Hagnau Bürgermeister Volker Frede zieht im Jahresrückblick Bilanz

Fünf Monate lang war der Bürgermeister von Hagnau, Volker Frede, 2017 schwer erkrankt. Im Jahresrückblick erklärt er, er freue sich über die zuverlässige Unterstützung, die er in dieser Zeit durch Gemeinderat und Verwaltung erfahren habe. In einem Ausblick auf 2018 nannte er die Bereiche Kultur und Kinder, die im Mittelpunkt der Planungen für die Gemeinde stehen.

Hagnau – Das war ein Jahr, das Hagnaus Bürgermeister Volker Frede nicht so schnell vergessen wird. "Für mich persönlich war das ein besonders schwieriges Jahr", erinnert er sich. Gut fünf Monate war er krank, lag in verschiedenen Kliniken und wurde mehrfach operiert. "Da habe ich auch sehr viel Glück gehabt; denn einige Krankheiten hätten durchaus tödlich sein können." So etwa der Nebennierentumor, der ohne seinen Lungeninfarkt vielleicht nie entdeckt worden wäre. "Eine tickende Zeitbombe; denn wenn der geplatzt wäre, hätte nichts mehr geholfen."

Dankbar ist Frede vor allem seiner Stellvertreterin Hedi Meichle, "die mich als Ehrenamtliche sehr gut vertreten hat und so viel geleistet hat wie ein hauptamtlicher Bürgermeister." Ähnliches gilt für seine Mitarbeiter im Rathaus. "Das ganze Team hat in dieser Zeit unheimlich viel geleistet. Dass ich mich darauf verlassen kann, ist eine sehr positive Erkenntnis. Und wie viel Anteilnahme es von allen Seiten gab, hat mich durch diese schwere Zeit getragen."

"Natürlich konnte in dieser Zeit nicht alles geschafft werden, was ich mir vorgenommen hatte", sieht er auch negative Auswirkungen. "So hätten das grüne Gräberfeld oder die Fluchttreppe am Gwandhaus längst fertig sein sollen. Aber wir sind im Herbst schon gut vorangekommen; der Rest wird jetzt nachgeholt. So etwas geht nur mit guten Mitarbeitern und einem Gemeinderat, auf den man sich verlassen kann." Und so kann Volker Frede immer noch auf ein erfolgreiches Jahr 2017 zurückschauen.

Ein Schwerpunkt in Hagnau liegt nach wie vor auf der Musik. Gleich zwei runde Geburtstage gab es zu feiern: Zum 30. Mal eröffnete das Team rund um Werner Hiestand mit seinen Internationalen Diatoniker-Tagen – von Liebhabern kurz Knöpfletreffen genannt – Anfang April die Tourismus-Saison in Hagnau. Vom 1. bis 4. November feierte die Hagnauer Klassik ihr zehnjähriges Bestehen und setzte damit nach dem Motto "klein, aber fein" erneut Akzente. "Besonders schön fand ich auch den Erfolg der Klassik für Kinder im April", freute sich Frede. "Unter dem Motto Mozart haben wir speziell für Kinder und mit Kindern den Raum gestaltet und den Kindern Klassik näher gebracht." Die Reihe wird bereits am 21. Januar fortgesetzt. "Dieses Jahr heißt es heiterer Bach und wir hoffen, dass diese Serie ein fester Bestandteil in unserem Klassikprogramm wird."

Dass Frede bei seinem Lieblingsprojekt Hagnauer Seelauf nicht einmal als Zuschauer dabei sein konnte, schmerzt ihn. Umso glücklicher ist er über den Erfolg. "Vom Aufwand her ist das unser größtes Projekt. Dank unserer Mitarbeiter vor allem vom Bauhof und der Tourist-Info sowie den Vereinen ist aber wieder alles gut gelaufen, trotz der zusätzlichen Halbmarathon-Strecke." Noch erstaunlicher sei, dass der Seelauf bereits bei seiner zweiten Auflage "fast auf Null ausgegangen ist. Dank der Sponsoren und der Teilnehmergelder sind unsere Kosten bei unter 1000 Euro geblieben." Nicht zuletzt wegen der vielen positiven Rückmeldungen soll auch 2018 alles wieder genauso ablaufen. Das gilt auch für die See-Cup-Wertung gemeinsam mit Fischbach und Kressbronn. "Nur die Startzeiten werden vorgezogen. Es war diesmal am Nachmittag einfach schon zu heiß."

Zum Auftakt des Hagnauer Seelaufs rennen die Bambini ihre Runden durch den Uferpark.
Zum Auftakt des Hagnauer Seelaufs rennen die Bambini ihre Runden durch den Uferpark. | Bild: Uwe Petersen
18 Läufer aus dem italienischen Varese waren 2017 beim Seelauf dabei.
18 Läufer aus dem italienischen Varese waren 2017 beim Seelauf dabei. | Bild: Uwe Petersen

Das Ehrenamt hat in Hagnau einen hohen Stellenwert. "Alle Vereine arbeiten gut zusammen und engagieren sich für das Dorf." Ob in ihren eigenen Bereichen oder als Helfer bei Festen, Gästeempfängen oder dem Seelauf: "Ohne diese vielen ehrenamtlichen Helfer wäre Hagnau nicht so, wie es ist." Zum Dank wurden die Aktiven im März belohnt. "Wir haben den Ehrenamtsabend neu gestaltet und den Kabarettisten Uli Böttcher mit seinem Programm Silberrücken engagiert. Das Gwandhaus war voll und ich hatte den Eindruck, dass das Programm gut ankam."

Stolz ist Frede auch auf die Ausstellung "Bemerkenswerte", in der sich gut zwei Dutzend Mitbürger über 80 Jahren in Wort und Bild an das alte Hagnau erinnerten. "Das ist eine ganz neue Konzeption. Damit werden die Erinnerungen gesichert, aber auch die Art der einzelnen Hagnauer und der Dialekt. Es hat auch die Veränderungen deutlich gezeigt, wie etwa der alte Spruch: erst die Kühe, dann die Gäste. Das wäre heute unvorstellbar."

Großes Interesse fand die Ausstellung "Bemerkenswerte", in der alte Hagnauer über ihre Jugend und das damalige Hagnau erzählten. Hier erinnert sich Oskar Ehrlinspiel zusammen mit Fotografin Lena Reiner noch einmal an den gemeinsamen Gesprächs- und Fototermin.
Großes Interesse fand die Ausstellung "Bemerkenswerte", in der alte Hagnauer über ihre Jugend und das damalige Hagnau erzählten. Hier erinnert sich Oskar Ehrlinspiel zusammen mit Fotografin Lena Reiner noch einmal an den gemeinsamen Gesprächs- und Fototermin. | Bild: Uwe Petersen

Viele der Projekte von 2017 werden 2018 weitergeführt. "Wir werden nach und nach alle Kinderspielplätze sanieren. 2017 war es der am Sonnenbühl, 2018 kommen die am Rathaus und an der evangelischen Kirche dran." Die Spielplätze sind für Frede symptomatisch. "Die sind für Familien, für Einheimische und für Gäste. Das meiste, was wir tun, machen wir für unsere Bewohner und für unsere Gäste."

Neu ist das Label "natürlich Hagnau". "Das erste deutliche Projekt ist unser neues Schwalbenhaus. Das bekommt demnächst noch eine Erklärtafel. Wir haben auch bereits an vielen Straßen Blumenwiesen angelegt, um den Insekten Raum zu geben. Unsere Unkrautvernichtung kommt ohne Chemie aus. Das alles soll mit einer Erweiterung unseres Logos kenntlich gemacht werden, das dann in Grün-Rot gehalten wird."

Auftakt zu einer umweltbewussten Dorfgestaltung: Das Schwalbenhaus am Westufer ist das erste Beispiel von "natürlich Hagnau".
Auftakt zu einer umweltbewussten Dorfgestaltung: Das Schwalbenhaus am Westufer ist das erste Beispiel von "natürlich Hagnau". | Bild: Uwe Petersen

Frede setzt stark auf die Ideen der Bürger. "Ein Beispiel ist der Versuch, das Verkehrschaos in der Seestraße während der Saison zu begrenzen." Da hatte der Gemeinderat im März eine Verkehrsberuhigung beschlossen ("das hatten wir aus Zeitgründen noch ohne Anwohner geplant"), mit Einschränkungen des Auto- und Radverkehrs. Im Oktober hatte er zusammen mit der Verkehrsinitiative interessierte Bürger ins Rathaus geladen, um Erfahrungen und neue Ideen auszutauschen. "Diese Rückmeldungen waren für uns wertvoll und wir werden sie in einen nächsten Versuch 2018 einfließen lassen." Verkehr heißt in Hagnau aber vor allem B 31. "Da hat es 2017 viele Veranstaltungen auf verschiedenen Ebenen gegeben. Es wurde überwiegend sachlich diskutiert. Jetzt werden bis Ende 2018 die Gutachten erstellt und daraus Kriterien abgeleitet. Wir sind voll im Zeitplan, aber das braucht alles viel Zeit."

Das gut besuchte Bürgergespräch über den Verkehr in der Seestraße ist für Bürgermeister Volker Frede ein Beispiel für gelungene Bürgerbeteiligung.
Das gut besuchte Bürgergespräch über den Verkehr in der Seestraße ist für Bürgermeister Volker Frede ein Beispiel für gelungene Bürgerbeteiligung. | Bild: Uwe Petersen

Für 2018 sind die Weichen bereits im Dezember gestellt worden. Größtes Projekt wird die Erschließung des neuen Gewerbegebietes Langbrühl Ost sein. "Der Bedarf ist riesig und das ist unsere letzte Möglichkeit im Ort. Wenn alles ideal verläuft, können die ersten Betriebe Anfang 2019 einziehen." Neben den Spielplätzen wird der gesamte Auftritt der Gemeinde dem noch unter dem früheren Bürgermeister Simon Blümcke eingeführten neuen Logo angepasst: Die Ortseingangstafeln und der Internetauftritt sind 2018 soweit.

Öffentliches W-Lan, die Neugestaltung der Wilhelmshöhe, eine dorfweite LED-Beleuchtung, die Sanierung des Rosenwegs, die Umgestaltung des Friedhofs, die Anlage eines grünen Gräberfelds und ein Informationssystem für den Rat stehen auf der Agenda. Viel Arbeit für den Rat, die Mitarbeiter der Verwaltung und für Volker Frede. Doch eines steht für ihn ganz vorn: die Gesundheit. "Das reicht jetzt für den Rest meines Lebens", hatte er sich im September im Gemeinderat zurückgemeldet.

Schon leicht verrottet sind die Sitzbänke an der Wilhelmshöhe. Bänke und die Panoramatafel sollen 2018 ersetzt werden.
Schon leicht verrottet sind die Sitzbänke an der Wilhelmshöhe. Bänke und die Panoramatafel sollen 2018 ersetzt werden. | Bild: Uwe Petersen

Das Jahr 2017 im Rückblick

  • 13. Januar: Der Winzertrunk eröffnet das offizielle Jahr 2017 in Hagnau
  • 23. Februar: Bürgermeister Volker Frede wird für sechs Tage von den Narren seines Amtes enthoben
  • 10. März: Abend für das Ehrenamt mit Kabarettist Uli Böttcher
  • 21. März: Der Gemeinderat beschließt die saisonale Verkehrsberuhigung für die Seestraße und Zubringer
  • 6. April: Klassik für Kinder, Thema Mozart, wird von Kindern mitgestaltet
  • 8./9. April: Zum 30. Mal eröffnet das Knöpfle-Treffen die Saison
  • 14. Mai bis 22. Oktober: Die Ausstellung „Bemerkenswerte“ wird im Museum gezeigt; dabei wird auch die neue Multimedia-Anlage des Museums zum ersten Mal eingesetzt.
  • 21. Mai: Das Obst- und Weinwanderwegs-Fest zieht wieder viele tausend Besucher an
  • 23. Mai: Erste Gemeinderatssitzung unter Leitung von Hedi Meichle als Stellvertreterin des erkrankten Bürgermeisters Volker Frede
  • 24. Juni: Der zweite Hagnauer Seelauf findet ohne Bürgermeister Volker Frede statt. Zum ersten Mal ist der Seelauf Teil eines Lauf-Cups.
  • 14. bis 16. Juli: Sommerfest des RSV auf dem Rathausplatz
  • 27. Juli: Konzert der Musikkapelle auf dem Löwenplatz
  • 5./6. August: Hagnauer Weinfest der Musikkapelle am Torkel
  • 19. September: Nach fünf Monaten Pause wegen Krankheit leitet Bürgermeister Volker Frede zum ersten Mal wieder eine Gemeinderatssitzung
  • 19. September: Der Gemeinderat legt die umstrittene Echt-Bodensee-Card vorerst auf Eis
  • 24. September: Bei der Bundestagswahl glänzt Hagnau mit einer Wahlbeteiligung von 86,6 Prozent; die Anzahl der Briefwähler steigt auf 311, das sind 33,4 Prozent
  • September: Das Schwalbenhaus an der Westgrenze Hagnaus ist das erste Projekt der neuen Gemeindeinitiative „natürlich Hagnau“
  • 16. Oktober: Bürgerabend zum Thema Verkehrsberuhigung Seestraße im Rathaus
  • 1. bis 4. November: Zum zehnten Mal füllt die Hagnauer Klassik die Zuschauerreihen
  • 13. November: Der Winzerverein gewinnt zum 15. Mal in Folge den Ehrenpreis des Badischen Weinbauverbands für den Bereich Bodensee
  • 18. November: Dorfwanderung mit rund 100 Teilnehmern bleibt diesmal im Dorf
  • 3. Dezember: Adventsmarkt auf dem Löwenplatz
  • 17. Dezember: Für das Adventskonzert der Musikkapelle gibt es eine Sondererlaubnis zur Nutzung der Empore
  • 31. Dezember: Silvesterkonzert 2017: Ausverkauft

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