Immenstaad Wahlarena mit Bürgermeisterkandidat Johannes Henne stößt auf großes Interesse

200 Zuhörer kamen zur SÜDKURIER-Wahlarena in Immenstaad am Mittwochabend. Dort stellte sich Bürgermeisterkandidat Johannes Henne den Fragen von Vertretern wichtiger Interessengruppen. Moderiert wurde der Abend von SÜDKURIER-Lokalchefin Kerstin Mommsen.

Immenstaad – Eine Bürgermeisterwahl mit nur einem Kandidaten ist langweilig? Dieser Meinung sind viele Immenstaader offenbar nicht. Mehr als 200 sind zur SÜDKURIER-Wahlarena in die Linzgauhalle gekommen und haben mit Interesse verfolgt, was Bürgermeisterkandidat Johannes Henne auf die Fragen von Immenstaadern aus wichtigen Interessengruppen antwortete. Es ging um die Themen Kinder und Jugend, Vereine, Tourismus, Gewerbe und Handel, Landwirtschaft und B 31-neu. Und auch das Thema Zukunftsplan für Immenstaad kam zur Sprache.

Kapstadt, München, Berlin – das sind Stationen, an denen der 30-jährige Johannes Henne schon Erfahrung in der Kommunalpolitik gesammelt hat. Warum er vor diesem Hintergrund jetzt anstrebe, Bürgermeister von Immenstaad zu werden, fragte ihn SÜDKURIER-Lokalchefin Kerstin Mommsen, die den Abend moderierte.

Henne stammt aus Sigmaringendorf. Er habe nach einer Gemeinde mit viel bürgerschaftlichem Engagement, einer starken Vereinslandschaft und hoher Lebensqualität gesucht – und nach einer, in der es noch etwas zu tun gebe: "Ich sehe mich weniger als Verwalter und mehr als Gestalter", fasste Henne zusammen.

Dass er der einzige Kandidat sei, bremse seine Motivation nicht. Er hoffe, dass trotzdem viele Immenstaader wählen gehen, denn das stärke der Kommunalpolitik den Rücken. Henne ist seit Abgabe seiner Bewerbung sehr präsent in der Seegemeinde und hat bereits viele Gespräche mit Vertretern der Immenstaader Vereine und Institutionen und auch Bürgergespräche geführt. Natürlich hat er auch ausgiebig SÜDKURIER gelesen. Einen Überblick über Themen, bei denen vielen Immenstaadern der Schuh drückt, hat er sich dabei schon verschafft. Das wurde auch in der Fragerunde deutlich.

  • Kinder und Jugend: Yvonne Herrmann, Geschäftsführerin des Familientreffs, stellte dem Kandidaten Fragen zum Thema Kinder- und Jugendförderung. Sie wünsche sich einen "roten Faden", der durch eine engere Zusammenarbeit aller Beteiligten von der U3-Betreuung in Familientreff oder Kita bis in und durch die Grundschule ziehen könnte, um die Übergänge für die Kinder einfacher zu machen. Henne erklärte, er könne sich hierbei eine Steuerungsfunktion der Gemeinde vorstellen. Vielleicht könne man auch Vereine und Alt und Jung einbeziehen. Zu Herrmanns Frage, wie er zur Jugendarbeit für Kinder über zehn Jahren stehe – einem Gebiet auf dem es in Immenstaad Nachholbedarf gebe – betonte Henne, dass dieses Thema sehr weit oben in seiner Liste stehe.
  • Vereine: Knapp 40 Vereine gibt es in Immenstaad, der Vorsitzende des TuS Clemens Müller stellte die Fragen zu diesem Thema. Er wollte wissen, welchen Stellenwert Henne der Kinder- und Jugendarbeit der Vereine zumesse und wie er sich deren Förderung durch die Gemeinde vorstelle. Henne versprach, für dieses wichtige Thema immer ein offenes Ohr zu haben – auch was die Zuschussrichtlinien der Gemeinde betreffe. Wie schwierig die Raumsituation für die Vereine vor allem im Winter ist, sei ihm klar, antwortete Henne auf die nächste Frage Müllers. "Ich weiß, dass eine Sport- und Kulturhalle her muss – auch, weil die Förderung des Vereinslebens als Fundament der Gemeinde wichtig ist." Man müsse allerdings sehen, dass die Kapazitäten der Gemeinde nicht überfordert werden dürften. "Die Halle wird uns in den kommenden Jahren beschäftigen."
  • Tourismus: Die Vorsitzende der Tourismusgemeinschaft, Margot Rauber, vertrat in der Fragerunde die vielen Immenstaader, die ganz oder teilweise vom Tourismus leben. Sie interessierte sich für Hennes Ideen dazu, mit welchen Einrichtungen man Immenstaad auch für Jugendliche und junge Erwachsene attraktiver machen könne. Hier komme es vor allem auf die Initiative der Gastgeber an, sagte Henne. Aufgabe der Gemeinde könne sein, zu vermitteln und das Standortmarketing weiter voranzutreiben – auch in den digitalen Medien. Auch öffentliches WLAN sei wichtig, um die jüngere Generation anzusprechen.
  • Handel und Gewerbe: Der Vorsitzende des Handels- und Gewerbevereins (HGV), Bernd Hummernbrum, betonte einerseits das für eine Gemeinde dieser Größe sehr vielfältige Angebot von Geschäften, Handwerk und Gewerbe, das sehr wichtig für die Attraktivität des Ortes sei. Er wies aber auch auf den schwierigen Wettbewerb mit Online-Anbietern hin. Er wollte wissen, welche Möglichkeiten der Kandidat sehe, um die Belange des HGV besser bei der Gemeindeverwaltung einbringen zu können. Henne schlug eine regelmäßige Gesprächsrunde vor. Auch der Breitbandausbau sei wichtig für das Gewerbe und müsse weiter vorangetrieben werden. Eine weitere Idee: eine Art digitales Schaufenster, um bekannter zu machen, was alles im Ort angeboten wird: "Warum sollte ein Immenstaader etwas bei Amazon bestellen, das er auch im Ort bekommen kann?"
  • Landwirtschaft: Hubert Lehle, Landwirt und Vorsitzender des Obstbaurings, stand stellvertretend für die Landwirte auf der Bühne. Er wies auf den hohen Wert der seenahen landwirtschaftlichen Flächen hin. "Aber alles was Entwicklung heißt – Siedlungsentwicklung, Straßenbau, Ausgleichsflächen – verbraucht Flächen." Auch der Bau einer vierspurigen B 31-neu bedeute für viele Betriebe einen tiefen Einschnitt, für manche sogar das Aus. Er wisse, dass der Kampf um die Flächen groß sei, sagte Henne dazu, und auch, dass es nicht mehr viele Kapazitäten gebe. Langfristig werde man nicht umhinkommen, auch landwirtschaftliche Flächen vorzuhalten. Als eine Möglichkeit, nicht zu viele landwirtschaftliche Flächen zu verlieren, sehe er den Erwerb von Ökopunkten. "Es wird keine Lösung geben, die alle zufriedenstellt", fasste er zusammen, "es wird Kompromisse geben müssen."
  • B 31-neu: Mit der Trassenführung der B 31-neu beschäftigt sich auch die Bürgerinitiative B 31-neu intensiv. Heinulf Kielkopf von der Initiative wollte von Henne wissen, was seine Position zu den diskutierten Trassen ist. Insbesondere interessierte ihn Hennes Haltung zur von der Initiative favorisierten Variante 7.5 W2 plus, die nördlich der Sportanlagen und mit mehr Abstand zur Siedlung verlaufen soll. Für ihn sei der wichtigste Punkt, dass die Belastung für die Menschen im Ort so gering wie möglich gehalten werde, antwortete Henne. Die von der Initiative bevorzugte Trassenführung sehe auch er, obwohl er dazu noch keine endgültige Meinung gebildet habe, aktuell als die bestmögliche, um den Verkehr von der Bevölkerung wegzubekommen. Er sprach sich klar gegen einen Ausbau der bestehenden Ortsumfahrung aus.

Publikumsfrage: Leitlinie zur Ortsentwicklung

In der allgemeinen Fragerunde aus dem Publikum nahm Alfred Setzer die von Henne im Zusammenhang mit Tourismus und Jugendförderung erwähnte Idee einer Leitlinie zur Ortsentwicklung auf. "In den vergangenen fünf bis zehn Jahren hat die Gemeinde immer mehr ihren traditionellen Charakter verloren", leitete Setzer seine Frage ein. "Es wird viel alte Bausubstanz abgerissen und Neues entsteht, das nicht unbedingt den Charakter erhält".

Das empfinden offenbar viele Immenstaader so, denn für diese Aussage gab es viel zustimmenden Applaus. "Andere Gemeinden schaffen es, ihr Flair zu behalten. Wie stehen Sie dazu?" fragte Setzer den Kandidaten. Es sei sehr schwierig und aufwendig, einen Bebauungsplan für den Ortskern zu entwickeln, antwortete Henne. Jeder einzelne Grundstückseigentümer müsse dazu befragt und gehört werden. Er könne sich aber vorstellen eine Leitlinie zu entwickeln, zu der gehöre, wie sich das Ortsbild langfristig entwickeln solle, aber auch Konzepte zur Jugendarbeit oder zu den Grünflächen im Ort. "Wir tun gut daran, uns darüber Gedanken zu machen", sagte er weiter. Immenstaad dürfe modern werden, aber die Mischung von Alt und Neu müsse zusammenpassen. Eine Leitlinie könne dabei eine Orientierung bieten.

 

Sie standen auf dem Podium

  • Yvonne Herrmann ist Geschäftsführerin des Vereins Familientreff Große Kleine Leut. Sie vertrat mit ihren Fragen die Interessen der Kinder und Jugendlichen. Wichtigste Anliegen waren für sie dabei eine noch bessere Zusammenarbeit aller Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und bessere Angebote für Kinder und Jugendliche über zehn Jahren.
  • Hubert Lehle, Landwirt und Vorsitzender des Obstbaurings, sprach das Problem an, das der Verbrauch von wertvollen landwirtschaftlichen Flächen zur Siedlungsentwicklung und für den Straßenbau für die Landwirtschaft bedeutet. Der Bau der vierspurigen B 31-neu bedeute für die Landwirte tiefe Einschnitte, die teilweise an die Existenz gehen. Bei den Planungen zur Trassenführung müsse dies eine wichtige Rolle spielen.
  • Bernd Hummerbrum ist Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins. Ihm ging es darum, die überdurchschnittliche Vielfalt an Handel und Gewerbe in der Gemeinde auch in Zeiten wachsenden Online-Handels zu erhalten und zu fördern. Dazu müssten Gemeindeverwaltung und HGV noch mehr als bisher an einem Strang ziehen, forderte er. Auch bessere Infrastruktur und mehr Flächen wären dabei hilfreich.
  • Margot Rauber ist Vorsitzende der Tourismusgemeinschaft, in der Vermieter, Gastronomen und Einzelhändler organisiert sind. Sie wollte Hennes Ideen dazu hören, wie der Tourismus auch von Seiten der Gemeinde noch mehr unterstützt und auch für Jugendliche und junge Erwachsene attraktiver gestaltet werden könnte.
  • Clemens Müller, Vorsitzender des TuS, dem größten von vielen Immenstaader Vereinen, vertrat in der Wahlarena auch die Interessen anderer Vereine. Besonders im Winter sind die wenigen zur Verfügung stehenden Räume für viele Vereine ein großes Problem. Nicht nur die Sportler hoffen auf eine neue Sport- und Festhalle. Auch die Jugendförderung liegt Müller am Herzen.
  • Heinulf Kielkopf gehört zum Vorstand der noch jungen Bürgerinitiative B 31-neu. Die Initiative verfolgt das Ziel, für die neue Straße einen Trassenverlauf durchzusetzen, der für Immenstaad und seine Bewohner am wenigsten Beeinträchtigung bedeutet. Ihm war wichtig, zu erfahren, wie der Bürgermeisterkandidat sich in dieser Frage positioniert.

 

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