Immenstaad Johannes Henne freut sich auf Immenstaad

Johannes Henne wird am Montag offiziell in sein Amt als Immenstaader Bürgermeister eingeführt. Im Interview spricht er über neue Projekte, die Wohnungssuche am Bodensee und Wünsche der Bürger.

Ihre offizielle Amtseinführung erfolgt am kommenden Montag. Sie haben aber bereits mit der Arbeit im Rathaus begonnen. Sie wollten nicht mehr länger warten?

Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein neu gewählter Bürgermeister sein Amt schon antritt, bevor er öffentlich ins Amt eingeführt wird. Aber natürlich konnte ich es auch kaum erwarten. Die Wahl ist ja schon zweieinhalb Monate her. Man steht dann einfach in den Startlöchern und will loslegen. Ebenso habe ich mich für den Amtseintritt in dieser Woche entschieden, damit ich hier im Rathaus ankommen kann und auch bei den letzten Vorbereitungen und Planungen zur Amtseinführung mithelfen kann.

Am Montag um 18 Uhr beginnt ihre offizielle und feierliche Amtseinführung in der Linzgauhalle. Freuen Sie sich schon drauf?

Auf jeden Fall. Ich freue mich, dass neben dem Landrat und den Bürgermeisterkollegen, Vereins- und Kirchenvertretern, mein früherer Rektor an der Hochschule Kehl sowie viele Freunde und Bekannte da sein werden. Und ganz besonders freue ich mich natürlich, wenn viele Immenstaader Bürgerinnen und Bürger kommen, die diesen wichtigen Tag mit dem neuen Bürgermeister feiern. Auch die Musikkapelle wird spielen – darauf freue ich mich als alter Musiker ganz besonders. Insgesamt liegen mir die Vereine ja sehr am Herzen und ich möchte auch an der Amtseinsetzung meine Wertschätzung für deren Arbeit zum Ausdruck bringen.

Sie haben im vergangenen Jahr ein großes Programm absolviert. Sind Sie über den Jahreswechsel eigentlich auch ein bisschen zum Durchatmen gekommen?

In der Zeit zwischen meiner Wahl und dem Amtsantritt diese Woche gab es für mich natürlich einiges zu erledigen: Ich wollte den alten Job und meine Projekte bei meinem alten Arbeitgeber gut zu Ende bringen. Bis kurz vor Weihnachten war ich dort noch aktiv. Parallel habe ich angefangen, mich in Immenstaader Themen einzuarbeiten, war zu Gemeinderatsitzungen und einzelnen Veranstaltungen und Terminen vor Ort. Es war schon anstrengend, aber meine Partnerin und ich haben uns dann tatsächlich während des Jahreswechsels noch eine Woche Urlaub gegönnt. Auch für meine Partnerin war 2017 ein sehr arbeitsintensives Jahr, da sie im Frühjahr ihr Lehramts-Referendariat abgeschlossen hat. Quasi nahtlos folgt dann im Juni/Juli mein Wahlkampfstart in Immenstaad. Dabei hat sie mich ganz hervorragend unterstützt, wofür ich ihr unheimlich dankbar bin. Ich bin wirklich sehr glücklich, eine Partnerin zu haben, die meine Position auch privat mitträgt.

Sie wohnten bisher mit Ihrer Partnerin Emma Heinz in Biberach. Hatten Sie schon Glück bei der Wohnungssuche in Immenstaad?

Leider nein. Wir haben unsere Hauptwohnung noch in Biberach. Meine Partnerin ist ja Lehrerin dort und wird dieses Schuljahr auf jeden Fall noch dort fertigmachen. Wir sind guter Dinge, dass sich zum kommenden Schuljahr im Umkreis von Immenstaad etwas für sie ergibt. Ich habe mir allerdings noch eine kleine Ferienwohnung hier angemietet, was mich natürlich bei meiner Arbeit sehr entlastet. Aber auf Dauer ist das natürlich nichts, schließlich möchte ich auch, dass meine Partnerin hier ist. Wir beide fühlen uns hier sehr wohl und wollen familiär sesshaft werden. Deshalb hoffen wir, dass sich in den nächsten Monaten irgendetwas tut.

Sie haben ihre Mitarbeiter im Rathaus ja schon etwas kennengelernt. Wie wurden Sie empfangen?

Hier im Rathaus wurde mir ein sehr herzlicher Empfang bereitet. Es stand ein Geschenkkorb auf meinem Schreibtisch, den meine Mitarbeiter organisiert hatten. Ebenso gab es auch ein kleines Überraschungsfrühstück, für das die Mitarbeiter verschiedene Leckereien mitgebracht hatten. Von meiner Seite aus gab's für jeden Rathausmitarbeiter eine Kleinigkeit zu meinem Einstand, quasi ein bisschen Nervennahrung und nützliche Hilfsmittel für den Arbeitsalltag. Die anderen der insgesamt rund 160 Mitarbeiter – in den Kindergärten, im Aquastaad, im Bauhof und so weiter – werde ich dann in den nächsten Tagen und Wochen besuchen, um Hallo zu sagen.

Während des Wahlkampfs und danach haben sie mit vielen Immenstaadern gesprochen und es wurden viele Wünsche an Sie heran getragen. Mehrere teure Großprojekte, die ihr Vorgänger Jürgen Beisswenger und der Gemeinderat auf den Weg gebracht haben, werden die Gemeindekasse in den kommenden Jahren sehr strapazieren. Wie viele Spielräume bleiben Ihnen noch, um eigene Akzente zu setzen?

Auch wenn der Gemeinderat schon viele Grundsatzentscheidungen getroffen hat, bleibt mir noch genügend Spielraum, um Akzente zu setzen. Schließlich müssen die einzelnen Projekte noch feingeplant und dann erfolgreich realisiert werden. Wenn ich das Feld von hinten aufrolle wird deutlich, dass wir in den kommenden Jahren unsere Kapazitäten und Ressourcen mit Bedacht einsetzen müssen, um auch einen möglichen Neubau der Linzgauhalle und weitere wichtige Zukunftsprojekte stemmen zu können. Deshalb sehe ich meine Hauptaufgabe jetzt insbesondere auch darin, kritisch über bisherige Planungen drüber zu schauen, zu Sparsamkeit aufzufordern und beim ein oder anderen Punkt zu sagen: Da müssen wir nochmal eindampfen. Wir müssen auch drauf achten, uns nicht zu verzetteln, indem wir viele kleine und sicher auch charmante Dinge auf den Weg bringen, die sich zu größeren Summen addieren. Wir müssen schauen, dass wir da hinkommen, wo wir hinwollen.

Wir fangen mit dem Kindergarten an und machen bei der Grundschule weiter – auch, weil das Pflichtaufgaben sind, die eine Gemeinde einfach erfüllen muss. Dazu kommen dann kleinere Projekte, die obligatorisch für eine Gemeinde sind und die oft viele Bürgerinnen und Bürger vergessen, wie zum Beispiel der Hochwasserschutz oder die Instandsetzung von Kanälen. Das alles gehört zur notwendigen Infrastruktur einer funktionierenden Gemeinde, um die sich dann im Übrigen auch wieder der Bauhof kümmert, auch das will anerkannt sein.

Man sieht also, es gibt einiges zu tun! Deshalb lautet mein Appell an die Bevölkerung: Ruhe bewahren und die Gemeinde bei der Erledigung des immensen Arbeitspensums in den nächsten Jahren konstruktiv begleiten. In jedem Fall müssen wir sehen, dass wir uns nicht überfordern. Alles, was der Gemeinderat bisher auf den Weg gebracht hat ist wichtig und ist richtig. Diese Themen müssen wir solide umsetzen, bevor wir an die Themen gehen können, die im freiwilligen Bereich liegen.

Immenstaad hat nicht mehr viel Platz für neue Bebauung. Aber nicht jedem gefällt, wie sich das Ortsbild verändert, speziell in alten Ortskern. Hier gibt es keinen Bebauungsplan. Wollen Sie das ändern?

Ein Bebauungsplanverfahren in einem bereits bebauten Gebiet ist sehr langwierig und rechtlich ein sehr komplexes Thema. Wir können es probieren, aber ich glaube, bis wir da Fakten schaffen können, ist der Zug abgefahren. Eine andere Möglichkeit wäre ein städtebauliches Konzept – eine Leitlinie für das künftige Ortsbild. Wir müssen noch prüfen, welche rechtssicheren Möglichkeiten wir da haben. Vielleicht können wir dazu auch mit dem Gemeinderat in Klausur gehen.

Anderes Thema: Die Fasnet hat begonnen. Was für Sie auch bedeutet, dass Sie – kaum im Amt – gleich wieder für eine Weile entmachtet werden. Rechnen Sie damit, dass die Hennenschlitter Ihren Namen zum Anlass nehmen, etwas Spezielles vorzubereiten?

Ich bin von klein auf Fasnachter. In der Heimat meiner Familie ist ja die schwäbisch-alemannische Fasnet beheimatet und ich war immer bei den Fasnetsgruppen meiner Heimatgemeinde aktiv dabei. Ich weiß, dass man in der fünften Jahreszeit nicht alles auf die Waagschale legt. Als ich gehört habe, dass die Narrengesellschaft hier Hennenschlitter heißt, habe ich schon vermutet, dass hier gegebenenfalls etwas auf mich zukommt. Ich sehe das ganz entspannt und freu mich auf die fünfte Jahreszeit hier in Immenstaad.

Fragen: Gisela Keller
 

Zur Person

Johannes Henne wurde 1987 in Sigmaringen geboren und ist in Sigmaringendorf in einer Bürgermeisterfamilie aufgewachsen. Dem Bachelor-Studium an der Hochschule für Verwaltung in Kehl folgte ein Masterstudium an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Von 2010 bis 2014 erweiterte Henne seine Ausbildung in der Praxis in den Stadtverwaltungen von Pfullendorf, Albstadt und Baden-Baden und bei verschiedenen Beratungsunternehmen. Daneben war er Lehrbeauftragter an der Hochschule für Verwaltung in Kehl. Seit 2015 arbeitete er für City & Bits in Ulm als Kommunalberater und Projektleiter. Am 15. Oktober 2017 erzielte Johannes Henne als einziger Kandidat bei der Bürgermeisterwahl in Immenstaad eine Wahlbeteiligung von 40,3 Prozent und fast 95 Prozent der abgegebenen Stimmen. (gik)

 

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