Hagnau Hagnau behält auch bei Rekordhaushalt die Kostenkontrolle

Haushaltssitzungen sind ein Durcharbeiten von Zahlenkolonnen und deren Interpretation. Dass dabei möglichst viel Klarheit herrscht, dafür sorgen in Hagnau Kämmerer Andreas Heier aus dem benachbarten Meersburg und Bürgermeister Volker Frede.

Bürgermeister Volker Frede präsentierte zu Beginn der Debatte seine Haushaltsgrundsätze: "1. Die Einnahmen decken die Ausgaben. 2. In Jahren ohne besondere Investitionen erfolgt grundsätzlich keine Entnahme aus der Rücklage und keine Kreditaufnahme. 3. Unsere Abteilungen arbeiten budget- und nicht planorientiert, das heißt, ein vorhandener Plan muss nicht ausgeschöpft werden, sondern ein vorhandenes Budget kann genutzt werden."

Ziel ist es, damit die Kosten im Griff zu behalten und kein Geld auszugeben, das nicht vorhanden ist. Am Beispiel der Fluchttreppe am Gwandhaus machte Frede auch deutlich, dass die nackten Zahlen alleine nicht aussagekräftig sind. "Die sollte eigentlich 2017 gebaut werden. Durch den neuen Termin haben wir die vorgesehenen Kosten von 90 000 Euro gespart – das sieht gut aus; dafür kommen sie allerdings 2018 zusätzlich auf uns zu. Es ist also nur eine Verschiebung."

Sollte eigentlich schon fertiggestellt sein: Die Fluchttreppe am Gwandhaus kostet 90 000 Euro und soll im Frühjahr kommen.
Sollte eigentlich schon fertiggestellt sein: Die Fluchttreppe am Gwandhaus kostet 90 000 Euro und soll im Frühjahr kommen. | Bild: Uwe Petersen

Im Vermögenshaushalt werden die Investitionen geplant. Mit 300 000 Euro schlägt die Erschließung des neuen Gewerbegebietes Langbrühl Ost am heftigsten ins Kontor. Die Fluchttreppe (90 000), die Sanierung des Rosenwegs (80 000), die Umstellung auf LED-Beleuchtung (70 000), die Sanierung und Weiterentwicklung des Friedhofes (zusammen 60 000) und der Breitbandausbau (50 000) sind weitere "dicke" Posten. Die Sanierung der Spielplätze, des Minigolf-Platzes und der Gemeinde-Verbindungs-Straßen, neue Geräte für die Feuerwehr und die Grundschule, die lange geplante neue Ortseingangsbeschilderung, ein Kunstprojekt und viele kleinere Ausgaben führen zur Summe von gut eine Million Euro.

Schon seit Jahren jammern die Anwohner des Rosenwegs über den "katastrophalen Zustand" ihrer Straße. Jetzt sind 80 000 Euro für die Sanierung im Jahr 2018 eingestellt.
Schon seit Jahren jammern die Anwohner des Rosenwegs über den "katastrophalen Zustand" ihrer Straße. Jetzt sind 80 000 Euro für die Sanierung im Jahr 2018 eingestellt. | Bild: Uwe Petersen

Deutlich größer ist der Umfang des Verwaltungshaushaltes mit 5,26 Millionen Euro. Hierzu zählen Einnahmen aus Steuern und der Verwaltung, andererseits aber auch die laufenden Kosten. Dabei liegt Hagnau bei den Einnahmen und den Ausgaben weit über dem üblichen Rahmen einer solch kleinen Gemeinde (Stand 30. Juni 2017: 1474 Einwohner). Vor allem die Personalkosten von knapp 1,7 Millionen Euro machen das deutlich. Hagnau hat durch seinen starken Tourismus und sein über Jahre hin bekanntes Kinderhaus-Konzept besondere Umstände, die den hohen Personalaufwand rechtfertigen.

Auch in der Beleuchtung geht Hagnau mit der Zeit: Für 70 000 Euro wird die Ortsbeleuchtung auf LED umgestellt.
Auch in der Beleuchtung geht Hagnau mit der Zeit: Für 70 000 Euro wird die Ortsbeleuchtung auf LED umgestellt. | Bild: Uwe Petersen

So verschlingt allein der Kindergarten 29 Prozent aller Personalausgaben. Das wird angesichts der neuerdings auch staatlich vorgeschriebenen, intensiven U3-Betreuung, also der Kleinkinder unter drei Jahren, so bleiben oder eher noch ansteigen. Rechnet man die Ausgaben im Bereich Tourismus und Bauhof zusammen – auch die Größe des Bauhofes ist ja den Anforderungen des Tourismus geschuldet – kommt man zusammen sogar auf rund 40 Prozent der Personalkosten. Das wiederum verlangt auch eine größere Verwaltung, als dies in kleinen Orten sonst üblich ist – alles in allem rund 30 Prozent.

Gleich zwei Posten wurden für den Friedhof eingestellt. 40 000 Euro kosten die Sanierung des Zugangs und die Einrichtung eines grünen Gräberfeldes. Weitere 20 000 Euro werden in die Weiterentwicklung investiert.
Gleich zwei Posten wurden für den Friedhof eingestellt. 40 000 Euro kosten die Sanierung des Zugangs und die Einrichtung eines grünen Gräberfeldes. Weitere 20 000 Euro werden in die Weiterentwicklung investiert. | Bild: Uwe Petersen

Erfreulich ist die Entwicklung der Schulden. Bis Ende 2018 sollen sie bei 208 194 Euro liegen, was einem Betrag von 141 Euro pro Einwohner entspricht. Stellt man diesen Zahlen die Rücklagen gegenüber (686 206 Euro, 466/Kopf), ist Hagnau de facto schuldenfrei. Der Gemeinderat billigte den Haushalt einstimmig.

Für die Sanierung der Spielplätze sind insgesamt 40 000 Euro vorgesehen.
Für die Sanierung der Spielplätze sind insgesamt 40 000 Euro vorgesehen. | Bild: Uwe Petersen

 

Kernzahlen des Haushalts

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick: Der Gesamthaushalt hat einen Umfang von knapp 6,3 Millionen Euro. Davon fallen knapp 5,3 Millionen Euro auf den Verwaltungshaushalt und gut eine Million Euro auf den Vermögenshaushalt. Ein neuer Kredit ist nicht vorgesehen. Grundsätzlich sind die Haushalte auf Null ausgerichtet, das heißt, Einnahmen und Ausgaben sind genau gleich hoch. Hagnau lebt hauptsächlich von Steuereinnahmen. So bilden die Einkommenssteuer (gut eine Millionen Euro) und die Gewerbesteuer (820 000 Euro) einen Großteil der Einnahmen. Verwaltungs- und Betriebseinnahmen (eine Millionen Euro) und Gebühren und Entgelte (841 000 Euro) sind der zweite große Bereich. Bei den Ausgaben steigen allgemein die Personalkosten am stärksten. Sie liegen bei knapp 1,7 Millionen Euro, das entspricht gut 32 Prozent des Verwaltungshaushaltes. "Sächliche" Ausgaben und Finanzumlagen schlagen mit 1,37 bzw. 1,36 Millionen Euro zu Buche. Außerdem fließen 394 000 Euro in den Vermögenshaushalt, der die restlichen 586 000 Euro, die er für Investitionen wie Baumaßnahmen und Vermögenserwerb braucht, der Rücklage entnimmt.

 

Ein jährlicher Posten sind die Instandsetzungen der Gemeindeverbindungsstraßen. 2018 sind dafür 33 000 Euro veranschlagt.
Ein jährlicher Posten sind die Instandsetzungen der Gemeindeverbindungsstraßen. 2018 sind dafür 33 000 Euro veranschlagt. | Bild: Uwe Petersen

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