelenkten Bürgerbeteiligung nichts hielt und sich nicht zum zahnlosen Tiger machen lassen wollte. Nicht alle Wogen konnten geglättet werden. Zu viele Interessen sollten da unter einen Hut kommen – das kann in Kressbronn so wenig gelingen wie in Berlin.

Doch nun hat das Verwaltungsgericht Sigmaringen die letzte Klage abgewiesen, die Projektplanung steht, längst hatte auch der Gemeinderat den nötigen Einblick – und doch wälzten die Räte das Thema wie einen Kaugummi von einem Mundwinkel in den andern. In ihrer Sitzung am Mittwoch erläuterte Murat Aydin vom Regierungspräsidium Tübingen zunächst den straffen Zeitplan von Dezember bis März. Ein Grund für die Eile: Der Uferbereich beherbergt eine geschützte Fischart, die Groppe. Sie muss abgefischt und soll zu ihrer Laichzeit zwischen März und Mai wieder ausgesetzt werden. Damit dürfen die Bauarbeiten nicht kollidieren.

Hier rückt bald der Bagger an.
Hier rückt bald der Bagger an. | Bild: Barbara Fülle

Nach dem Abbruch sämtlicher Mauern, Terrassen und zweier ehemaliger Hafenanlagen soll zwischen Bodanwerft und Landesteg auf etwa 415 Metern Länge ein Böschungsfuß eingerichtet werden. Im östlichen Teil bis zur bayerischen Grenze bleibt alles wie bisher, allerdings soll ein Kieskeil modelliert werden als Ersatz für die abzubrechende Ufermauer. Ob der Kies per Schiff angeliefert werden kann, wie Teilnehmer der Bürgerbeteiligung gefordert hatten, ist noch unklar. Die Verkehrslast im Ort sollte auf diese Weise gemindert werden. Das Regierungspräsidium hatte daraufhin Rheinkies aus Österreich überprüfen lassen. Da er jedoch "einen Touch dunkler" sei als etwa Tettnanger Moränekies, so Aydin, könne er das Ufer stärker aufwärmen. Dagegen habe sich die Umweltbehörde ausgesprochen. BWV-Rat Stefan Fehringer schlug vor, man könne doch für den unteren Teil der Aufschüttung Rheinkies verwenden, und nur für den oberen, sichtbaren Teil Tettnanger Kies. "Das ist eine hervorragende Idee, da ist noch niemand drauf bekommen", begeisterte sich Aydin und versprach, sie mit allen Akteuren zu besprechen.

Auch die Slipanlagen müssen weichen.
Auch die Slipanlagen müssen weichen. | Bild: Barbara Fülle

Ansonsten kamen aber auch Irrtümer zur Sprache. Zum Beispiel, dass für die Maßnahme 57 Bäume gefällt werden müssten. Das Landschaftsarchitekturbüro Senner hat allerdings nur vier rot eingekreist – und möglicherweise werde auch hier nicht an allen die Axt angesetzt. Silvia Queri (Grüne) beklagte den Nutzen des neuen Uferwegs, der auf einer Länge von etwa 750 Metern zwischen Bodanwerft und Seegarten angelegt werden soll und der "den ohnehin geringen ökologischen Wert der Maßnahme" herabsetze.

Britta Wagner (SPD) fragte nach den Instandhaltungskosten, wenn es dem Weg so ergehe "wie dem Uferweg vor der MTU in Friedrichshafen", der bei Hochwasser überflutet wird und danach wieder hergerichtet werden muss. Karl Bentele (CDU) beruhigte immerhin die Aussicht, dass die beliebte Freitreppe östlich des Landungsstegs erhalten bleibe.

Die Freitreppe soll bleiben – doch die Betonmauern am Kressbronner Seeufer werden im Dezember abgerissen.
Die Freitreppe soll bleiben – doch die Betonmauern am Kressbronner Seeufer werden im Dezember abgerissen. | Bild: Barbara Fülle

Doch dann flammte plötzlich eine Debatte über die grundsätzliche Nutzung des Seeparks auf, der offensichtlich die Wünsche in den Himmel sprießen lässt. Dabei sollen in ihm nur etwas mehr Blumen wachsen – zwischen den vertrauten Wegen. "Park bleibt Park", beendete Bürgermeister Daniel Enzensperger (CDU) energisch die aus den Fugen geratene Diskussion. "Stimmen Sie einfach der vorgestellten Planung zu." Dem folgten die Räte mit vier Gegenstimmen.

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