Friedrichshafen Verein betreibt solidarische Landwirtschaft in Raderach

Wie geht solidarische Landwirtschaft? Die Mitglieder eines Vereins investieren Geld und Arbeit in eine Bio-Gärtnerei. Der Verein hat einen Acker in Raderach gepachtet und eine Gärtnerin angestellt.

Sein Gemüse selbst biologisch im Garten anzubauen ist ohne Zweifel die beste Möglichkeit, zu wissen, was auf dem eigenen Teller landet. Direkt beim regionalen Erzeuger zu kaufen, scheint dem noch am nächsten zu kommen. Es gibt aber noch etwas dazwischen: solidarische Landwirtschaft, kurz „Solawi“. Die gibt es jetzt auch in der Region Friedrichshafen.

Bei Solawi geht es nicht darum, Gemüse zu kaufen, sondern in eine Bio-Gärtnerei Geld und Arbeit zu investieren und sich die Kosten und Risiken und natürlich auch die Erträge des Betriebs zu teilen. Zu diesem Zweck haben sich rund 50 Menschen aus der Region Friedrichshafen in einem gemeinnützigen Verein zusammengetan. Ihr gepachteter Acker liegt in Raderach, und nur wenige Meter davon entfernt, im Dorfgemeinschaftshaus, fand die erste Versammlung des Vereins statt. Dabei stellte auch Gärtnerin Katrin Fieberitz sich selbst und die Pläne fürs erste Anbaujahr vor. In zwei Bieterrunden kam anschließend auch das nötige Geld für die Anfangsinvestitionen und den laufenden Betrieb 2016 zusammen.

Odette Lassonczyk betonte bei der Begrüßung der nahezu vollständig erschienenen Mitglieder auch die über die Produktion von Lebensmitteln hinausgehende Dimension des Projekts: „Wir können etwas tun, um eine andere Welt zu schaffen.“ Durch Mitarbeit und Gemeinschaft im Verein soll wieder ein direkter Bezug zu Lebensmitteln und den Menschen, die sie produzieren, hergestellt werden. „Wir alle sind das Unternehmen, die Bauern“, fasste Markus Hener zusammen. Zur Unternehmensphilosophie gehört auch, die Gärtnerin angemessen zu bezahlen. Für 30 Stunden pro Woche hat der Verein die erfahrene Bio-Gärtnerin Katrin Fieberitz angestellt. Sie wird den Anbau managen, also nicht nur auf dem Feld, sondern auch im Büro arbeiten. Die Pflanzpläne für 2016 hat sie gemacht und Setzlinge bestellt. Dabei legte sie Wert auf Vielfalt samenechter Gemüsearten und Kräuter. Auch einige alte Gemüsesorten und vielen noch unbekannte wie Melde oder Schwarzkohl sind dabei. 80 Stunden Arbeit pro Woche werden im Schnitt anfallen, schätzt der Verein. „Mitte April bis Ende Mai ist am meisten auf dem Acker zu machen“, erklärt die Gärtnerin, „da entscheidet sich, was wir später ernten werden.“ Es sollte gut zu schaffen sein, wenn jedes Mitglied im Schnitt eine Stunde pro Woche mithilft, rechnet Markus Hener vor.

Für den Anfang sind einige Investitionen nötig, die größte davon wird ein Foliengewächshaus sein. Die veranschlagte Summe und sogar noch etwas mehr kam über Darlehenszusagen und Spenden in der ersten Bieterrunde zusammen. In der zweiten Bieterrunde ging es um den Preis für die Gemüseanteile. Um die wöchentlichen Kosten zu decken, musste ein Durchschnittspreis von 15,30 Euro erzielt werden. Das gelang im zweiten Durchgang.

Die Stadt Friedrichshafen hat für den Kindergarten Raderach auch ein paar Anteile gezeichnet. Im Gegenzug gibt es vom Verein nicht nur Gemüse vom nur wenige Meter gelegenen Acker: Die Kinder können auch hautnah viel über den Anbau und die vielen Arten lernen.

Informationen im Internet:

www.solawi-bodensee.de


Der Verein Solawi

Solawi hat derzeit 50 Mitglieder. Der Vorstand besteht aus Odette Lassonczyk, Sylvia Schoch und Markus Hener. Ein Gemüseanteil kostet durchschnittlich 15,30 Euro pro Woche und ist für einen Erwachsenen bemessen. Er ist nur in den Monaten zu zahlen, in denen Gemüse geliefert werden kann. Für 2016 wird mit 32 Wochen gerechnet. Auf der gepachteten Anbaufläche von einem Hektar können nach Berechnungen des Vereins 80 Anteile produziert werden. Derzeit gibt es Vereinbarungen für 59 Anteile, weitere 20 sind ab Mai reserviert. Eine Erweiterung der Anbaufläche ist ab 2017 möglich. Beim Eintritt in den Verein wird erwartet, dass Neumitglieder dem Verein für Investitionen ein zinsfreies Darlehen in Höhe von mindestens 100 Euro gewähren. Das Darlehen möchte der Verein im Lauf von vier bis fünf Jahren zurückzahlen.

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