Immenstaad/Friedrichshafen Unwetter hinterlässt Schneise der Zerstörung in Immenstaad

Eine Unwetterfront mit Gewitter, Hagel und Sturmböen hat in der Nacht zum Mittwoch eine Schneise der Verwüstung in Immenstaad hinterlassen. Nach Feuerwehrangaben wurden rund 40 Bäume abgeknickt oder entwurzelt. Die Feuerwehr in Friedrichshafen berichtet dagegen von einer ruhigen Nacht.

Mit Motorsägen werden am Mittwochmorgen im Uferbereich umgestürzte Bäume zerkleinert, mit Rechen und Besen die gröbsten Spuren der Unwetternacht in Immenstaad beseitigt. Viele Einwohner und Gäste sind früh auf den Beinen. Eine Gewitterfront mit Hagel und Sturmböen hatte in der Nacht eine Schneise der Verwüstung in der Gemeinde hinterlassen. Rund 40 Bäume wurden nach Angaben der Feuerwehr abgeknickt oder entwurzelt. Wie Kommandant Claus Mecking schildert, wurden Straßen blockiert, Dächer und Autos beschädigt, zwei Keller geflutet. Ab etwa 3.30 Uhr waren 25 Feuerwehrleute bis zum Mittag im Einsatz. Um 7 Uhr begann das Aufräumen für die Bauhof-Mitarbeiter. Die gute Nachricht: Verletzt wurde niemand.
 

"Es war ein Wetterphänomen, das eine regelrechte Schneise im Immenstaader Westen von der B 31 in einer Breite vom Wasserwerk bis zum Freizeitgelände am Aquastaad, vom Norden in Richtung See geschlagen hat", berichtet Mecking. Eine schreckliche Szene spielte sich auf dem Campingplatz Schloss-Kirchberg ab. "Eine Familie aus den Niederlanden kroch schnell aus ihrem Zelt, als sie bemerkt hatte, dass sich etwas über das Zelt neigt", erzählt Platzwartin Ingrid Pfennig. Das "Etwas" war eine riesige Astgabel, "ein halber Baum", wie Pfennig sagt. Er begrub das mittlerweile leere Zelt und das nebenan stehende Auto unter sich. Laut Polizeisprecher Fritz Bezikofer entstand dabei ein Schaden von mehreren tausend Euro. Die Familie flüchtete, so wie viele andere Zeltgäste auch, in die Sanitärräume. "Panik gab es nicht, die Gäste nehmen das erstaunlich gelassen", sagt Platzwartin Pfennig. Die niederländische Familie sei nun auf der Suche nach einem neuen Zelt, weil sie wie geplant noch ein paar Tage am See bleiben will. Pfennig warnt ihre Zeltgäste vor den Gewittern, die in den kommenden Tagen noch anstehen. "Die Zelte sollten weg von den Bäumen gerückt werden", sagt sie, "Schatten hin oder her, die Sicherheit geht vor". Zwar werde der Baumbestand auf dem Platz routinemäßig zweimal im Jahr von einem Forstwirt geprüft, doch gegen diese Windstärken sei man machtlos.

Die Sperrung der Liegewiese des Aquastaads soll heute wieder zum größten Teil aufgehoben werden. "Förster Roth vom Kreisforstrevier hat zusammen mit einer Fachfirma, Mitarbeitern des Bauhofs und Karl Glatthaar mit einer seiner Drehleitern alle Bäume inspiziert und lose Äste entfernt. Zusätzlich zu den durch den Sturm umgerissenen Bäumen mussten zwei weitere gefällt werden", sagt Hauptamtsleiter Michael Haase. Das Freizeitgelände östlich des Bades konnte noch nicht wieder freigegeben werden. Auf der Minigolfanlage von Karin Hütter sind mehrere große Bäume entwurzelt worden. Sie liegen quer über den Bahnen, die Wurzeln ragen in die Höhe. Äste und Blätter sind überall verstreut. "Hier kann erst einmal keiner mehr spielen – und das mitten in der Saison", sagt die Betreiberin. Auch Matthias Herrmann, eigentlich Kämmerer der Gemeinde, ist vor Ort, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. Bereits Anfang Juli habe es ein schlimmes Unwetter gegeben, "dieses Mal war es aber richtig übel".

Im Zeltlager Seemoos in Friedrichshafen steht das Telefon am Mittwochmorgen nicht mehr still. 278 Kinder zwischen acht und 15 Jahren verbringen dort im Moment ihre Ferien, Handys sind im Lager verboten. Verständlich, dass viele Eltern nach dem Unwetter und der Nachricht über den toten Jungen aus einem Zeltlager in Rickenbach am Hochrhein besorgt sind, findet Maret Kienhöfer vom Zeltlagerbüro. Sie kann die Anrufer beruhigen: „Bei uns ist alles in Ordnung. Die meisten Kinder waren in Wanderlagern unterwegs und haben auswärts geschlafen. Sie kommen alle mittags wieder." Bevor die Betreuer des Lagers, das der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) organisiert, gruppenweise losgezogen sind, haben sie den Wetterradar gecheckt. Da war klar: Draußen schlafen ist zu gefährlich. Die Kinder verbrachten die Nacht laut Kienhöfer in festen Unterkünften. In der Zeltstadt direkt am Seeufer gab es keine Schäden. In den Lagern Benistobel und Schwende im Deggenhausertal sei die Nacht zwar unruhiger gewesen als in Friedrichshafen, doch auch hier sei nichts passiert, so Kienhöfer. Eine ruhige Nacht vermeldet auch die Häfler Feuerwehr. Lediglich einen Einsatz habe es gegeben und dabei ging es um einen kaputten Aufzug. Beim Kulturufer geht am Mittwochmorgen alles seinen normalen Weg. "Am Dienstagabend wurde es mal kurz ungemütlich", erzählt eine Händlerin, "aber wir sind alle gut gerüstet." Bodenanker, schwere Holzgerüste und Kübel und dichte Planen sichern die Zelte vor Sturm.

 

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