Friedrichshafen Wer kauft die Zeppelin-Apotheke?

Wieder einmal droht mit dem Verkauf der Zeppelin-Apotheke in der Eugenstraße 75 einem nicht denkmalgeschützten alten Gebäude der Abriss. Jetzt prüft die Stadt Friedrichshafen den Erwerb des Hauses. Das Landesdenkmalamt lehnte erneute Überprüfung ab.

Laut einer Annonce will das Apothekerpaar Heh mindestens 1,5 Millionen Euro für den sanierungsbedürftigen Altbau. Auch die Stadtverwaltung hat das Gebäude, das in unmittelbarer Nähe zum Technischen Rathaus liegt, längst im Blick. "Wir haben bereits vor zwei Wochen versucht, Kontakt zu den Besitzern aufzunehmen", erklärt Baubürgermeister Stefan Köhler im SÜDKURIER-Gespräch am Dienstag, "erst heute früh hat es dann endlich geklappt." Ein "zeitnaher" Gesprächstermin mit den Eigentümern sei bereits angesetzt. "Wir wollen ausloten, ob seitens der Eigentümer eine Veräußerung an die Stadt überhaupt in Betracht käme", erläutert Köhler, "wir können uns als Stadt aber nicht in den spekulativen Bereich begeben." Das Landesdenkmalamt habe die Bitte um eine erneute Überprüfung des Gebäudes aus dem Jahr 1903 abgelehnt.

Klar ist: Gegenüber finanzstarken Investoren und Bauträgern ist die Stadt chancenlos, denn unter der Hand werden bereits viel höhere Summen für das Gebäude gehandelt. Ein Vorkaufsrecht gibt es in diesem Fall auch nicht. "Wir schlagen den Eigentümern eine Bestimmung des Verkehrswerts vor", erklärt Köhler. Der wiederum kann von einem unabhängigen Gutachterausschuss ermittelt werden. Voraussetzung: Der Eigentümer muss zustimmen. "Grundsätzlich sind wir natürlich nicht befugt, einen möglichen Kauf eigenmächtig zu entscheiden", erklärt der Baubürgermeister, "dafür brauchen wir einen Gemeinderatsbeschluss."

Und ob es zu dem kommt, dürfte spannend werden. Die Grünen-Fraktion forderte bereits am Montagmorgen in einer Medienmitteilung, die Stadt müsse dieses "stadtbildprägende und erhaltenswerte Gebäude" kaufen. Die SPD-Fraktion stellte, unterstützt von der ÖDP/parteilos-Fraktion, am Montagabend eine schriftliche Anfrage an die Verwaltung, in der sie darum bat, Kontakt mit dem Gebäudebesitzer aufzunehmen, die notwendingen Grundlagen zu erheben und Einflussmöglichkeiten zu prüfen. Aus Sicht der SPD-Fraktion sei es eine mögliche Option, dass die Stadt das Eckhaus kaufe, erklärte Dieter Stauber gegenüber dem SÜDKURIER. "Bevor wir jedoch den Kauf der Immobilie fordern, möchten wir erst alle Fakten kennen", so Stauber. Die SPD-Fraktion sei an einer grundsätzlichen Lösung für alle erhaltenswerten Gebäude in Friedrichshafen interessiert und wolle nicht bei jeder hochpoppenden Diskussion erneut bei Null anfangen. "Die Fraktionsgemeinschaft ÖDP/parteilos unterstützt den Vorstoss, dass die Stadt (oder die Tochter SWG) das Gebäude erwirbt, um danach eventuell eine eigene Nutzung anzustreben", sagt auch Silvia Hiß-Petrowitz (ÖDP). Es sei zwar nicht generell Aufgabe der Stadt, alte Bestände aufzukaufen, dennoch sehe die Fraktionsgemeinschaft "aufgrund der nur noch wenig vorhandenen Bauten durchaus Pozential dies zu tun".

Kritische Stimmen kommen hingegen aus der CDU-Fraktion. "Natürlich haben wir Verständnis für das Anliegen, diese Gebäude vor dem Abriss zu bewahren. Wir wissen aber auch, die öffentliche Hand an den Grundsatz der Gleichbehandlung gebunden ist, die finanziellen Mittel von Stadt und Stiftung verantwortungsvoll eingesetzt werden müssen", sagt Fraktionsvorsitzender Achim Brotzer gegenüber dem SÜDKURIER. Klar sei auch, dass auch die Stadt keinen rechtlichen Zwang auf die Eigentümer ausüben dürfe, wenn kein Denkmalschutz greift. Die Möglichkeiten, den Eigentümern etwas vorzuschreiben, sei beschränkt. Das Thema "Städtische Möglichkeiten und Grenzen im Bemühen um den Erhalt stadthistorisch bedeutsamer Gebäude" sei jedoch noch nicht abschließend intern beraten worden und stehe auf der Tagesordnung der Fraktionsklausur am 20./21. Oktober. Auch bei den Freien Wählern ist die Position zu einem möglichen städtischen Ankauf der Zeppelin-Apotheke noch offen. "Wir hatten noch keine Möglichkeit dieses Thema innerhalb der Fraktion zu diskutieren", lässt Eberhard Ortlieb wissen. Eine Antwort der FDP blieb bis Dienstagabend ebenfalls aus.

"Netzwerk" will Apotheke auch

Auch Philipp Fuhrmann, einstiger Gegenkandidat bei der Oberbürgermeister-Wahl im März, und Gründer der Initiative "Netzwerk für Friedrichshafen", will einen Abriss der Zeppelin-Apotheke mit allen Mitteln verhindern. "Wir möchten das Gebäude kaufen und darin endlich ein Stadtlabor, also eine Art Bürgercafé zur Innenstadtentwicklung, errichten", sagte er am Dienstag gegenüber dem SÜDKURIER. Dass ausgerechnet das "Netzwerk" großes Interesse bekundet, kommt nicht von ungefähr. Schließlich war der Erhalt alter Häfler Baukultur eines der wichtigsten Themen von Fuhrmann im OB-Wahlkampf. "Wir wollen bei der Zeppelin-Apotheke auf alle Fälle einen intransparenten Deal vermeiden", erklärt Fuhrmann. Seine Idee: Das "Netzwerk" bezahlt den Verkehrswert für das Gebäude, den Rest stockt die Stadt auf. "Hier muss die Stadt einen Präzedenzfall schaffen", sagt Fuhrmann, "und den Druck aus dem Markt nehmen." Baubürgermeister Stefan Köhler sind diese Pläne bisher allerdings nicht bekannt.

Welche Möglichkeiten eine Kommune hat, alte Gebäude zu erhalten

In Friedrichshafen gibt es noch etliche Häuser aus der Jahrhundertwende, die (bisher) nicht unter Denkmalschutz stehen – und somit jederzeit Opfer einer Abrissbirne werden können. Doch die Möglichkeiten einer Stadt, das zu verhindern, sind eher begrenzt.

  • Denkmalschutz: Im Moment stehen 157 Gebäude und Bauten in Friedrichshafen auf der Liste des Landesdenkmalamts, darunter einige "Verdachtsfälle", die noch nicht abschließend überprüft sind. "Die Stadt ist bereits auf das Landesamt für Denkmalpflege zugegangen mit der Bitte, einzelne Gebäude im Bereich der Sanierungsgebiete, die bisher noch nicht überprüft wurden, fachlich zu bewerten und zu beurteilen", erklärt die Stadtverwaltung auf Anfrage. Ist ein Gebäude denkmalgeschützt, ist ein Abriss zwar grundsätzlich immer noch möglich, aber deutlich erschwert.
  • Sanierungsgebiet: Eine Kommune kann per Satzung ein Sanierungsgebiet ausweisen, in dem räumlich begrenzt eine städtebauliche Sanierungsmaßnahme gemacht wird. In Friedrichshafen gibt es beispielsweise das Sanierungsgebiet "Friedrichstraße", in dem Schwächen behoben werden sollen – und das insgesamt aufgewertet werden soll. Dafür gibt es Fördermittel, die beispielsweise auch als Unterstützung für den Erhalt stadtbildprägender Altbauten verwendet werden können. Die Zeppelin-Apotheke liegt allerdings in keinem Sanierungsgebiet.
  • Veränderungssperren: Ein drastisches Mittel, um Abrisse zu verhindern, sind Veränderungssperren. Die wiederum können aber nur dann auferlegt werden, wenn die Stadt einen Bebauungsplan erstellt. Im Bereich der Zeppelin-Apotheke in der Nordstadt existiert derzeit keine Bebauungsplan, dort wird nach Paragraf 34, dem Gebot der Umgebungsbebauung, entschieden. Ein mögliches Bebauungsplan-Verfahren müsste vom Gemeinderat initiiert werden. Aufsehen erregte hier in der Vergangenheit beispielsweise ein Bauprojekt von Holl-Wohnbau an der Werastraße/Olgastraße. Der Gemeinderat hatte hier eine Veränderungssperre verhängt, um das Bauprojekt zu verhindern. Letztlich scheiterte der Versuch, hier einen Bebauungsplan zu erstellen, aber nach über drei Jahren – und Holl-Wohnbau konnte verzögert doch bauen.
  • Städtische Fonds: Etliche Kommunen haben bereits eigene Fonds für die Innenstadtentwicklung, die als Art Beratungs- und Finanzierungsinstrument fungieren und mit finanziellen Anreizen der öffentlichen Hand privates Kapital mobilisieren wollen. So gibt es beispielsweise in Bad Dürkheim einen "Stadtbildpflegefonds", ein kommunales Programm zum Erhalt und zur Pflege der alten Bausubstanz. (sab)

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