Immenstaad Immenstaader Weihnachtstheater in der Schönheitsklinik

Alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit kommen Mundartschwänke auf Dorfbühnen, mit kratzbürstigen Dialogen, Schenkelklopfern und unausweichlichem Happy End. Warum Laientheater die Hallen füllen, zeigt ein Probenbesuch bei der Theatergruppe des Männergesangvereins Immenstaad.

Die Damen lassen kein gutes Haar aneinander. "Du bist doch ein ästhetischer Totalschaden", versichert Trudi ihrer Kollegin Emmi, als die bekennt, sich beim Chef unters Messer legen zu wollen. Die beiden sind Putzfrauen in der "Schönheitsklinik Bodensee", und wenn deren Inhaber, ein weithin bekannter Schönheitschirurg, an Emmi überhaupt noch etwas ausrichten könne, dann werde das zu "seinem Lebenswerk", meint Trudi.

Seit September probt die Theatergruppe des Männergesangverein Immenstaad die Komödie "Hauptsach schäää" ("Hauptsache schön"), und wer bei der Szenerie auf der Bürgersaalbühne an die Lindauer Bodenseeklinik und deren "Schönheitspapst" Werner Mang denkt, liegt zwar nicht falsch, aber doch daneben. Denn Trudi ist in ihrer Kittelschürze der Inbegriff von Bodenständigkeit und der Staubwedel, mit dem sie in inniger Liaison verbunden ist, ist quasi der Ausweis eines "sauberen Weibsbilds". Nie würde sich Trudi Männern anbiedern. Im Gegenteil. Ihre heimliche Jugendliebe Klaus hat sie auf dem Schulabschlussball linkisch vergrault. Doch nun taucht der "schöne Klaus", auch im Alter noch eine "Sparausführung von George Clooney", als Malermeister in der Klinik auf. Die soll während der Abwesenheit des Chefs saniert werden. Und eine alte, nie eingestandene Liebe auch. Doch das birgt Turbulenzen.

Lernschwester Bettina (in der Probe sprang Regisseurin Ilse Weber, links, für Beate Mecking ein) und Sportwagenverkäufer Heinz (Reinhard König) bleibt die Spucke weg, wenn sie Aloe Vera-Vertreterin Elvira Honigtau (Gabriele Veeser) lauschen.
Lernschwester Bettina (in der Probe sprang Regisseurin Ilse Weber, links, für Beate Mecking ein) und Sportwagenverkäufer Heinz (Reinhard König) bleibt die Spucke weg, wenn sie Aloe Vera-Vertreterin Elvira Honigtau (Gabriele Veeser) lauschen. | Bild: Barbara Fülle

Mit "Hauptsach schäää" hat der Herbertinger Autor Georg Ludy eine Komödie geschrieben, die alles hat, was den Zuschauer bei der Stange hält: hohes Tempo, spritzige Dialoge und überraschende Wendungen. Ludy weiß, was Figuren glaubhaft macht und wie Dramaturgie funktioniert. Für die ZDF-Serien "Wilsberg" und "Ein Fall für zwei" hat er schon Drehbücher geschrieben und in der ARD mit dem Lissabon-Krimi "Alte Rechnungen" Erfolge gefeiert. "Mit einem guten Buch fängt alles an", lautet sein Credo. Regisseurin Ilse Weber kann dem nur zustimmen. Für sie begann schon im April die Arbeit. Bei ihr zu Hause stapelten sich Theaterstücke, die sie auf ihre Tauglichkeit für die Immenstaader Truppe überprüfte. "Stücke mit jungen Charakteren schieden aus", sagt sie, "wir haben nämlich keine". Neben der Besetzungsfrage ist auch das Bühnenbild wichtig. Weber, die treue Theatergängerin in Konstanz ist und keine Neuinszenierung bei den Bregenzer Festspielen auslässt, weiß minimalistische Bühnenausstattungen zu schätzen. Beim Laientheater aber komme es auf jede Kleinigkeit an. Je detailverliebter das Bühnenbild, umso besser – "sonst funktioniert das nicht", meint sie.

Von Scheinärzten zu Scheinoperationen verdonnert: Malergeselle Emil (Daniel Bensch) und Putzfrau Emmi (Gabi Uhlenbruch).
Von Scheinärzten zu Scheinoperationen verdonnert: Malergeselle Emil (Daniel Bensch) und Putzfrau Emmi (Gabi Uhlenbruch). | Bild: Barbara Fülle

Auf der Bürgersaalbühne hat inzwischen Babsi, die unbedingt das Casting "Bodensee sucht die Supernixe Ü40" gewinnen möchte, im Wartezimmer Platz genommen. Neben Heinz, dem Silver Ager mit junger Freundin. Hinter ihnen lauert ein Knochenmann wie der personifizierte Tod. Sogar die Weißkittel schalten auf Abwehr. "Tränensäcke erst nächste Woche wieder", wird Heinz beschieden. "Silikon ist alle", erfährt Babsi. "Dann fangen wir halt mit den Lippen an", flötet sie zurück. Und schon sitzt die Ärztin in der Patsche. Im weißen Kittel nämlich steckt Trudi, die bei ihrer Wiederbegegnung mit Klaus ganz schön hoch gestapelt hat – und der heimlich Geliebte nicht minder. Ein Schwindel also mit falschen Ärzten. Da ist es gut, als mit Dr. Alois Fleischhauer endlich eine standesgemäße Urlaubsvertretung für den Chef erscheint.

Am richtigen Timing müssen die Darsteller während der Probe noch feilen. Auch der Souffleur hat noch viel zu tun. Doch alle bringen komödiantisches Talent mit. Wer im Zuschauerraum die Szenen verfolgt, wirft sich fast weg vor Lachen. "In den 70er Jahren haben wir noch ernste Stücke gespielt", erzählt Regisseurin Weber, "Weihnachten in der Fremde", "Der Förster im Silberwald", solche Sachen. Tragödien überlässt die Truppe mittlerweile "lieber den Profis. Die Leute wollen entspannen und lachen", meint Weber. Nur wer die Erwartungshaltung des Publikums bedient, hat ein volles Haus.

Dazu gehören auch Überraschungsmomente. Von denen hat das Stück gleich drei am Ende. Verraten wird an dieser Stelle natürlich noch keiner.

Termine und Karten

Die Vorstellungen von "Hauptsach schäää" sind am Dienstag, 26., Mittwoch, 27., Donnerstag, 28. und Freitag, 29. Dezember im Bürgersaal des Rathauses Immenstaad. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, Saalöffnung um 18.30 Uhr. Der Kartenvorverkauf ist am Samstag, 16. Dezember, von 9 Uhr an im Rathaus (Nummernausgabe ab 7.30 Uhr). Eventuelle Restkarten gibt es in der "Bücherstube Bosch" und an der Abendkasse. Die Karten kosten jeweils 10 Euro. Wer sich die Hauptprobe am Samstag, 23. Dezember um 17 Uhr anschauen möchte, bezahlt die Hälfte. (baf)

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