Friedrichshafen Stadt und Polizei sehen keine erhöhte Gefahr für Bodensee-Weihnacht

Nach dem Anschlag in Berlin steht auch das Sicherheitskonzept des Häfler Weihnachtsmarkts auf dem Prüfstand. Der Markt bleibt bis morgen geöffnet, die Polizei kündigt verstärkte Präsenz an. Die Eingänge werden aber nicht mit Maschinenpistolen gesichert.

Kleine Schlangen an den Essensständen, an den Tischen trinken Gruppen ihren Glühwein, in den Marktgängen schlendern Besucher: Auf den ersten Blick geht der Betrieb am Dienstagmittag auf dem Häfler Weihnachtsmarkt am Tag nach dem Anschlag in Berlin ganz alltäglich weiter. Doch hinter den Kulissen sind Polizei, Ortspolizei und Stadtverwaltung im ständigem Austausch, beraten über erhöhte Polizeipräsenz, eine mögliche Sicherung der Ein- und Ausgänge. "Der Weihnachtsmarkt ist noch bis Mittwoch, 21. Dezember, wie bisher auch geöffnet", teilt die Stadtverwaltung mit.

"Nach Rücksprache mit der Polizei besteht keine erhöhte Gefahr für unseren Weihnachtsmarkt", sagt eine Stadtsprecherin auf SÜDKURIER-Anfrage. Dennoch werde die Präsenz der Polizei auf der Bodensee-Weihnacht verstärkt. "Die Reviere stimmen sich mit der Ortspolizei, also den Kommunen, eng ab", bestätigt Polizeisprecher Fritz Bezikofer. Vom Landesinnenministerium gibt es ein Schriftstück, das den örtlichen Polizeirevieren erlaubt "lage- und situationsbedingt" zu handeln. Darin ist unter anderem auch die Sicherung der Eingangsportale durch mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten beschrieben. Diese Notwendigkeit gebe es in Friedrichshafen derzeit nicht, lässt die Stadtverwaltung auf SÜDKURIER-Nachfrage wissen.

Bereits nach dem Terrorakt in Nizza hat es bei Großveranstaltungen in der Region, wie dem Seehasenfest in Friedrichshafen oder dem Rutenfest in Ravensburg, erhöhte Sicherheitsvorkehrungen gegeben. "Die Zugänge wurden beispielsweise mit baulichen Behinderungen wie Betonteilen gesichert", sagt Bezikofer. Das ist beim Häfler Weihnachtsmarkt nicht der Fall. Im November berichtete Hans-Jörg Schraitle, Leiter des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Umwelt, bei der Pressekonferenz zum Weihnachtsmarkt von einem "ausgefeilten Sicherheitskonzept". Darin seien verschiedene Szenarien beschrieben. Welche das genau sind, wollte Schraitle nicht sagen. "Wir bitten jedoch um Verständnis dafür, dass wir die Inhalte dieses Konzeptes nicht öffentlich machen können", heißt es in der Presseerklärung der Stadtverwaltung am Tag nach Berlin.

Leichte Angst schwingt mit

Doch wie fühlen sich die Besucher auf dem Buchhornplatz? Was machen die schrecklichen Bilder aus Berlin mit ihnen? Eine SÜDKURIER-Umfrage zeigt: Die meisten Häfler fühlen sich in ihrer Heimatstadt sicher. Nur Ander Unterthurner, Mitinhaber des Südtiroler-Spezialitäten-Standes, schränkt etwas ein. Er hat seinen Stand am Morgen nach dem Anschlag zwar mit einem Gefühl von Sicherheit geöffnet, sagt aber: "Warum sollte so etwas nicht hier passieren? Das sind psychisch orientierungslose Leute, die gibt es überall." Dessen sind sich auch die Besucher bewusst. Sie haben die Sorge vor Terrorattacken aber eher im Hinterkopf, wenn es um wirkliche Großveranstaltungen oder größere Städte geht: "Selbstverständlich hat man Angst, mehr noch um Angehörige als um sich selbst", sagt etwa Besucher Gerhard Miez, "aber dieses Gefühl hatte ich auch schon davor."

So richtig überrascht ist auch Jan Reichler nicht, aber er sagt resolut: "Man darf sich nicht ins Bockshorn jagen lassen, ich habe keine Angst: Es geht darum, trotzdem das Leben zu genießen." Erika Starz sieht das ähnlich, auch sie besucht ohne Einschränkungen Großveranstaltungen und das mit gutem Gefühl. Dennoch schockiert sie der Angriff: "Jetzt passiert so etwas schon in Berlin, es kommt näher", sagt sie und bleibt in diesen dunklen Tagen kurz vor Weihnachten doch beim Glaube an das Gute im Menschen.

Massiv aufgerüstete Sicherheitsmaßnahmen fordert indes niemand. "Man kann ja nicht hier in Friedrichshafen für einen Weihnachtsmarkt die ganze Polizei aufmarschieren lassen", sieht Reichler es als unmöglich an, flächendeckenden Schutz zu gewährleisten. Einig sind sich alle, dass der ungebremste und teils unkontrollierte Zustrom von Flüchtlingen im letzten Jahr die jetzigen Probleme mitverursacht hat. "Da hat man viel versäumt", sagt stellvertretend Starz, "ich fühle mich sicher, wenn Grenzen bewacht und kontrolliert werden."

Ähnlich äußern sich viele, ganz explizit auf den Zustrom Krimineller bezogen und ohne Flüchtlinge allgemein verurteilen zu wollen. "Wenn ein Terrorist ins Land kommen will, findet er aber sowieso einen Weg", ergänzt Miez dazu.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Mehr zum Thema
Anschlag in Berlin: Ein Sattelzug ist in einen beliebten Weihnachtsmarkt in Berlin gerast - es gab Tote und Verletzte. Alle Nachrichten und Hintergründe zum Anschlag in der deutschen Hauptstadt.
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Die besten Themen
Kommentare (2)
    Jetzt kommentieren