Friedrichshafen Stadtorchester: Benefizkonzert im Wintermantel

In der Kirche St. Petrus Canisius hat das Stadtorchester Friedrichshafen besinnliche Musik zum Advent gespielt. Die Zuhörer waren aufgefordert, für den Kinderhospizdienst Amalie zu spenden.

Wegen der eisigen Kälte in St. Petrus Canisius betraten die Musiker des Stadtorchesters mit wärmenden Mänteln oder dicken Winterjacken den Altarraum. Trotz der widrigen Umstände schenkten die Mitwirkenden unter der Leitung von Musikdirektor Pietro Sarno den zahlreichen Zuhörern ein stimmungsvolles Programm.

Sehr gelungen war der Einstieg mit der Adventsfantasie "Mentis" von Thiemo Krass. Nach dem kammermusikalischen Beginn mit tiefem Holzsatz und anwachsen zum vollen Blasorchester bei "Maria durch ein' Dornwald ging" führten sonore Posaunen, Trompeten-Fanfaren und Röhrenglocken zum strahlenden "Macht hoch die Tür". Vom selben Komponisten, geschickt in der Mitte des Programms eingebaut, war das Auftragswerk "Crossbreed". In dem musikalischen Crossover, quasi ein Bilderbogen der Stadt Ellwangen, überzeugte das Stadtorchester mit perfekten stilistischen Unterschieden: stimmiger Choralsatz bei "Segne du Maria", schwungvoller Jazz-Waltz bei einem herbstlichen Spaziergang durch die Altstadt, fetzige Balkan-Brass-Klänge als Symbol für die Verschmelzung der Kulturen. Der voll tönende, sauber intonierte Schlussakkord stand für die Orgel in der St.-Vitus-Basilika.

Aus der Feder der in Amerika bekannten Komponistin, Arrangeurin und Dirigentin Joulie Giroux stammten drei Werke. In "First Noel" und "Away in a manger", treffend für Blasorchester arrangiert, traten selbstbewusste Solisten durch alle Register in den Vordergrund. Ein homogener Gesamtklang führte zu festlicher Grundstimmung. Köstlich die Verbindung des weihnachtlichen "Little Drummer Boy's" (Melodie im 4/4-Takt) mit Ravels "Bolero" (3/4-Takt) von der CD "Christmas gone crazy". Schön herausgearbeitet hatte Sarno, wie beim großen Vorbild Ravel, den organischen Aufbau zum Raum füllenden Orchesterklang und gab gute Hilfen für die Musiker bei den sich überschneidenden Melodieeinsätzen. In großem Bogen vom einleitenden, verhalten vorgestellten Hornsolo bis zum letzten verklingenden Trompetensolo erklang der Friedengruß "Dona nobis pacem". In der freien Fantasie von Thomas Doss wanderte der bekannte Kanon gekonnt durch alle Instrumentengruppen: mal solistisch, mal im Satz, mit oder ohne Gegenmelodie. Dazwischen ertönten zart ausgespielte Übergänge. Rund klingende Akkorde der abwechslungsreichen Harmonisierung mit unerwarteten Rückungen stützten perfekt die Kanon-Einsätze.

Schöne durchlaufende Achtel hörte man zur Melodie im "Sussex Mummers Christmas Carol" des englischen Altmeisters Percy Granger.

Seinen achtstimmigen Chorsatz "Lux Aurumque" (Licht und Gold) arrangierte Eric Whitacre kunstvoll auch für Sinfonisches Blasorchester. Die 48 Takte in cis-Moll nahm Sarno in ruhig fließendem Strom. Im ständigen An- und Abschwellen, gliedernden Pausen bekam die Musik durch das wundervolle "Molto Legato"-Spiel des Stadtorchesters eine suggestive, meditative Kraft. Immer wieder führten die melodisch weiten Linien durch neue Klangkombinationen zu feinstem Gewebe.

Etwas warm singen konnten sich die Zuhörer beim gemeinsamen "Tochter Zion", um nach reichhaltigem Applaus für den Kinderhospizdienst Amalie zu spenden.

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