Horgenzell Konstantin Wecker begeistert die Besucher beim Einhalden-Festival

Zum 12. Mal fand auf dem Gelände des Bauernhofes in Einhalden ein tolles Musik- und Kabarettfestival statt. Konstantin Wecker machte mit seiner „Wahnsinns-Tour“ dort Station.

Was für ein brillanter Kopf, der sich solche Wörter, Sätze, Gedichte und Liedtexte ausdenkt, die eine unglaubliche Kreativität offenbaren. Und was für ein brillanter Kopf, der sich seit 40 Jahren diese Wortschöpfungen behalten kann? Die Rede ist von Konstantin Wecker, diesem Poeten und Liedermacher, der in zwei Halbsätzen die Weltgeschichte zu erklären vermag. Seit vier Jahrzehnten steht der gebürtige Münchner auf der Bühne, was der 68-Jährige als „Wahnsinn“ bezeichnete und er machte mit seiner „Wahnsinns-Tour“ beim Einhalden-Festival Station.

Rund 2000 Fans pilgerten zu diesem besonderen Bauernhof, der schon im Jahr 1155 in einer Urkunde von Kaiser Barbarossa erwähnt wurde und seit 2014 anerkannter Demeter-Betrieb ist. Seit 1663 ist der Hof im Besitz der Familie Rauch und Bernhard Rauch hatte vor Jahren eine „Wahnsinns-Idee“: Zwischen sanften Hügeln und Streuobstwiesen ein Musik- und Kabarettfestival zu organisieren. Mit zahlreichen im Einheits-T-Shirt gewandeten Helfern wurde zum 12. Mal die Großveranstaltung auf dem kleinen Hof gestemmt, und mehreren tausend Fans wurde wieder ein hochkarätiges Programmangebot offeriert. Mit dabei waren Ack van Rooyen, Joo Kraus, die SWR Big Band mit Herrn Hämmerle und Fola Dada, BOB-Session, Dizzy Krisch Quartett, das Heinz-Hübner-Salonorchester. Höhepunkt war sicher der Auftritt von Liedermacher Konstantin Wecker, der seine Fans auf seine 40-jährige „Wahnsinns-Tour“ mitnahm. Zuvor sorgte das Trio „Berta Epple“, besser bekannt aus den Zeiten der Kult-Band „Tango Five“ für eine prächtige Einstimmung, bevor gegen 21 Uhr der Meister plötzlich auf der Bühne stand.

Fanny Kammerlander hatte ihr Cello angelehnt, Jo Barnikel am Keyboard Stellung bezogen und Wolfgang Gleixner die Gitarre in der Hand. In den nächsten 2,5 Stunden erwies sich das Quartett als musikalische wie gesangliche Einheit – getragen, forciert und geprägt durch diese unverwechselbare Stimme von Konstantin Wecker. Mit Bedacht hörten die Zuhörer zuerst den „Willy“, dieses Lied aus den 70er über einen Aufrechten, der von Neonazis erschlagen wurde. „Willy lebt und ist mein bester Freunde“, lüftete er dann in Einhalden sein Geheimnis. Willy ist seit vielen Jahren Mitglied im Gefolge von Wecker und verkaufte in Einhalden CD´s, Bücher und die obligatorischen bunten Friedensketten. „Das war meine Geschichte, aber ich habe damals mit vielen Narben überlebt“, bestätigt er im SÜDKURIER-Gespräch die Authentizität der Willy-Story.

Wecker ließ die Zuhörer teilhaben an seiner 40-jährigen Reise durch die Musik und sein Leben. Dass er als 19-jähriger in den Knast kam, weil er einen Nachschlüssel angefertigt hatte – eine Duplikat für einen Tresorschlüssel. Zu seinen Liedtexten stehe er, nicht aber zu manchen Lebensstationen, bekannte Wecker. Der Wind des Revoluzzers umweht ihn immer noch, diesen Weggefährten von Joan Baez, Harry Belafonte, Heinrich Böll und nebenbei erzählt der Mann, dass er am Mittwoch aus Griechenland zurückkehrte, wo er mit Freunden den 90. Geburtstag von Mikis Theodorakis feierte.

Was für Namen und was für Geschichten, die der überwältigenden Zahl der Besucher etwas sagen, denn sie gehören der älteren und jung gebliebenen Generation an. Der 19-jährige Sven und seine Freundin Alisa erfreuen sich eher an der tollen Location und abendlichen Atmosphäre und geben freimütig zu, dass sie nicht alle Worte kennen und Texte einordnen können. Unerschöpflich scheint das Text- und Wortarsenal des nimmermüden und gut aufgelegten Wecker, der hoffentlich noch 40 weitere Jahre dem „Wahnsinn“ frönt.

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