Immenstaad Marode Linzgauhalle: Reparaturen lösen Probleme nicht

Die Immenstaader Linzgauhalle ist in einem schlechten baulichen Zustand. Doch nicht funktionierende Lampen oder muffelnde Umkleinderäume sind nicht das eigentliche Problem: Die Hallle ist schlicht zu klein für den Vereinssport und alle anderen größeren Veranstaltungen in der Gemeinde. Vereine fordern zeitnahen Ersatz für die Linzgauhalle, doch dieser ist momentan nicht in Sicht. Der TuS-Vorstand hat große Sorgen um die Zukunft des Vereins.

Für die kommenden Jahre hat die Gemeinde Immenstaad mehrere kostspielige Großprojekte in Planung: Dem Neubau des Kindergartens Seegaddel sollen Umbau und Erweiterung des Grundschulgebäudes folgen, auch für den Bauhof ist ein Neubau vorgesehen. Der Bau einer Sporthalle findet sich auf der Prioritätenliste weiter hinten. Nach jetzigem Stand ist frühestens in zehn Jahren, realistisch eher in 15, damit zu rechnen. Der Vorstand des Turn- und Sportvereins (TuS) macht sich deshalb große Sorgen um die Zukunft des Vereins.

Um die Jahre bis zu einem Hallen-Neubau zu überbrücken, hat sich der Gemeinderat dafür ausgesprochen, die Linzgauhalle soweit in Ordnung zu bringen, dass sie mittelfristig nutzbar bleibt. Akute Mängel sollen kurzfristig beseitigt werden, größere Maßnahmen könnten in den Sommerferien in Angriff genommen werden. Dass die Linzgauhalle seit rund 45 Jahren Dienst tut, ist nicht zu übersehen: Manches war noch nie optimal – wie die fensterlose Umkleidekabine für die männlichen Hallennutzer. Anderes ist veraltet – wie ein großer Teil der technischen Ausrüstung. Lüftungsfenster zu öffnen oder zu schließen klappt nicht immer, manchmal dringt bei starkem Regen auch Wasser durchs Flachdach in die Geräteräume. Das alles und auch Abnutzungserscheinungen wie bröckelnde Fugen oder Kalkablagerungen in den Sanitärräumen oder die eine oder andere defekte Lampe sei zwar nicht schön, aber nicht das wirkliche Problem, ist sich der Vorstand des TuS einig. "Flickarbeiten sind notwendig und werden verlässlich erledigt, wenn wir etwas melden", sagt Geschäftsführerin Martha Laboureur.

Aus Sicht des TuS mache es aber wenig Sinn, darüber hinaus Geld in die Halle zu investieren, um sie wieder für zehn oder 15 Jahre in Schuss zu bringen: "Das ist der falsche Ansatz, denn davon wird die Halle nicht größer und auch die Veranstaltungen außerhalb des Sportes werden deshalb nicht weniger." Besonders im Winter sei die Hallenkapazität für Training und Wettkämpfe zu klein, erklärt er stellvertretende TuS-Vorsitzende Klaus Priesett. In der kalten Jahreszeit brauchen zusätzlich zu den Turngruppen, Tischtennis-Spielern und Volleyballern auch die Leichtathleten und die Fußball-Jugend die Halle zum Trainieren. Das funktioniert teilweise nur, indem mehrere Abteilungen die Halle zeitgleich nutzen.

Als einziger Saal in der Gemeinde mit ausreichender Kapazität für größere Veranstaltungen wird die Linzgauhalle nicht nur von Schule und Sportlern gebraucht: "Wir wollen niemandem etwas wegnehmen", betont der TuS-Vorsitzende Clemens Müller. Aber unbestritten ist, dass Konzerte, Fasnet, Weihnachtsmarkt und andere Veranstaltungen sich negativ auf den Trainingsbetrieb auswirken – zumal meistens schon freitags mit den Vorbereitungen dafür begonnen wird. "Von zehn geplanten Terminen fürs Freitagstraining mussten wir im Dezember, Januar und Februar neun wegen anderweitiger Hallenbelegung streichen", erklärt Martha Laboureur, die auch die Volleyball-Abteilung leitet. Für die Volleyball-Jugend und die Jugend der Leichtathletik- und Fußball-Abteilung bedeute das: "Schon am 24. November mussten wir die Kinder in den Weihnachtsurlaub verabschieden, am 2. Februar können wir zwar trainieren, aber nur einmalig. Erst am 16. Februar, nach der Fasnet, kann das nächste Training stattfinden." Das Mutter-Kind-Turnen und das Freitags-Training der Tischtennis-Spieler sei ebenfalls betroffen.

"Wir haben 460 aktive Jugendliche im Verein", erklärt Laboureur weiter. "Es ist wirklich schwierig, die Kinder bei der Stange zu halten, wenn wir keinen regelmäßigen Trainingsbetrieb gewährleisten können. Wir haben ja auch sportliche Ziele und Wettkämpfe, für die man regelmäßig trainieren muss." Das frustriere auch viele Übungsleiter, fügt Laboureur hinzu. Manche Kinder seien schon dazu übergegangen, bei anderen Vereinen mit zu trainieren, einige hätten ganz gewechselt. "Wenn wir nochmal zehn bis 15 Jahre auf eine Sporthalle warten müssen, schwimmen uns die Felle davon", fasst Clemens Müller zusammen, "ich fürchte, dass wir dann bald nur noch eine Fußball-Abteilung haben werden."

Wie könnte eine Lösung aussehen? "Es gab schon 2001 Pläne, eine Drei-Feld-Halle im Bereich des Außensportplatzes hinter der Schule zu bauen. 2005 gab es dafür auch eine Baugenehmigung", sagt Klaus Priesett. Eine solche Halle könne man schon bauen, bevor das Hauptschulgebäude abgerissen werde. Wenn man dann noch die Linzgauhalle für Veranstaltungen erhalte, kämen sich Sport und andere Nutzungen nicht mehr in die Quere, schlägt Martha Laboureur vor. "Wir wünschen uns einfach, dass der TuS in der Gemeinde mehr respektiert wird", fasst Clemens Müller zusammen. "Wir fragen uns schon, ob die Gemeinde unseren Sportverein noch haben will", fügt Klaus Priesett hinzu.

Lang gehegter Wunsch

Im September 1999 beantragte der TuS bei der Gemeinde eine neue Sporthalle. Einer Machbarkeitsstudie 2001 folgten Planungen für eine Halle am Standort des Schulsportplatzes. Im Mai 2004 wurde ein Bauantrag gestellt, im September 2005 eine Baugenehmigung erteilt.

Anderen Projekten wurde seither von der Gemeinde immer eine höhere Priorität eingeräumt als einer Sporthalle – darunter vielen Pflichtaufgaben im Bereich der Kleinkindbetreuung.

Im Vorfeld der Kommunalwahlen entwickelten die Freien Wähler eine Vision für eine komplette Überplanung des Schulareals. 2015 wurde ein städtebaulicher Wettbewerb dazu ausgeschrieben. Eckpunkte waren die Standortbestimmung für einen neuen Kindergarten, Umbau und Erweiterung der Grundschule, eine Sporthalle und eine Festhalle. Im Oktober 2015 bestimmte eine Jury den Sieger.

Derzeit steht auf der Prioritätenliste der Gemeinde ganz oben der Neubau des Kindergartens Seegaddel. Als nächste große Bauprojekte sollen Sanierung und Erweiterung des Grundschulgebäudes und der Neubau des Bauhofs folgen. Der Sieger des Wettbewerbs zum Schulareal plante eine Sporthalle an Stelle des Außensportplatzes der Schule. Ein gemeinsam genutztes Foyer am Platz des früheren Hauptschulgebäudes sollte Sporthalle und eine Festhalle am Standort der Linzgauhalle verbinden. Ob und wann dieser Teil des Plans umgesetzt wird, ist offen.

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