Friedrichshafen Vortrag von Thomas Klie: Ohne Ehrenamt keine Zivilgesellschaft – und umgekehrt

In seinem Vortrag "Engagement und Demokratie als Lebensraum" spürt Thomas Klie den Voraussetzungen und Folgen ehrenamtlicher Tätigkeiten nach.

Wer sich für andere einsetzt, ist zufriedener, lebt gesünder und kann mit Tiefschlägen besser umgehen. Das zeigen Statistiken, die Professor Thomas Klie erhoben oder ausgewertet hat. Sie zeigen auch: Es engagieren sich vor allem Menschen, die viele Freunde, ein hohes Bildungsniveau und ein solides Einkommen haben. "Bürgerschaftliches Engagement ist ein Mittelstandsphänomen", sagt Klie. Er lehrt öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaft an der Evangelischen Hochschule Freiburg und hat am Engagementsbericht der Bundesregierung mitgearbeitet. Im Graf-Zeppelin-Haus referierte er über Voraussetzungen, Inhalte und Konsequenzen aus dem freiwilligen Dienst Einzelner für die Gemeinschaft.

"Für uns als Stadt ist bürgerliches Engagement schlichtweg unersetzlich, viele Aufgaben könnten wir sonst gar nicht wahrnehmen", sagt Bürgermeister Andreas Köster. Sport, Kultur, Behindertenhilfe, Naturschutz, Quartiermanagement und Flüchtlingsbetreuung sind nur einige Beispiele für Bereiche, denen Bürger ihre Freizeit widmen. "In Zeiten, in denen extreme Positionen ihren Weg in die Parlamente finden, ist es wichtig, dass Bürger zeigen, wofür sie stehen, nämlich für ein gutes Miteinander und eine gelingende Zivilgesellschaft", sagt Ignaz Wetzel, Sozialdezernent im Landratsamt.

Das Landratsamt Bodenseekreis und die Stadt Friedrichshafen haben Engagierte, Hauptamtliche und Interessierte zum Vortrag Engagement und Demokratie als Lebensraum von Thomas Klie ins GZH eingeladen.
Das Landratsamt Bodenseekreis und die Stadt Friedrichshafen haben Engagierte, Hauptamtliche und Interessierte zum Vortrag Engagement und Demokratie als Lebensraum von Thomas Klie ins GZH eingeladen. | Bild: Corinna Raupach

Gerade diese Zivilgesellschaft ist aber die Voraussetzung für freiwilligen Einsatz. "Dort, wo in einer Gesellschaft das Gewaltmonopol festgelegt ist, es Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung und sozialen Ausgleich gibt, dort haben Sie ein hohes Engagement", sagt Klie. Wo Korruption oder Willkür herrscht, nimmt es signifikant ab. "Wenn wir uns für die Zukunftsfähigkeit dieser Gesellschaft stark machen wollen, muss uns viel daran liegen, diese Voraussetzungen zu erhalten."

Zahl der Vereine gestiegen

Klie sieht keine Abnahme beim Ehrenamt. Oft zeige es sich anders – informell oder projektbezogen. Aber auch die Zahl der Vereine ist in Deutschland zwischen 1990 und 2016 um die Hälfte gestiegen. "Wir müssen uns nicht sorgen um die Engagementbereitschaft, die ist sehr hoch. Aber wir müssen uns sorgen um die, die sich nicht engagieren", sagt er.

Gerade für Menschen in schwierigen sozialen Verhältnissen könnte aus freien Stücken übernommene Arbeit Auswege aufzeigen und den Aufbau von Netzwerken ermöglichen. Diese Menschen erreiche der Ansatz: "Aufgabe braucht Arbeiter" nicht. Ehrenamtlich tätig werden die, die ein gutes Leben verteidigen und anderen ermöglichen wollen – daran glaubten viele an den Rändern der Gesellschaft nicht mehr. "Da müssen Sie in die Sozialräume gehen, das ist nicht lustig, das ist Schürfarbeit", sagt Klie. Er plädiert auch dafür, Verantwortung und Teilhabe schon in Kindergarten und Schule einzuüben.

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