Hagnau Thematische Weinprobe im Winzerverein: Alte Texte und junger Wein

Welche Bedeutung hat der Wein in der Bibel? Diese Frage war Thema der gemeinsamen Weinprobe des Winzervereins und des katholischen Bildungswerks. Auch die Dorfgeschichte wurde in die Veranstaltung miteingebunden.

"Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein": Dieses Bibelzitat aus dem Buch Kohelet stand wie ein modernes Motto für die Weinverkostung im Hagnauer Winzerhaus. "Bibel, Musik und Wein" lautete der Titel der thematischen Weinprobe, zu dem der Winzerverein und das katholische Bildungswerk eingeladen hatten.

Verkaufsleiterin Anita Schmidt präsentierte acht Weine, nachdem im ältesten Teil des Weinkellers bereits ein roséfarbener Secco zur Begrüßung probiert wurde. Während der Kellerführung stellte Schmidt mit Blick auf die riesigen historischen Holzfässer, die älteste Genossenschaft Badens kurz vor. Im Jahr 1881 gegründet durch Pfarrer Hansjakob bewirtschaftet der Winzerverein heute mit 52 Winzerfamilien 146 Hektar Rebfläche, bei einem Jahresertrag von etwa 1,2 Millionen Liter. Die bei der Verkostung angebotenen Müller-Thurgau und Spätburgunder Weine machen davon mit jeweils rund 40 Prozent den Hauptanteil aus, während Kerner, Sauvignon Blanc und der dunkelrote Regent nur eine kleine Rolle spielen.

Fachlich kompetent erklärt Anita Schmidt Bouquet und Aromen der vorgestellten Weine.
Fachlich kompetent erklärt Anita Schmidt Bouquet und Aromen der vorgestellten Weine. | Bild: Lorna Komm

Anita Schmidt erklärte Duft sowie Bouquet der Weine und beschrieb die vielfältigen Aromen. Weiterhin berichtete sie Wissenswertes über den Anbau der Rebsorten. Unter anderem, dass 884 Karl der Dicke den ersten Burgundergarten bei Bodman pflanzte, die "zickige Rebsorte" Sauvignon Blanc hingegen erst seit etwa 18 Jahren am See angebaut werde. Nebenbei erzählte die Hagnauerin in humorvollen Anekdoten von der Dorfgeschichte. Nach biblischer Tradition wurde frisches Fladenbrot zum Wein gereicht. Dazu gab es Olivenöl und Kräuter aus Palästina und Blausalz aus dem Iran.

Vor den riesigen Holzfässern bei der Kellerführung im alten Teil des Weinkellers des Winzerverein Hagnau.
Vor den riesigen Holzfässern bei der Kellerführung im alten Teil des Weinkellers des Winzerverein Hagnau. | Bild: Lorna Komm
Das Weinarchiv im alten Teil des Weinkellers des Winzerverein Hagnau.
Das Weinarchiv im alten Teil des Weinkellers des Winzerverein Hagnau. | Bild: Lorna Komm

Monika Baur vom katholischen Bildungswerk verlas Zitate aus dem Buch "Der Wein und die Bibel" von Paul-Georg Gutermuth und Texte vom früheren Pfarrer der Seelsorgeeinheit Wolfgang Demeling. Zu Beginn nahm sie die Zuhörer mit auf eine Zeitreise des Weinbaus, zitierte zum "Anlegen und Pflegen des Weins". Aber auch zur Ernte hatte sie Bibelstellen ausgesucht. Anhand von Textstellen aus dem Alten Testament stellte sie die Bedeutung des Weins für die Versorgung der Volksgemeinschaft dar. So wurden vom Kriegsdienst freigestellt, "wer einen Weinberg gepflanzt hat und noch nicht von ihm geerntet hat" (5. Mose, 20, Vers 6). Baur erläuterte dazu, dass eine frisch gepflanzte Rebe erst nach etwa vier Jahren nennenswerte Erträge bringt. Weitere soziale Pflichten zeigten sich im "Nachleseverbot", damit auch für Arme oder Tiere Trauben übrig blieben.

Biblische Anleitungen "zum Weingebrauch", mit deutlichen Worten wie "sei kein Fresser und Säufer" aus dem Buch Jesu Sirach amüsierten das Publikum. Dem Zitat eines griechischen Kirchenvaters, welches Schmidt vortrug, wollte die Gäste gerne folgen: "Es ist besser, in aller Demut Wein zu trinken, als in Hochmut Wasser." Musikalisch umrahmte "Camerata Sonnenklang" mit Ursula Sonnenschmidt, Andrea Reisser und Maja Wahl die Weinprobe.

"Camerata Sonnenklang" umrahmten die Weinprobe musikalisch in den Vortragspausen. Ursula Sonnenschmidt, Andrea Reisser, Maja Wahl und Monika Baur vom katholischen Bildungswerk (von links).
"Camerata Sonnenklang" umrahmten die Weinprobe musikalisch in den Vortragspausen. Ursula Sonnenschmidt, Andrea Reisser, Maja Wahl und Monika Baur vom katholischen Bildungswerk (von links). | Bild: Lorna Komm

 

Der Wein in der Bibel

Wein ist eines der ältesten Kulturgetränke der Menschen, bereits für 6000 vor Christus ist der erste Wein nachgewiesen. Wein, Brot und Öl waren damals die drei Hauptnahrungsmittel. Über 500 Mal wird der Wein, samt Traube, Weinberg oder Weinrebe in allen Büchern der Bibel erwähnt. Wein ist in der Bibel ein Alltagsgetränk aber auch ein Heilmittel. Geläufig ist das Weinwunder der Hochzeit zu Kana, bei der Jesus Wasser zu Wein verwandelt. Oft verwendet wird auch der Bibelvers: "Ich bin der Weinstock, ihr seit die Reben", (Johannes 15) als Sinnbild für Gott als Weingärtner und Jesus als Weinstock. Beim Abendmahl wird der Wein als Symbol für das Blut Christi gereicht. (lko)

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