Friedrichshafen Solawi lädt zum Internationalen Gartencafé

Anlässlich des "Tags der Regionen" treffen sich Besucher und Vereinsmitglieder. Auch Geflüchtete werden in die Ackerbauprojekte integriert. Das Patenhuhnkonzept der Solawi ist mittlerweile ein voller Erfolg.

Haimanat Keleta schält Karotten und Kartoffeln, während Bernhard Will die Kerne aus den Hokkaido-Kürbissen entfernt. Sie wollen Kürbissuppe für die Besucher des Internationalen Gartencafés kochen. Ein paar Frauen haben selbst gebackenen Kuchen mitgebracht, es duftet nach Kaffee. Anlässlich des bundesweiten Aktionstags "Tag der Regionen" trafen sich am Freitagnachmittag Mitglieder und Mitarbeiter Vereins für Solidarische Landwirtschaft (Solawi) Bodensee in Raderach auf dem Hof von Sylvia und Gerhard Schoch. Dort im Abholraum schaffen Tische und Bänke Gelegenheit zur Begegnung. Sellerie, Tomaten, Lauch, Rote Beete und Salat stapeln sich in Kisten, auf einer Schiefertafel ist notiert, in welchen Mengen die Mitglieder die verschiedenen Gemüsesorten mitnehmen dürfen. Freitags ist immer Abholtag. Für einen Wochenbeitrag von 16 Euro 50 wird die Ernte unter den Mitgliedern aufgeteilt. Hier wird das Jahresmotto des Aktionstags "Wer weiter denkt, kauft näher ein", gelebt. Und dass es Spaß machen kann, regional, umweltbewusst und solidarisch zu wirtschaften und zu kaufen, beweist die Stimmung. Trotz kaltem Wind, Regenschauern und matschigem Boden spürt man Zusammenhalt und gute Laune, die auch auf die Besucher überspringt.

"Wir wollen, dass sich unsere Mitglieder kennen lernen und wollen soziales Gärtnern fördern", sagten Katrin Fieberitz, eine von zwei angestellten Gärtnerinnen und Vorstandsmitglied Markus Hener. Mit offenen Veranstaltungen will der Verein die Menschen mit den Themen Umweltschutz und Landbau bekannt machen und einen persönlichen Bezug zu den landwirtschaftlichen Produkten fördern. "Seit ich stundenlang Unkraut zwischen den Pflänzchen gezupft, und erlebt habe, wie langsam sie wachsen, betrachte ich die Karotten mit ganz anderen Augen", erzählt Solawi-Mitglied Antje Wilton schmunzelnd. Nur zwei Jahre nach der Gründung kultivieren und ernten bereits 90 Haushalte gemeinsam Gemüse. Darunter die Stadt Friedrichshafen, die damit im Obdachlosenheim kocht, und die Kulturplattform "Blaue Blume". Doch nicht nur Bürger der Umgebung profitieren von dem Projekt, auch Geflüchtete werden integriert und kommen zum Helfen. Wie Haimanat Keleta. Die 30-Jährige Eritreerin, die nach ihrem Geografie-Studium aus ihrer Heimat vor dem Militärdienst floh, arbeitet seit fünf Wochen zusammen mit den Gärtnerinnen auf dem Acker. Anders sei hier nur das Wetter, findet sie. Uta Wentzky hat mit sechs geflüchteten Jugendlichen des Bildungszentrums Markdorf ein Beet angelegt und bereits Winterzwiebeln gesteckt – frei nach dem Motto "Lernen durch Handeln". Sie lernen nicht nur, dass das Grüne nach oben wächst, sondern auch die Dinge vom Boden bis zur Hacke auf Deutsch zu benennen.

Einen kleinen Spaziergang entfernt stellt Stefanie Blinka ihr Hühnerpaten-Projekt vor. 117 Hühner scharren und picken auf einem eingezäunten Stück Wiese rund um ihren Stall, das "Hühnermobil". Für nicht ganz 110 Euro im Jahr bekommt ein Pate ein Huhn und erhält wöchentlich sechs Eier. 80 Paten haben sich bereits im ersten Jahr beteiligt und das Projekt war damit ausgebucht. Die Hühner sind glücklich und der Hofladen "BlinkaBelle" profitiert von einem kalkulierbaren Eierumsatz. Es beginnt zu regnen, unter dem Dach des Abholraums dampft die Kürbissuppe, die im Nu gegessen ist.

Der "Tag der Regionen"

  • Das Aktionsbündnis "Tag der Regionen" rückt einmal jährlich in einem mehrwöchigen Aktionszeitraum mit Projekten, Veranstaltungen und Festen und anderen Events Akteure in den Vordergrund, die einen Beitrag dazu leisten, in einer globalisierten Welt regionale Wirtschaftskreisläufe zu erhalten.
  • Der Verein für Solidarische Landwirtschaft (Solawi) in Raderach wurde 2015 gegründet und bewirtschaftet mit derzeit 90 Mitgliedern einen Hektar Land auf dem Hof von Gerhard Schoch. Zwei Angestellte und aus Bundesmitteln finanzierte Gärtnerinnen leisten dabei die Hauptarbeit. Die Mithilfe der Mitglieder auf dem Feld und bei der Arbeit mit verschiedenen Projekten erfolgt auf freiwilliger, ehrenamtlicher Basis. (abe)

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