Friedrichshafen ZF: Erste Reaktionen auf Sommers Rücktritt

Nach dem Ende des Machtkampfes sind die Reaktionen auf Stefan Sommers Abgang in der Zeppelinstadt gemischt.

Nun ging alles ganz schnell. Um 18.38 Uhr am Donnerstagabend platzte die Nachricht herein, dass Stefan Sommer, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG, sein Amt niederlegt. "Der Aufsichtsratsvorsitzende der ZF Friedrichshafen AG, Franz-Josef Paefgen, und der Vorstandsvorsitzende Stefan Sommer sind übereingekommen, die Zusammenarbeit zu beenden. Sommer legt mit sofortiger Wirkung sein Amt nieder", heißt es in der nüchternen Presseerklärung der ZF-AG. Bis zur Berufung eines Nachfolgers für Sommer übernehme sein Stellvertreter, Finanzvorstand Konstantin Sauer interimsweise auch die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden.

Damit ist ein Machtkampf entschieden, der seit dem Sommer zwischen ihm und den beiden Hauptgesellschaftern der ZF – der Zeppelin-Stiftung und der Ulderup-Stiftung – schwelte. In einem Interview hatte sich Stefan Sommer im Juni öffentlich darüber beschwert, dass die beiden Inhaber der ZF-AG das Unternehmen "in seiner Entwicklung einschränken könnten", wie es der ZF-Chef damals ausdrückte. "In dem Moment, in dem zum Beispiel lokalpolitische Erwägungen aus Friedrichshafen die Unternehmensstrategie bestimmen, wird es kritisch", sagte Stefan Sommer damals deutlich.

Der Hintergrund: Zwei Mal scheiterten Versuche des ZF-Managements, sich für geschätzt sechs Milliarden Euro beim belgischen Bremsenspezialisten Wabco einzukaufen, weil der Aufsichtsrat blockierte. Und erst vor einigen Wochen entschied Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand, der oberste Herr der Zeppelin-Stiftung, dass die ZF künftig 18 Prozent Dividende an die Stiftung auszuschütten habe.

Auf die Frage, ob er sich mit ZF-Vorstandschef Stefan Sommer einen Machtkampf liefere, antwortete der OB Andreas Breand damals kühl: "Ich lasse mich allein von der Frage leiten, wie ich die Aufgaben der Zeppelin-Stiftung dauerhaft sichern kann. Und von nichts anderem."

Danach nahm erst Sommer-Unterstützer Giorgio Behr seinen Hut als Aufsichtsratsvorsitzender, nun auch Stefan Sommer selbst. "Noch vor kurzem habe ich Ihnen versichert, dass ich gerne mit Ihnen zusammen die Zukunft von ZF gestalten möchte... Umso schwerer fällt es mir, mich heute von Ihnen zu verabschieden. Die Entscheidung, das Unternehmen zu verlassen, ist mir nicht leicht gefallen", schrieb Stefan Sommer an die ZF-Mitarbeiter in einer internen Mail am Donnerstagabend.

Erste Reaktionen der ZF-Mitarbeiter zeigen, wie schädlich der wochenlange Machtkampf war. "Ich bin froh, dass das Gerangel endlich vorüber ist", sagt ein Ingenieur aus der Forschungsabteilung. "Ich bin mir aber nicht sicher, ob Stefan Sommer wirklich der Richtige war. Denn er hatte einen Weltkonzern im Kopf, in Friedrichshafen ticken die Uhren aber offenbar anders", führt er fort.

Er hoffe allerdings, dass der Kurs, den Sommer eingeschlagen habe, auch in Zukunft beibehalten werde. Auch im Intranet des Unternehmens wird über die Personalie heftig diskutiert. Ein anderer ZF-Mitarbeiter bestätigt, dass viele mit dem Rücktritt gerechnet hatten. "Stefan Sommer hat offenbar seine Grenzen nicht gekannt", sagt dieser.

Oberbürgermeister Andreas Brand äußerte sich kurz nach Bekanntwerden des Rücktritts: „Sowohl der Zeppelin-Stiftung wie auch der Ulderup-Stiftung ist es wichtig, dass sich die ZF Friedrichshafen AG wieder so schnell wie möglich auf die Herausforderungen der Zukunft konzentrieren kann: Globalisierung, Digitalisierung, autonomes Fahren und Elektromobilität – kurz: die Umsetzung der Strategie 2025." Enzo Savarino, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben, sagte in einer ersten Stellungnahme, dass er sich sicher sei, dass Finanzvorstand Konstantin Sauer das Unternehmen sicher führen werde, bis die Sommer-Nachfolge geregelt sei.

Seitens der Häfler CDU meldete sich auch Fraktionschef Achim Brotzer: „Wenn unterschiedliche Auffassungen über die Medien ausgetragen werden, dann kostet das Vertrauen und beeinträchtigt die Zusammenarbeit. Die Vereinbarung des Aufsichtsrats mit Stefan Sommer zum Zweck einer einvernehmlichen Trennung ist konsequent und sein freiwilliges Ausscheiden im allseitigen Interesse. Wir sind überzeugt, dass ZF den erfolgreichen Kurs mit einem hervorragend aufgestellten Management fortsetzen wird.“

Friedrichshafens ehemaliger Oberbürgermeister Josef Büchelmeier kommentierte den Rückzug Sommers so: "Mir fehlen die Worte." Eine Aussage, die wohl viele ZF-Mitarbeiter unterschreiben würden.

 

Stefan Sommer studierte Maschinenbau an der Ruhr-Universität Bochum und promovierte dort. 1994 begann er bei der ITT Automotive Group Europe GmbH, 1997 wechselte er zu Continental Automotive Systems. 2008 wechselte er zur ZF Sachs AG in Schweinfurt. Die ZF Friedrichshafen AG berief Sommer 2010 in den Konzernvorstand nach Friedrichshafen. Seit 1. Mai 2012 ist Sommer Vorsitzender des Vorstands der ZF Friedrichshafen AG. (mom)

 

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