Friedrichshafen Wenn Hunde Rehe töten: Jäger richten Appell an Hundebesitzer

Mindestens sieben Rehe sind vergangenes Jahr im Raum Schnetzenhausen und Kluftern von Hunden getötet worden, sagen die Pächterobmänner der Jäger, Bernd Scheffer und Georg Müller. Sie fordern die Hundebesitzer auf, ihre Tiere an der Leine auszuführen. Vor allem umzäunte Obstanlagen können, so die Jäger, zur Falle für Wildtiere werden, wenn sie dort von Hunden gejagt werden.

"Der Druck auf den Wald nimmt zu", sagt Bernd Scheffer, Pächterobmann der Jagdgesellschaft Schnetzenhausen. Eines der Probleme seien freilaufende Hunde. Im vergangenen Jahr seien im Gebiet der Jagdgesellschaft Schnetzenhausen vier von Hunden gerissene Rehe gefunden worden, in Kluftern waren es drei, wie Georg Müller von der Jagdgesellschaft Kluftern ergänzt. Die Dunkelziffer sei vermutlich noch einmal so hoch.

Viele Besitzer ignorieren Leinenpflicht

Per Verordnung sind Hunde an der Leine zu führen, bloß viele Hundebesitzer hielten sich nicht daran. Auch gebe es verschiedene Betretungsverbote aus naturschutz- oder privatrechtlichen Gründen, die oft nicht beachtet würden. Sie appellieren an die Hundebesitzer, sich an die Regeln zu halten.

Zäune werden zu Fallen

Das besondere Problem in dieser Region sei die relativ dichte Besiedlung und der intensive Obstanbau, berichten die beiden Jäger. Die meisten Obstbauern hätten ihre Anlagen inzwischen mit Zäunen geschützt, um dem oft heruntergespielten "Mundraub" vorzubeugen. Der ist in solchen Anlagen schlichtweg Diebstahl.

Wild sucht Ruhe in Obstanlagen

Das Wild wiederum suche diese Anlagen auf, um Ruheplätze zu haben, weil es in Wald und Flur durch Verkehr, Fußgänger, Wanderer oder Radfahrer gestört werde. "Von landwirtschaftlichen Arbeiten sind die Rehe relativ unbeeindruckt", so Scheffer.

Zu einer Falle würden diese Anlagen für die Rehe allerdings, wenn Hundebesitzer dort ihre Tiere frei hineinlaufen ließen und diese im Jagdtrieb anfingen, die Rehe zu hetzen, insbesondere wenn die Geißen zwischen Ende April und Mitte Mai hochträchtig seien und deshalb langsam.

Rehe geraten in Panik

"Die Rehe sehen relativ schlecht und in ihrer Panik rennen sie in die Zäune", erläutert Scheffer. Für die Hunde sei es dann kein Problem mehr, sich in die Rehe zu verbeißen und sie schwer zu verletzten. Mit sichtlicher Abscheu erinnert er sich an einen Fall, wo er zu einem verletzten Kitz gerufen worden sei, dem ein Hund einen Lauf abgebissen hatte.

Tiere verenden oft qualvoll

Hunde, so Scheffer, würden ihre Beute nicht mit einem Biss töten und teilweise lebend anfressen. "Der Hund ist nicht der Schuldige, sondern der Führer", so Scheffers Meindung. Tiere, die Hundeangriffen zum Opfer fielen, würden enorm leiden, bevor sie verendeten oder getötet werden, stellen Müller und Scheffer fest.

Jäger dürfen Hunde nicht erschießen

Als Jäger würden sie sich auch als Natur- und Tierschützer sehen. "Es ist uns vom Gesetz verboten, Hunde zu schießen", so Scheffer. Aus seiner Sicht sei aber der gerne postulierte Tierschutz hier einseitig. Es gebe auch Hundebesitzer, die sich nach einem Vorfall melden. Diese seien meist völlig bedient vom Anblick eines gerissenen Rehs. Finanziell sei der Schaden nicht immens, erläutern Müller und Scheffer fest. Zwischen 100 bis 150 Euro koste ein wildes Reh, je nach Gewicht. "Rehe sind Kulturfolger und keine geschützte Art", so Müller.

32 Abschüsse in Kluftern, 43 in Schnetzenhausen

Abschüsse durch die Jäger werden nach Absprache mit der Forst- und Landwirtschaft durchgeführt, wenn die Größe der Population zu Schäden führt. In Kluftern wurden im vergangenen Jagdjahr (März 2017 bis März 2018) 32 Rehe geschossen bzw. verendet gefunden, im Bereich der Jagdgesellschaft Schnetzenhausen 43.

So sind die Jäger in der Region organisiert

Jagdgesellschaft Kluftern: Pächterobmann und Mitpächter ist Georg Müller. Insgesamt gibt es drei Pächter. Sie sind berechtigt, die Jagd auszuüben, ebenso wie drei Begehscheininhaber. Die Fläche, auf der die Jagd ausgeübt werden darf, beträgt 509 Hektar. Kluftern gehört zum Hegering Markdorf, der wiederum zur Jägervereinigung Badische Jäger Überlingen gehört.

Jagdgesellschaft Schnetzenhausen: Pächterobmann und einer von drei Pächtern ist Bernd Scheffer. In der Gesellschaft sind drei Jagdpächter und fünf Begehscheininhaber. Die bejagbare Fläche beträgt 800 Hektar. Da hier noch Grenzen vor den Eingemeindungen nach Friedrichshafen gelten, umfasst das Gebiet neben Schnetzenhausen auch Fischbach, Spaltenstein, Heiseloch, Waggershausen, Jettenhausen und Allmannsweiler. Das Gebiet gehört zum Hegering I der Jägervereinigung Tettnang.

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