Friedrichshafen - Sinfonieorchester Friedrichshafen mit jugendlicher Frische

Beim Jubiläumskonzert zum 100. Geburtstag im GZH zeigt sich der Klangkörper zu neuen Wegen bereit. Das legt auch die eingeladene Solistin nahe: Die junge Pianistin Varvara Nepomnyashchaya wirkt bei einem genialen Werk des jungen Mendelssohn mit.

Mit leisen, flirrenden Trillern eröffnete am Sonntag im GZH die groß besetzte Streichergruppe in der Ouvertüre zu "The Wasps" den ersten heiteren Teil des Konzerts. Doch diese Wespen aus der Schauspielmusik zur Komödie des altgriechischen Dichters Aristophanes stachen nicht. Ihren Flug führte Ralph Vaughan Williams auch nicht ins alte Griechenland, sondern in Klanglandschaften seiner englischen Heimat. Gut herausgearbeitet hatte MD Joachim Trost die unterschiedliche Rhythmik und Charakteristik in der losen Aneinanderreihung unterschiedlicher Tänze und Volkslieder. Die Geigen glänzten in den höchsten Lagen mit sehnsuchtsvollen Melodien, begleitet von zarten Harfenarpeggien. Im lyrischen Mittelteil traten die vielen Solostellen im Horn, Oboe oder Violine mit Emphase in den Vordergrund. In warmen Holzbläserpassagen und zupackendem Blechbläserklang ließen die Musikerinnen und Musiker die Filmmusik-Qualitäten Vaughan Williams' Musik durchschimmern.

Zum Geburtstag lädt man sich Gäste ein. Eine schöne Geste war die Verpflichtung der jungen, aufstrebenden Pianistin Varvara Nepomnyashchaya. Auch die Programmauswahl mit dem Klavierkonzert Nr. 1 g-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy könnte man symbolisch deuten: Handelt es doch um eine geniale, frühreife Komposition, die in der Anlage neue kompositorische Ideen aufgreift. So erlebte man das Sinfonieorchester Friedrichshafen auch im 100. Jubiläumsjahr mit jugendlicher Frische und immer bereit, neue Wege zu gehen.

Nach dem gut angelegten crescendierenden Orchestertutti übernahm die Solistin mit kräftigem Oktavsprung die Führung. Druckvolle Figurationen, vollgriffige Akkorde führten zum energiegeladenen Hauptthema. In feinem Wechselspiel reagierte das Orchester äußerst sensibel. Über zarter Streichergrundierung ließ Varvara das schlichte, lyrische Seitenthema zu einer breiten Kantilene aufblühen. Nach den Blechbläsereinwürfen bereitete die Pianistin in gefühlvoll sprechenden Phrasen das Andante vor. Bei der Themenübernahme von Violen und Celli strömte das Lied ohne Worte in hoher Lage als ruhiger Gesang auf dem Klavier. Lockere Trillerketten, perlendes Figurenwerk kennzeichneten den Mittelteil. Mit dem Hauptthema im Diskant, zurückgenommenem Tremolo der Streicher führte Trost zum still verklärten Schluss. Ein weiterer Fanfarenstoß eröffnete den dritten Satz. Im feurigen "Molto allegro con vivace" begann eine breit angelegte Improvisation für virtuoses Klavier und brillantes Orchester. Mendelssohn spielte den dritten Satz gerne "so schnell wie möglich, vorausgesetzt, dass man alle Töne hören kann". Und bei Varvara waren in den schnellen Läufen und Oktaven, chromatischen Durchgängen alle Töne zu hören. In einer fulminanten Stretta führte Trost Orchester und Solistin zum mitreißenden Schluss.

Als eigenes "Geburtstagsgeschenk" stand die "Symphonie fantastique" von Hector Berlioz nach der Pause auf dem Programm. Schon wegen ihrer opulenten Besetzung mit Harfen, Glocken und vierfachen Pauken und Fagotten ist sie ein repräsentatives Präsent. Für Dirigent und Orchester allerdings auch eine große Herausforderung. Das Eintauchen in die Vorstellungswelt eines imaginären Musikers "von krankhafter Empfindsamkeit", der sich mit Opium vergiftet hat, gelang Trost mit überwältigendem orchestralen Klang und außergewöhnlichen Solisten in allen Registern. Viel Agogik, aussagekräftige Phrasierung erlebte man in der alle Sätze verbindenden "Idée fixe" in verschiedenen Schattierungen. Befreit aufspielend, glänzten alle Orchestergruppen im heiteren zweiten Satz. Größte dynamische Bandbreite vom vierfachen Piano zum vierfachen Forte, zauberhafte Naturstimmung mit runder Cellokantilene, Soli von Englischhorn und Oboe, Donner von den Pauken, verdeutlichten die "Szene auf dem Lande". Ihren großen Auftritt hatten die Fagotte mit den düsteren Tönen beim dumpfen "Marsch zum Richtplatz", den die strahlenden Trompeten in eine feierliche Stimmung verwandelten. Fulminant, in der ersten Liga der Sinfonieorchester, spielte der "Hexensabbath". Furchterregend der plastische Einstieg ins diabolische Milieu. Herrlich verzerrt das Es-Klarinettensolo mit der "Idée fixe". Beklemmend mit Glocken, Fagotten und Tuba die Totenfeier mit "Dies irae". Exakte Einsätze durch alle Register im Fugato beim Hexen-Rundtanz, darüber starke synkopierte Blechbläsereinsätze. Gegen dieses impulsive Bild kann man Webers Wolfsschlucht ein "Wiegenlied" nennen.

Viel verdienter Beifall für Dirigent und Orchester für die außergewöhnliche Leistung.

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