Heiligenberg Irritationen wegen Baumfällungen im Friedwald

Waldarbeiten in Friedwäldern bei Heiligenberg werfen bei Passanten Fragen auf. Das Haus Fürstenberg spricht unterdessen von "normalen Forstarbeiten". Es gehe vor allem um die Beseitigung kranker und vom Januar-Sturm "Frederike" beschädigte oder umgeworfene Bäume. Gerade im Bereich der Wege müsse man für Sicherheit sorgen.

Die Friedwälder Amalienhain und Elisenruhe bei Heiligenberg sind nicht nur Bestattungswälder für Urnenbeisetzungen, sondern werden auch als Naherholungsgebiete der Ortschaften Heiligenberg, Frickingen, Beuren und Umgebung genutzt. Dies aus guten Gründen, denn die nah an den genannten Ortschaften gelegenen Wälder weisen einen stattlichen Waldbestand, gepflegte Wege und einen fantastischen Blick in das Tal bis zu der Alpenkette auf. Kurz: Der Wald um Heiligenberg erfreut sich besonderer Beliebtheit.

Bei einigen Friedwaldbesuchern scheint die Freude allerdings spätestens dann empfindlich getrübt zu sein, wenn Holzwirtschaft betrieben wird und sich gefällte Baumstämme zum Abtransport neben den Wegen stapeln. So hat sich ein Bürger aus Salem an die SÜDKURIER-Redaktion gewandt und seine Verärgerung über derzeitige Baumfällungen im Friedwald Elisenruhe zum Ausdruck gebracht: Die (gefühlte) Hälfte des alten Baumbestandes sei verschwunden und die zu Brennholz bestimmten Stämme würden sich in übermannshohen Haufen am Weg türmen, die der Harvester (eine große Erntemaschine) bis auf den Grund durchwühlt habe, schreibt der Leser. Selbst ein Laie würde sehen, dass diese Menge ein Vielfaches von dem sei, was pro Jahr nachwachsen würde. Dies sei keine Waldpflege mehr.

Dieses aufgestapelte Holz beim Parkplatz "Elisenruhe" ist Sturmholz, die Bäume waren dem Orkan "Friederike" im Januar 2018 zum Opfer gefallen.
Dieses aufgestapelte Holz beim Parkplatz "Elisenruhe" ist Sturmholz, die Bäume waren dem Orkan "Friederike" im Januar 2018 zum Opfer gefallen. | Bild: Bernhard Conrads

Das Haus Fürstenberg, Besitzerin der Wälder, erklärt auf Anfrage dieser Zeitung die Hintergründe der Forstarbeiten. Die für den Friedwald zuständige Försterin Simone Hornstein spricht von ganz normaler forstwirtschaftlicher Arbeit. Gerade aufgrund der hohen Besucherfrequenz, die durch die zahlreichen zu Bestattungen kommenden Friedwaldbesucher noch verstärkt würde, liege das Hauptaugenmerk des Fürstlich Fürstenbergischen (FF) Forstbetriebs in diesen Waldflächen vor allem auf der Verkehrssicherung. Hier gelte es, zum Personenschutz die Entwicklung der Bäume zu beobachten und bei Bedarf zu handeln. Dazu würden Dürräste aus den Baumkronen entfernt oder die betroffenen Bäume müssten zur Gewährleistung der Sicherheit der Waldbesucher gefällt werden, erklärt Hornstein. Große Sorge bereite dem FF-Forstbetrieb insbesondere das derzeitige Eschentriebsterben. Es würde durch einen Pilz verursacht. Zunächst würden junge Triebe und Äste absterben, dann die Krone und am Ende der komplette Baum, schildert Hornstein.

Mit der aktuellen Holzerntemaßnahme hat der FF-Forstbetrieb die Verkehrssicherung und die Entnahme der Eschen kombiniert. Dazu sei noch der Wintersturm "Frederike" im Januar gekommen und habe für viele Festmeter Sturmholz gesorgt. Auch diese Baumstämme müsse man dem Wald entnehmen, um dem Borkenkäfer im Sommer keine Brutstätten zu bieten, erläutert Hornstein. Gleichzeitig stelle sich die Frage, ob der Einsatz im Wald über mehrere Jahre verteilt oder in einer einzigen, gesammelten Aktion durchgeführt werden sollte. Da die Waldwege in jedem Fall beansprucht werden würden, habe sich der FF-Forstbetrieb nach vielen Jahren der Ruhe für eine einmalige Maßnahme entschieden, teilt Hornstein weiter mit.

Ziel sei, das Holz boden- und verjüngungsschonend an den Waldweg zu bringen. Als nachwachsender Rohstoff würde das Holz primär für Werkstoffe, Möbel und nur die dafür nicht verwendbaren Teile als Brennholz verwendet. In einigen Wochen, nach Abschluss der Maßnahme, würden die Fahrwege wieder hergerichtet und die verbliebene Naturverjüngung gepflegt. In Lichtungen, die durch Schäden durch das Kronenmaterial der gefällten Bäume entstanden sind, würden junge Bäume wie beispielsweise Linden, Ahorne, Roteichen, Kirschen und Hainbuchen gepflanzt, um die Baumartenvielfalt zu ergänzen.

Eschensterben

"Hymenoscyphus pseudoalbidus" heißt der zungenbrecherische lateinische Name des "Falschen Weißen Stengelbecherchen" – ein Pilz, der aus Ostasien eingeschleppt wurde und für das flächendeckende Eschensterben verantwortlich ist.

Das Sterben der Eschen beginnt an den jungen Trieben und setzt sich langsam abwärts bis zur Wurzel fort. Symptome sind Welk-Erscheinungen an den Trieben, gelblich-ockerfarbene bis rostrote Rindenverfärbungen, Blattflecken und Veränderungen in der Verzweigungsstruktur der Kronen.

Tote Eschen neigen dazu, plötzlich einfach umzufallen, weshalb sie aus Gründen der Verkehrssicherheit dem Wald entnommen werden müssen. Andere Gegenmaßnahmen gibt es nicht. (bc)

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