Friedrichshafen Warnstreiks in mehreren Friedrichshafener Betrieben

Die IG Metall hat am Dienstag unter anderem bei ZF in Friedrichshafen zum Warnstreik aufgerufen. Bei Kundgebungen in den Werken 1 und 2 versammelten sich nach Gewerkschaftsangaben rund 1500 Mitarbeiter der Früh- und Normalschicht.

"Die Auftragsbücher sind voll wie nie." Betriebsrat Roberto Salerno geht davon aus, dass ZF bei der nächsten Bilanz-Pressekonferenz von einem Rekordgewinn berichten wird. "Und das in 2017, als man uns die Tariferhöhung mit den übertariflichen Leistungen der ZF verrechnet hat." Jetzt, so forderte Salerno gestern bei einer Kundgebung vor den Toren des ZF-Werks 1, sei es Zeit, dass Leistung Anerkennung findet. "Die Vorstände, die Stadt: Alle machen sich die Taschen voll von dem, was wir tagtäglich erarbeiten", sagte Salerno unter dem Beifall seiner Kollegen und mit Verweis auf steigende Lebenshaltungskosten. Jetzt sei es Zeit, dass mehr in den Taschen von Arbeitnehmern und Auszubildenden sowie deren Familien landet.

Nachdem zum Jahreswechsel die Friedenspflicht ohne ein Ergebnis in der laufenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie ausgelaufen war, rief die Industriegewerkschaft Metall (IGM) am Dienstag auch in Friedrichshafen zu Warnstreiks auf. Rund 1500 ZF-Mitarbeiter der Früh- und Normalschicht versammelten sich Gewerkschaftsangaben zufolge etwa bei den Kundgebungen, die am Vormittag zeitgleich in den Werken 1 und 2 stattfanden. Die Spätschicht war ab 19 Uhr dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. Wie die IGM am Nachmittag berichtete, folgten auch Beschäftigte von Liebherr, MWS und ZMB Braun dem Aufruf am Dienstag. Neben einer Lohnerhöhung um sechs Prozent fordert die IGM für Arbeitnehmer das Recht, ihre Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre auf 28 Stunden wöchentlich zu reduzieren. Ein Entgeltzuschuss soll das für Eltern, pflegende Angehörige und Schichtarbeitern auch finanzierbar machen. 

"Arbeitszeitmodelle, die man sich leisten kann und die zu unserem Leben passen", erklärte Helene Sommer, Zweite Bevollmächtigte der IGM Friedrichshafen-Oberschwaben vor dem ZF-Werk 1. Arbeitszeiten, die womöglich nicht immer ausschließlich zur Auftragslage passen. "Es läuft", sagte Helene Sommer. Das müsse in diesem Jahr selbst die Arbeitgeberseite zugeben. Ergänzt werde es dabei allerdings durch ein "noch". Man wisse ja nicht, wie es weitergeht und welche Investitionen der Wandel der Industrie noch erforderlich mache.

„Warnstreiks und Arbeitsniederlegungen gefährden die Wirtschaftskraft der deutschen Automobilindustrie", teilte ein ZF-Sprecher auf SÜDKURIER-Anfrage mit. Diese Industrie erlebe gerade ihren größten Umbruch und investiere massiv in Zukunftstechnologien. Zugleich sei der Wandel der Arbeitswelt durch die Digitalisierung zu bewältigen. "Es ist nicht zielführend, jetzt Druck auf Verhandlungen zu machen, die noch gar nicht richtig begonnen haben", so der Sprecher weiter. Solche Aktionen würden am Ende alle in der Automobilindustrie schädigen: Zulieferer, Hersteller, Verbraucher und auch die Mitarbeiter.

Eine weitere Warnstreik-Aktion der IGM in einem Unternehmen in Friedrichshafen kündigte Helene Sommer bei der Kundgebung bereits an. Am morgigen Donnerstag beginnt die dritte Verhandlungsrunde. Dass es dabei zu einer Einigung kommt, bezweifelte Sommer gestern. "Und dann brauchen wir euch noch mal zu einer größeren Aktion", kündigte sie an. Deren Jubel nach zu urteilen, wären die ZF-ler aus dem Werk 1 wohl dabei.

 

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