Friedrichshafen Viele Zuhörer bei Podiumsdiskussion zum Thema "Bezahlbarer Wohnraum"

Es wird überall gebaut – und trotzdem ist Wohnraum knapp. Vor allem sogenannter "bezahlbarer Wohnraum". Auch und gerade in Friedrichshafen, so wie in vielen anderen Städten ebenso. "Bezahlbarer Wohnraum: Brauchen wir eine Neuausrichtung der Wohnbaupolitik?" Dieser Frage widmete sich eine Podiumsdiskussion, zu dem die der SPD nahestehende Friedrich-Ebert-Stiftung ins Gemeindepsychiatrische Zentrum eingeladen hatte.

Mit Jaqueline Egger-Buck vom Vorstand der Fränkel AG, Paul Stampfer als Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshafen (SWG), dem Juso-Landesvorsitzenden und Bundestagskandidaten Leon Hahn und Stefan Zorell, Leiter der Wohnungslosenhilfe Friedrichshafen, war das Podium durchaus differenziert besetzt. Allzu kontrovers diskutiert wurde unter der Moderation von Christian Milankovic von der Stuttgarter Zeitung dennoch nicht. Die Meinungsunterschiede waren eher marginal. Allgemeines Lob gab es für die jüngste Wohnungsbauoffensive des Häfler Gemeinderats.

"Wer keine Wohnung hat, dem fehlt auch ein Stück Menschenwürde", sagt Stefan Zorell – und er weiß durch den täglichen Kontakt mit Wohnsitzlosen sicher, wovon er spricht. Seine Erfahrung sagt ihm aber auch, dass private Wohnungsbesitzer dem von ihm betreuten Klientel in der Regel keinen Wohnraum zur Verfügung stellen. Also sieht er die Stadt oder städtische Wohnungsbaugesellschaften in der Pflicht. Aktuellen Statistiken zufolge befänden sich aber 80 Prozent der theoretischen bebaubaren Fläche in privater Hand, so der Einwurf des Moderators. Nachvollziehbar, dass Leon Hahn – auch mit Blick auf den kommenden Bundestagswahlkampf – die politische Dimension der Problematik stärker in den Blick nimmt. Die "restriktive Vergabe von Bauflächen seitens des Landes" sei zu überdenken, so seine Forderung.

Stichwort Nachverdichtung: Jeder will sie – nur nicht vor der eigenen Haustür. "Heiliger St. Florian, verschon mein Haus, zünd andere an", so der dazu passende Kommentar von Stefan Zorell. "Wenn es attraktive Lagen mit Möglichkeiten zur Nachverdichtung gibt, dann sollten diese auch genutzt werden", befindet Paul Stampfer. Man müsse in diesem Fall den "Mut zum Geschosswohnungsbau" aufbringen, sagt er. Trotzdem: "Auch ohne Neubaugebiete werden wir die erforderliche Anzahl von neuen Wohnungen nicht erreichen können." Der Fränkel AG sei es gelungen, auf dem Geländes eines ehemaligen Drei-Familien-Hauses 28 neue Wohnungen zu bauen und diese "moderat" zu vermieten, wirft Jaqueline Egger-Buck ein.

Welche Quadratmeterpreise sind "bezahlbar"? Die insgesamt 1100 Wohnungen der SWG werden im Durschnitt mit 6,50 Euro vermietet, so die Information Paul Stampfers. Etwa die gleiche Anzahl von Wohnungen hält die Fränkel AG, die im Bestand für 7,50 Euro durchschnittlich vermietet werden. "Bei Neubauten ist das allerdings nicht unter 10,50 Euro möglich", betont Jaqueline Egger-Buck. Eine "Durchmischung" und die Vermeidung von "Wohn-Ghettos" steht für alle Diskussionsteilnehmer außer Frage. Und wie sieht es aus, wenn die Kinder groß geworden sind und vergleichsweise große Wohnungen mittlerweile nur noch von Einzelpersonen bewohnt werden? Ist die von der SWG angebotene "freiwillige Umsiedlung" die Lösung? Ober wird womöglich "falsch" gebaut, so die Wortmeldung eines "Zugezogenen".

"Wenn man sich ansieht, wie eng etwa in Wiggenhausen gebaut wird, dann ist klar, dass hier Probleme nicht ausbleiben werden", so seine eher düstere Prognose.

 

Bezahlbarer Wohnraum

Der in der aktuellen gesellschaftspolitischen Diskussion häufig verwendete Begriff "bezahlbarer Wohnraum" ist nicht allgemeingültig definiert. Häufig wird als Bezugsgrenze der Einkommensanteil verwendet, den ein Haushalt pro Monat für Miete ausgibt. Nach einer EU-Definition gilt ein Haushalt als finanziell überbelastet, wenn mehr als 40 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens für Miete und Mietnebenkosten aufgewendet werden müssen. Für das Wirtschaftsinstitut Empirica gilt eine Wohnung als "bezahlbar", wenn der Haushalt höchstens 30 Prozent seines Einkommens für die Kaltmiete zahlen muss. Andere Definitionsversuche gehen davon aus, dass ein Drittel des Haushaltseinkommens für die Warmmiete als Obergrenze gelten sollte. (ghw)

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