Friedrichshafen Stadtbahnhof wird frühestens 2021 barrierefrei

Wer mit einem Kinderwagen, Rollator, Rollstuhl oder Rad am Häfler Stadtbahnhof ankommt, hat es im Moment schwer, denn die meisten Gleise sind nicht barrierefrei zugänglich. Das ändert sich frühestens 2021.

Dienstagnachmittag, 15.21 Uhr. Der Intercity aus Ulm fährt an Gleis 3 des Stadtbahnhofs ein. Pendler, Urlauber, Familien und Senioren steigen aus dem Zug. Darunter eine Mutter mit zwei Kindern, das jüngste noch im Kinderwagen. An der Treppe zur Unterführung steht schon Peter Weiser, Ehrenamtlicher bei der Bahnhofsmission. Er hilft der Frau, den schweren Wagen die Stufen hinunterzutragen. Für Barrierefreiheit sorgen im Moment vor allem die freiwilligen Helfer der Bahnhofsmission. Und das wird bis mindestens 2021 so bleiben.

Bereits 2009 haben die Deutsche Bahn gemeinsam mit Bund, Land und Kommunen, ein Modernisierungsprojekt für 43 Bahnhöfe in Baden-Württemberg und einem Investitionsvolumen von rund 170 Millionen Euro vereinbart. Darin enthalten: ein barrierefreier Stadtbahnhof in Friedrichshafen, finanziert von Bund/Bahn, Kommune und Land. Während noch 2014 für das Projekt rund 5 Millionen Euro angesetzt waren, sind es nun nach Angaben von Deutsche-Bahn-Projektleiter Volker Memmler rund 8,5 Millionen. Die Mehrkosten von 3,4 Millionen Euro tragen zum Großteil Bund und Bahn (1,9 Millionen Euro), zum anderen aber soll die Stadt Friedrichshafen eine Million mehr stemmen. Insgesamt wären das nun 2,7 Millionen Euro. Der Technische Ausschuss empfahl in seiner gestrigen Sitzung dem Gemeinderat, die Mehrkosten zu befürworten. Die Entscheidung fällt jedoch erst Ende Juli.

In der Ausschusssitzung äußerte Gerlinde Ajiboye Ames (FDP), die jahrelang selbst Rollstuhlfahrerin war, ihren Unmut über den langwierigen Modernisierungsprozess. "Es ist unwürdig, dass man in Friedrichshafen so in seiner Mobilität eingeschränkt ist", sagte sie, "ich kann nicht nachvollziehen, warum es so lange dauert, Aufzüge einzurichten." Geplant sind zwei neue Aufzüge in der Unterführung, die zu den bisher nicht barrierefreien Gleisen 2 und 3 und 4 und 5 führen. Zudem sollen alle Bahnsteige 55 Zentimeter über die Schienenoberkante gelegt werden, sodass Rollstühle, Kinderwägen, Fahrräder und Rollatoren problemlos in die Züge geschoben werden können. Hinzu kommen verlängerte Bahnsteigdächer als Wind-und Wetterschutz, neue Beleuchtung und Beläge. Zudem konnten sich Verwaltung und Deutsche Bahn nach langen "schwierigen Verhandlungen", wie Köhler sagte, auf eine Sanierung des dritten Aufzugs an Gleis 1 einigen – und zwar auf Kosten der Bahn. Er habe außerdem mündlich mit Michael Groh, Leiter des Regionalbereich Südwest, vereinbart, dass es eine "Kostendeckelung" gebe.

Zurück zum Stadtbahnhof, Gleis 1. Ein älterer Herr mit Rollator steht unten in der Unterführung, der Zug wartet bereits oben. Peter Weiser zeigt ihm den Aufzug. Der Herr winkt ab, denn sonst schafft er den Zug nicht. Dann schleppt er seinen Rollator selbst nach oben und steigt ein.

Die Bauzeit

Der Zeitplan der Deutschen Bahn sieht einen Baubeginn in 2019 vor. "Wir wollen die Vollsperrung der Elektrifizierung der Südbahn für unser Projekt in Friedrichshafen nutzen", sagte Projektleiter Volker Memmler. Eine Vollsperrung des Stadtbahnhofs ist nicht geplant, allerdings müssen die Gleise nacheinander gesperrt werden. Nachts sei zudem mit lautem Baulärm zu rechnen. Welche Auswirkungen die Baumaßnahmen auf die Fahrpläne haben, ist noch unklar.

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