Friedrichshafen Stadtwerk setzt auf E-Mobilität als Geschäftsmodell

Der Energieversorger will dazu beitragen, dass die Bodenseeregion zur e-mobilen Vorzeigeregion wird. "Die Ladesäulendichte unserer Region ist mittlerweile vergleichbar mit einer Großstadt", erklärt Stadtwerk-Geschäftsführer Alexander-Florian Bürkle.

Lautlos rollt der kleine, grüne Flitzer durch den Häfler Stadtverkehr. Nichts lärmt, nichts stinkt. Wer einmal in einem Elektroauto, wie dem BMW i3, entspannt beschleunigt hat, weiß, wie viel Spaß Elektromobilität machen kann. Doch auch die Nachteile der sauberen Autos sind weitgehend bekannt: ein hoher Neuwagenpreis, wenig Reichweite – und zu wenig Ladesäulen. Zumindest das letzte Argument lässt Alexander-Florian Bürkle, Geschäftsführer vom Stadtwerk am See, nicht gelten. "Die Ladesäulendichte unserer Region ist vergleichbar mit einer Großstadt", sagte er beim Pressegespräch am Dienstag. Für Bürkle steht fest: Die Bodenseeregion wird zur e-mobilen Vorzeigeregion – und der Energieversorger sieht sich als einen wichtigen Teil davon.

Im Vordergrund steht dabei im Moment vor allem noch der Ausbau der Ladeinfrastruktur und der Betrieb der Säulen. Zehn Ladesäulen hat das Stadtwerk derzeit in seinen eigenen Häfler Parkhäusern installiert, hinzu kommen vier weitere in Überlingen – und der Betrieb von rund 60 Ladepunkten des landkreisweiten Pilotprojekts "Emma". Zudem baut das Stadtwerk im Auftrag von großen Unternehmen und in Kooperation mit örtlichen Handwerkern immer häufiger auch Ladesäulen auf Mitarbeiter- und Besucherparkplätze. In den vergangenen Monaten sind so 50 weitere Ladepunkte enstanden. "Für viele Firmen ist dieses Angebot mittlerweile zu einem Mittel der Mitarbeiterbindung geworden", sagt Bürkle, der für seine eigenen Mitarbeiter im Moment 70 E-Bike-Ladestationen bauen lässt. Den Strom gibt es kostenlos dazu.

Erst neulich habe das Stadtwerk den Kommunen angeboten, weitere Ladestationen auszubauen – allerdings nicht auf Kosten des Stadtwerks. "Das Investment ist Aufgabe der Kommunen und Firmen", sagt Bürkle, "die Ladesäule an sich ist im Moment noch kein Geschäftsmodell für uns." Die Gründe liegen auf der Hand: hohes Investment, hohe Betriebskosten, keine Gewinne. Derzeit gibt es zwei Geschäftsmodelle: Entweder der Kunde kauft die Säule beim Stadtwerk und rechnet über dasselbe ab – oder er schließt einen Contracting-Mietvertrag ab. Verdient wird also durch Verkauf, Vermietung, Vertrieb und Service. Immer wieder gebe es auch Aufträge von Privatkunden, die eine so genannte Wallbox bei sich zuhause in der Garage oder im Carport installieren wollen. Kostenfaktor: Rund 700 bis 800 Euro – je nach Installationsaufwand. "Die rechtlichen und politischen Hürden sind allerdings noch recht hoch", erklärt Vertriebschef Erik Dittrich. So müssten beispielsweise in einer Eigentümergemeinschaft alle zustimmen, damit der Kunde eine Wallbox installieren darf. Nicht ganz unproblematisch seien auch noch die Abrechnungsmodelle der E-Ladestationen. Stadtwerk-Kunden könnten derzeit bundesweit an rund 7500 Säulen tanken – allerdings gibt es eben noch viele weitere Säulen von Konkurrenten, die anderweitig abrechnen.

Im Hintergrund zum Ausbau der Infrastruktur arbeitet das Stadtwerk deshalb noch an vielen anderen Themen zur E-Mobilität. "Mit unseren Unternehmen Stadtwerk am See-Consulting und Service beraten wir andere Energieunternehmen", erklärt Bürkle, "außerdem entwickeln und testen wir spannende weitere Ansätze." Eine Vision sieht beispielsweise so aus: Der E-Fahrer lädt sein Auto zuhause über eine Wallbox, die an eine Solaranlage auf dem Dach angeschlossen ist – und nutzt es gleichzeitig als hauseigenen Stromspeicher für weitere Geräte wie die Waschmaschine usw. Das Ziel: Optimale Versorgung bei maximaler Effizienz. "Die Aufgabe des Stadtwerk ist es dann, die komplette Ladeinfrastruktur zu managen – zuhause und bei der Arbeit", sagt Bürkle. Sauber, leise und effektiv – so wie die kleinen Flitzer eben.

Hier können Elektroautos getankt werden

In zwei Parkhäusern und an zehn verschiedenen, öffentlichen Plätzen in Friedrichshafen können E-Autos derzeit geladen werden.

  • Parkhäuser: Im "Parkhaus am Stadtbahnhof" gibt es derzeit zwei Ladestationen, im "Parkhaus am See" finden sich acht weitere Säulen, im "Parkhaus Altstadt" werden nach der Sanierung 2019 weitere in Betrieb genommen. Die Kunden zahlen die Parkgebühr, im Moment ist der Strom kostenfrei.
  • Öffentliche Plätze: Ladesäulen des Pilotprojekts "Emma" finden sich am Ailinger Rathaus, am Flughafen, am Stadtbahnhof, am Hinteren Hafen, in der Charlottenstraße, am Landratsamt, am Fallenbrunnen, in Manzell, am Fischbacher Bahnhof und am Bahnhof Kluftern. An den "Emma"-Säulen können gleichzeitig bis zu zwei Elektrofahrzeuge sowohl über "Schuko" als auch Mennekes "Typ 2" Strom tanken. Eine landkreisweite Liste gibt es unter: www.emobil-im-sueden.de
  • Carsharing: Seit zwei Jahren gibt es in Friedrichshafen fünf E-Autos, die derzeit aber nur von Studierenden und Hochschulmitarbeitern genutzt werden dürfen. Das Stadtwerk plant eine Nutzung für jedermann. (sab)

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